von Redaktion
   

Jagd auf Migranten: Dortmunder Polizei schnappt mehrere Neonazis

Sieben Tatverdächtige nahm die Dortmunder Polizei an diesem Wochenende in Gewahrsam. Die polizeibekannten, teilweise bewaffneten Neonazis stehen im Verdacht, bei zwei verschiedenen Vorfällen Menschen mit Migrationshintergrund angegriffen zu haben.

Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Ein einsatzreiches Wochenende liegt hinter der Polizei in Dortmund. Zunächst nahmen die Beamten in der Nacht auf Samstag drei Neonazis fest, die zuvor eine vierköpfige Gruppe Asylbewerber rassistisch provoziert hatten. Aus dem Wortgefecht entwickelte sich eine Schlägerei, bei der nach Polizeiangaben Pfefferspray eingesetzt wurde. Die Angreifer seien mit einem Messer und einem Teleskopschlagstock bewaffnet gewesen, die Gegenstände konnten die Ermittler in der Nähe des Tatortes, der Haltestelle Reinoldikirche, sicherstellen.

Jagd auf Migranten

Die drei flüchtenden Tatverdächtigen wurden von mehreren Zeugen beschrieben und konnten nach kurzer Zeit durch Streifenbeamte festgenommen werden. Die 19, 20 und 23 Jahre alten Männer stammen aus Dortmund und Datteln und sind „hinreichend polizeilich bekannt“. Eine Vielzahl von Zeugen hatte die Tat beobachtet, teilweise sind sie zur Hilfe geeilt oder haben beruhigend auf die Personen einzureden versucht. Mindestens drei von ihnen wurden durch Pfefferspray verletzt und in Krankenhäusern behandelt. Als Rädelführer stuft die Polizei den ältesten der Gewalttäter ein. Da er bei seiner Festnahme die Beamten außerdem bedrohte und einen von ihnen fremdenfeindlich beleidigte, wurden weitere Anzeigen gefertigt. Die Ermittlungen hat die Soko Rechts übernommen.

Nur wenige Stunden später, in der darauffolgenden Nacht, schlugen dann im wahrsten Sinne des Wortes sechs Neonazis im Stadtteil Eving zu. Die Gruppe hatte zunächst vier junge Männer nach ihrer Nationalität befragt. Als diese ihren Migrationshintergrund bejahten, wurden sie mit Flaschen und einem Baseballschläger attackiert. Die Polizei berichtet weiter von Drohungen mit einem Messer. Die Spurenlage am Tatort, hieß es von den ermittelnden Beamten, lasse weiterhin vermuten, dass die Latten eines Jägerzauns als Schlagwerkzeuge eingesetzt worden sein könnten. Die Opfer gaben darüber hinaus zu Protokoll, sie seien getreten worden, als sie bereits am Boden lagen.

Bis an die Zähne bewaffnet

Der Schlägerbande gelang die Flucht. Rund eine Stunde nach ihrem Angriff wurden sie aber entdeckt – ausgerechnet von ihren Opfern, die alle Verletzungen davon getragen hatten. Aus Angst hatten sich die Männer versteckt, die Neonazis hätten nach ihnen gesucht. Nun alarmierten die Flüchtlinge aus ihrem Unterschlupf heraus die Polizei, die vier der sechs Angreifer stellen konnte. Der mutmaßliche Rädelsführer, ein 51-jähriger Dortmunder, versuchte sich erfolglos der Festnahme zu entziehen. Ein Kumpane hatte zuvor ein Messer weggeworfen, was die Polizei beobachtete. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung stellten Polizeibeamte außerdem einen Baseballschläger sicher.

Polizeipräsident Gregor Lange sieht durch die Taten seine These von einer Radikalisierung der Szene bestätigt. „Es ist wichtig, dass sich Zivilgesellschaft und Polizei gemeinsam der Radikalisierung konsequent entgegen stellen“, sagte er gestern. 

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