„Islamkenner“ bei Neonazi-Tagung

Unter dem Motto „Ist der Islam eine Bedrohung?!?!“ findet am 24./25. November „im Harz“ ein Lesertreffen der Zeitschrift „Recht und Wahrheit“ (RuW) statt. Dahinter steckt der verurteilte Neonazi Meinolf Schönborn (Herzebrock-Clarholz, Kreis Gütersloh).

Dienstag, 30. Oktober 2012
Anton Maegerle

Wenn wir jetzt die ISLAMISIERUNG unseres Volkes nicht verhindern und auch wieder versagen, dann ist in spätestens in 20 Jahren hier Schluss mit der Kultur des Abendlandes“, warnt der knasterfahrene Meinolf Schönborn in einem elektronischen Rundschreiben und fordert seine Kameraden auf: „Also ... kämpfe!!!!! Wir sehen uns beim Seminar!?“ Sein Schreiben beendet Schönborn, vormals Bundesführer der 1992 verbotenen Neonazi-Gang „Nationalistische Front“ (NF), mit „GruSS“.

Hauptreferent des unter konspirativen Umständen stattfindenden Islam-Tagung am 24./25. November soll Karl-Heinz Kuhlmann sein, einer der Erstunterzeichner des „Manifestes gegen den Linkstrend in der CDU“, aus Bohmte bei Osnabrück. Kuhlmanns Name ist in der Einladung zum RuW-Lesertreffen aus „Sicherheitsgründen geschwärzt“. Angekündigt ist Kuhlmann als „national-konservativer Professor im Ruhestand und weltweit bekannter Islamkenner“.

Als Festredner abgelehnt

Kuhlmann, Gelegenheitsautor der „Jungen Freiheit“ und Leserbriefschreiber der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“, ist Schirmherr des rechtsextremen „Freundschafts- und Hilfswerkes Ost e.V.“, das von Klaus Hoffmann, vormals NPD-Funktionär und Ex-Kader der verbotenen „Wiking-Jugend“, geführt wird.

Im Jahr 2005 lieferte Kuhlmann Schlagzeilen, als er von der Stadt Korbach in Hessen als Festredner bei einem pommerschen Vertriebenen-Treffen abgelehnt wurde. Nach der Lektüre von Kuhlmanns Redemanuskript erklärte Bürgermeister Klaus Friedrich: „Wir haben Bedenken, dass Ursachen und
Folgen der jüngeren deutschen Geschichte in dieser Festrede vernünftig dargestellt werden.“

Neben Kuhlmann referiert bei dem Lesertreffen der Zeitschrift „Recht und Wahrheit“ im „Harz“, das unter dem Motto „Ist der Islam eine Bedrohung?!?!“ stattfinden soll, die wegen Volksverhetzung verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck.

Halbautomatisches Gewehr im Rucksack

In einem gesonderten internen Rundschreiben wehklagt Schönborn, dass seine „bescheidene ‚Hütte’“ in Herzebrock-Clarholz am 7. Juli von der Polizei durchsucht wurde. Dateieinsicht habe es für die Beamten jedoch nicht gegeben, verkündet Schönborn stolz. Diesbezüglich habe er viel von dem verstorbenen Kameraden Jörg Lange gelernt.

Die Polizeiaktion gegen Schönborn stand in Zusammenhang mit dem in einem Anwesen im nordbrandenburgischen Herzberg (Ostprignitz-Ruppin) tot aufgefundenen Neonazi Lange. Bei dem Toten hatte die Polizei in einem Rucksack ein halbautomatisches Gewehr, eine Pistole und mehr als 300  Patronen für andere Waffen gefunden. Pächterin des Anwesens in Herzberg war Brigitte H., die Lebensgefährtin von Schönborn. Der Tagungsbetrag für das RuW-Lesertreffen Ende November ist auf ein Konto von H. bei der Kreissparkasse Wiedenbrück einzuzahlen. Der normale Tagungsbeitrag beträgt 25 Euro, Schüler und Hartz IV-Empfänger müssen 10 Euro berappen.

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