Internationaler Rechtsrock-Marathon

Von Karfreitag bis Ostersonntag spielen Bands aus verschiedenen Ländern in Süddeutschland, in „Mitteldeutschland“ sowie in Norditalien auf.

Mittwoch, 11. März 2015
Horst Freires

Seit langem ist bekannt, dass trotz des im Jahr 2000 erfolgten Verbots der deutschen „Blood&Honour“-Sektion die neonazistische Musikszene ihre Aktivitäten grenzüberschreitend und länderübergreifend professionell koordiniert. So ist etwa die in Deutschland nicht verbotene Hammerskin-Bewegung logistisch so aufgestellt, dass sie die konspirative Konzert-Vorbereitung und -Ausrichtung übernehmen kann. Die Konkurrenz von einst zwischen beiden Rechtsrock-Organisationen ist Geschichte. Man hat gelernt, sich zu arrangieren.

Ein Beispiel dafür liefert ein Blick auf das diesjährige Osterwochenende. Nur durch gegenseitige Absprachen ist es möglich, dass die beiden Bands „H8Machine“ (New Jersey) und „Thrima“ (Niepars bei Stralsund) gleich an drei Tagen nacheinander aufspielen wollen. Die US-Amerikaner traten in der Vergangenheit nicht selten bei von „Hammerskins“ organisierten Konzerten auf, werden aktuell aber beispielsweise in „Blood&Honour“-Kreisen beworben. „H8Machine“ propagieren die Straight Edge-Lebensweise: Kein Alkohol, keine Drogen, gesunde Ernährung und körperliche Ertüchtigung. Sie sollen zusammen mit den seit 2002 aktiven „Thrima“ am 3. April (Karfreitag) in Süddeutschland auf die Bühne steigen, einen Tag später in Norditalien bei den „Veneto Fronte Skinheads“ (VFS) zum traditionellen Oster-Rechtsrock und dann Ostersonntag laut Ankündigung „in Mitteldeutschland“. „Thrima“ hat es in der Vergangenheit schon immer zu Auftritten ins Ausland gezogen wie zum Beispiel nach Finnland oder Estland.

Besucher aus ganz Europa bei VFS-Spektakel

Als weitere Band am Karfreitag wird „Terrorsphära“ beworben. Die Österreicher, die mit der russischen Rechtsrock-Band „You Must Murder“ zusammen einen Tonträger eingespielt haben, sind so etwas wie die musikalische Hausmarke für die von Sebastian Raack initiierte Bekleidungsmarke „Greifvogel Wear“ geworden. Raack ist im Raum Dresden sehr umtriebig. Er verdient Geld mit einem Tätowierstudio, aber auch seit langem mit dem international tätigen Rechtsrock-Label O.P.O.S. Records.

Das VFS-Rechtsrock-Spektakel in Norditalien ist inzwischen zur jährlichen Gewohnheit geworden und zieht Besucher aus ganz Europa an. Mindestens eine deutsche Band bei VFS-Veranstaltungen ist üblich. Neben „H8Machine“ und „Thrima“ sind diesmal eingeladen: „Blue Eyed Devils“ (USA) sowie die italienischen Bands „Legittima Offesa“, „Nessuna Resa“ und „Acciaio Vincente“. Wiederum einen Tag später gesellen sich bei dem Konzert in den ostdeutschen Bundesländern „Hausmannskost“ vom Label Rebel Records aus Cottbus sowie „Deutsch Stolz Treue“ (D.S.T.) aus Berlin zu „H8Machine“ und Thrima.

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