Jamel: Scheune von Neonazi-Gegnern abgebrannt

In der Nacht zu Donnerstag ist in Jamel eine Scheune bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Das Gebäude gehört dem Ehepaar Lohmeyer, das sich seit Jahren gegen rechtsextreme Umtriebe in der Region engagiert. Die beiden Geschädígten vermuten, dass die Täter in dem Spektrum zu verorten sind.

Donnerstag, 13. August 2015
Redaktion
Die Scheune brannte komplett nieder, Foto: Horst Lohmeyer
Die Scheune brannte komplett nieder, Foto: Horst Lohmeyer
Die 200 Quadratmeter große reetgedeckte Scheune auf dem Grundstück der Lohmeyers sei in der vergangenen Nacht bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Ein Übergreifen auf das Wohngebäude konnte durch die Feuerwehr jedoch verhindert werden. Ein Gast des Ehepaares soll kurz vor dem Ausbruch des Feuer eine unbekannte Person auf dem Grundstück entdeckt haben. Die Polizei geht deshalb auch von Brandstiftung aus. „Nach jahrelangem Mobbing durch die rechtsextremen Dorfbewohner bekommt die Auseinandersetzung nun eine andere, lebensgefährliche Qualität“, sagt Horst Lohmeyer. „Erst brennen die Wohnunterkünfte für Asylbewerber“, ergänzt Birgit Lohmeyer, nun würden die Häuser engagierter Bürger brennen. Gegenüber dem NDR teilten die Künstler mit, dass sie die Täter aus der rechtsextremen Szene vermuten.


Auf Facebook vermutet ein Nutzer, Medien würden das Thema Rechtsextremismus pushen, um das Festival zu bewerben, Foto: Screenshot Facebook

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass das Ehepaar mit dem Georg-Leber-Preis ausgezeichnet wird. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis für Zivilcourage wird von der IG Bau verliehen. Laut Bundesvorsitzendem Robert Feiger würde die Lohmeyers die Auszeichnung für ihre „vorbildliche Entschlossenheit“ im Kampf gegen den Rechtsextremismus verliehen bekommen. Der Preis soll Ende August während des „Jamel rockt den Förster“-Festivals überreicht werden, für das das Ehepaar noch Spenden sucht. Das Künstler-Ehepaar setzt sich seit Jahren ehrenamtlich für demokratische Werte in der Region ein. Dafür wurde es vor allem auch in Jamel immer wieder bedroht. In der kleinen oft als „Nazidorf“ beschriebenen Gemeinde ist die Mehrzahl der rund 40 Einwohner dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen. Der bekannteste Vertreter dürfte Sven Krüger sein, ein ehemaliger NPD-Funktionär, der auch Eigentümer des deutschlandweit bekannten Thinghauses ist. Erst Ende Juni fand auf dem Jamelner Grundstück des mehrfach vorbestraften Mannes eine Sonnenwendfeier statt, an der sich über 150 Rechtsextreme beteiligten.
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