Jahrbuch für Antisemitismus- forschung 10 (2001)

Das von dem Historiker Wolfganz Benz herausgegebene "Jahrbuch für Antisemitismusforschung" versteht sich als Forum für wissenschaftliche Beiträge zur Antisemitismus- und Minderheitenforschung.

Freitag, 12. August 2005
A.Pf.-T.
Die 16 von Historikern, Politologen und Sozialwissenschaftlern verfassten Aufsätze widmen sich unterschiedlichen Themengebieten: Zunächst geht es um Friedhofsschändungen mit einer Deutung der Schändungen als symbolisierter Verweigerung der Auferstehung, eine nachträgliche Betrachtung zum Streit um den jüdischen Friedenhof Ottensen von 1993, einen Überblick zu den Friedhofsschändungen in der Bundesrepublik und eine Fallstudie zur Schändung von Grabstätten in der früheren DDR. Die dem Antisemitismus gewidmeten Beiträge beschäftigen sich mit dem Sturz des jüdischen "Eisenbahnkönigs" Bethel Henry Strousberg zur Zeit der Reichsgründung, der Rolle jüdischer Studentenverbindungen im Kaiserreich bei der Abwehr des Antisemitismus, "Judenbilder" in der Karikatur als historischer Quelle, den antisemitischen Einstellungen in Österreich nach 1945, der Rezeption des Holocaust-Leugners Roger Garaudy in arabischen Medien und der Leugnung des Holocaust in Japan. Zum Komplex Nationalsozialismus/Faschismus finden sich Texte über den österreichischen Widerständler Hermann Zeiz, das Massaker von Kamenez-Podolsk Ende August 1941, das Wirken von Guido Landra als Leiter des "Amtes zum Studium des Rassenproblems" im faschistischen Italien. Der Abschnitt über Migration enthält auch eine Darstellung zur Fürsorgepolitik des Refugee Children’s Movement zur Integration deutsch-jüdischer Flüchtlingskinder in die britische Gesellschaft. Mit dem zehnten Jahrgang des Bands des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin ist wieder eine beachtenswerte Zusammenstellung von Texten über aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung zum Antisemitismus und Nationalsozialismus, zu Holocaust-Leugnung und jüdischer Geschichte entstanden. Die einzelnen Beiträge sind überwiegend direkt aus den Quellen herausgearbeitet worden und nehmen beachtenswerte Analysen und Interpretationen vor.
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