von Oliver Cruzcampo
   

JN-Führungswechsel: M-V baut Machtposition aus

Nachdem die NPD-Jugendorganisation seit Monaten kaum noch in Erscheinung getreten war, wurde am vergangenen Wochenende nun ein neuer Vorstand gewählt. Sebastian Richter ist ab sofort neuer JN-Chef – damit baut der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern seinen Einfluss auf die Bundespartei weiter aus.

Sebastian Richter als Ordner auf einem "Trauermarsch" der rechten Szene in Demmin

Mit dem Verlust der sächsischen NPD-Landtagsfraktion Ende August verstummten auch die „Jungen Nationaldemokraten“, die Jugendorganisation der NPD. Der ehemalige Bundesvorsitzende Andy Knape, sein Vorgänger Michael Schäfer, sowie der JN-Bundesgeschäftsführer Julian Monaco waren alle drei eng mit der Fraktion in Dresden verbändelt. Seitdem ist es ruhig geworden um die Gruppierung, das letzte Facebook-Posting datierte genau auf den Wahltag. Fast der gesamte Bundesvorstand ist seitdem in der Versenkung verschwunden.

Vergangenen Sonnabend kam die NPD-Jugend zu ihrem Bundeskongress zusammen, um den Vorstand neu zu wählen. Zum neuen Bundesvorsitzenden wurde Sebastian Richter gewählt, der dem Vorstand auch schon vorher als Beisitzer angehörte. Dies sind auch schon fast sämtliche Informationen, die die JN preisgibt. Die rechtsextremen Nachwuchskräfte organisierten ihr Treffen konspirativ, auch im Nachgang schweigen sie sich über die Lokalität aus. Über die Stellvertreter, den neugewählten Vorstand oder die Wahlergebnisse werden ebenfalls keine Informationen veröffentlicht.

„Wir wollen die JN zu dem machen, was sie immer sein wollte: Kaderorganisation einer nationalistischen Partei“, kündigt Richter in der Pressemitteilung an. Zudem wolle man sich an der „Geschichte, Genetik und Schicksal unseres Volkes“ ausrichten. An dem Treffen nahmen auch der Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Köster, sowie Udo Pastörs als Vorsitzender der NPD-Fraktion in Schwerin, teil.

JN-Führungswechsel findet bei NPD-Spitze keine Erwähnung

Schnell wird klar: Mecklenburg-Vorpommern sichert sich in der Bundespartei erneut weiteren Einfluss. Erst Anfang November wurde Landeschef Stefan Köster zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt, nun übernimmt mit Sebastian Richter ein Kader aus M-V die NPD-Jugendorganisation und wird damit auch die zukünftige Ausrichtung mitprägen können.

Der 32-Jährige ist vor wenigen Jahren in den Norden gezogen und wohnt nun in unmittelbarer Umgebung von Köster, Pastörs und weiteren NPD-Kadern. Bis zum Mai gehörte der zweifache Vater noch der Geschäftsführung der NPD-Kreistagsfraktion des Landkreises Ludwigslust-Parchim an, bevor diese im Zuge der Kommunalwahlen verlorenging. Richter betreibt das Unternehmen „Norddeutscher Baumdienst“, welches als „junges Unternehmen aus Westmecklenburg“ beschrieben wird, das sich auf Seilklettertechnik spezialisiert hat. Als Motto wird dort beispielsweise „Unsere Heimat - Unser Auftrag“ erwähnt – denselben Slogan nutzte bereits der NPD-Landesverband zur letzten Landtagswahl.

Beim Bundesvorsitzenden Frank Franz dürfte der neue JN-Chef kaum einen Sturm der Begeisterung ausgelöst haben. Während Franz der rechtsextremen Partei ein modernes, gemäßigtes Image verpassen möchte, ist Richter eher dem radikal-völkischen Flügel zuzuordnen. Dementsprechend verwundert es kaum, dass die Neubesetzung der „Jungen Nationaldemokraten“ weder der Bundespartei noch dem sonst recht mitteilungsbedürftigen Frank Franz auch nur eine Erwähnung wert war. 

Kommentare(1)

Insider wissen mehr! Montag, 15.Dezember 2014, 19:30 Uhr:
Stefan Köster hatte ursprünglich eigentlich gar nicht vor für das Amt des stellvertretenden NPD-Parteivorsitzenden zu kandidieren. Allerdings sah er sich nach dem plötzlichen Ausfall des „Bandido“ Roßmüller von seinen Kumpanen bzw. Komplizen, nicht zuletzt auch vom „Firle-Franz“ höchstselbst, in die Pflicht genommen, galt es doch Personalien wie etwa Thomas „Steiner“ Wulff nach Möglichkeit auszubremsen. Nun läßt er sich eben seinen Einsatz mit der Kontrolle über die JN honorieren!
 

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