Jahrbuch für Antisemitismusforschung 14

Ein neues „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“.

Donnerstag, 19. Januar 2006
Armin Pfahl-Traughber

Das von dem Historiker Wolfgang Benz für das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin herausgegebene „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ versteht sich als interdisziplinäres Forum für wissenschaftliche Beiträge zur Antisemitismus-, Minderheiten- und Vorurteilsforschung. Der vorliegende 14. Band enthält in drei Schwerpunktthemen 20 Aufsätze. Zunächst geht um die NPD und deren Wahlerfolg in Sachsen: Hier finden sich Beiträge über die Erfolgungsbedingungen der Partei in der historischen Perspektive, die NPD und ihr Umfeld in Sachsen und die Partei in Nordrhein-Westfalen und Sachsen im Vergleich. Der zweite Themenblock enthält Texte zur antisemitischen Fälschung der „Protokolle der Weisen von Zion“, wobei es um die Vorstellung von „jüdischer Verschwörung“ im Mittelalter, die „antizionistische“ Kampagne in Polen 1968 und die „Protokolle“ im Internet geht. Im letzten Teil finden sich unterschiedliche Aufsätze, die unter anderem das antijüdische Pamphlet „Der Juden Badenstub“, Hannah Arendts Deutung des Antisemitismus, Antisemitismus in Frankreich und das polnische „Radio Maryja“ zum Inhalt haben.
Überwiegend handelt es sich um gut belegte und strukturierte Abhandlungen, die nicht nur interessante Darstellungen, sondern auch Interpretationen vermitteln. Hervorhebenswert sind die Beiträge von Thomas Grumke und Richard Stöss, die über eine vergleichende Betrachtung bezogen auf Länder und Zeitabschnitte den analytischen Nutzen solcher Methoden überzeugend verdeutlichen. Der dritte Teil enthält ferner eine beachtenswerte kritische Analyse des Schulbuchklassikers „Damals war es Friedrich“ von Hans Peter Richter, der insbesondere Deutschlehrern zur Lektüre empfohlen sei. Erneut ist es Wolfgang Benz und seinen Mitarbeitern gelungen, ein überaus erkenntnisförderndes und interessantes Jahrbuch vorzulegen.

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