Investorensuche für rechtes Zentrum

Bondelum – Ein „Reichsbürger“ plant im schleswig-holsteinischen Bondelum bei Viöl (Kreis Nordfriesland) eine „freie Tagungsstätte“.

Donnerstag, 08. Mai 2014
Julian Feldmann

Per Kleinanzeige in der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ hat Franz-Harro Horn (Jg. 1942) aus Tating (Kreis Nordfriesland) jüngst nach Investoren für das ehemalige Anwesen des rechtsextremen Verlegers Roland Hermann Bohlinger (1937-2013) gesucht. Bohlinger, Anhänger der völkischen Ideologen Mathilde und Erich Ludendorff, hatte auf seinem Grundstück in Bondelum eine „Freie Republik Uhlenhof“ gegründet, auf dessen „Staatsgebiet“ bundesdeutsches Recht vermeintlich nicht gelte. Der „Ludendorffer“ Bohlinger war am 15. März vergangenen Jahres verstorben.

Selbst will der in Dresden geborene Horn kein „Ludendorffer“ sein. „Im Sinne Bohlingers“ möchte er das Gebäude in eine Tagungsstätte umbauen. Nach Horns Wünschen soll auch dessen Verlagstätigkeit weitergeführt werden. Deshalb ist er nun auf der Suche nach Geld. Zu Roland Bohlingers Verlagskomplex zählten der „Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur“, die „Theodor-Storm-Versandbuchhandlung“ sowie der „Hutten-Verlag“. Vorrangig Werke mit verschwörungstheoretischen Inhalten wurden dort vertrieben. Bohlinger war zudem als Vorstandsmitglied im „Deutschen Rechts- und Lebensschutzverband“ aktiv.

„Provinz Schleswig-Holstein“ im „Freistaat Preußen“

Horn selbst gehört zu den so genannten „Reichsbürgern“, für ihn existiert das Deutsche Reich bis heute fort. Die Bundesrepublik sei „kein Staat“, sagt der 71-Jährige. Deutschland sei ein „besetztes Land“. Und: „New York führt seit 1917 permanent Krieg gegen das deutsche Volk“. Vor wenigen Wochen sei in Kiel die „Provinz Schleswig-Holstein“ im „Freistaat Preußen“ neu ausgerufen worden. Horn fungiert eigenen Angaben zufolge als Sprecher dieser Provinz.

Bisher habe er noch keinen Geldgeber gefunden, sagt Horn. Für den Umbau des offenkundig stark renovierungsbedürftige Anwesens in der Nähe von Husum wird eine fünfstellige Summe benötigt. Deshalb scheint fraglich, ob aus der „Freien Republik Uhlenhof“ in naher Zukunft ein rechtsextremes Tagungshaus wird.

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