von Marc Brandstetter
   

„Intellekt eines Pantoffeltierchens“: JN-Vize Dornbrach rechnet mit NPD ab

Nicht erst seit dem Verlust ihrer sächsischen Landtagsfraktion befindet sich die NPD in einer tiefen Krise. Kürzlich erschütterte der Rückzug ihres dortigen Landeschefs Holger Szymanski die Partei – auf seinem Computer sollen Pornofilme mit widerwärtigem Inhalt gefunden worden sein. Die „Perversen, Gestörten und Spitzel“ möchten NPD-„Köpfe“ aus ihren Reihen verbannen, Nachwuchs-Mann Pierre Dornbrach appelliert in der Deutschen Stimme an die Führung, die „internen Probleme“ auszumerzen.

NPD-"Reformierer" Pierre Dornbrach, hier auf dem "Tag der deutschen Zukunft" (Foto: Oliver Cruzcampo)

Vor rund zehn Jahren noch galt das NPD-Parteiblatt Deutsche Stimme als wichtiges Theorie-Organ der extrem rechten Szene. In ausführlicheren Artikeln führten die Kader Strategiedebatten, etwa zu „National Befreiten Zonen“, die nicht selten die politische Ausrichtung der „Bewegung“ prägten. Heute hingegen ist das Parteisprachrohr mehr oder weniger zu einem reinen Mitteilungsblatt für die eigenen Mitglieder geworden, in dem darüber hinaus oftmals nur die bekannten, längst im „Weltnetz“ publizierten Beiträge verschiedener Gliederungen und der letzten verbliebenen Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern ihre Zweitverwertung finden. Die wenigen grundlegenden Beiträge gehen meist entweder auf das Konto des gerade amtierenden Parteivorsitzenden ohne nachhaltige Wirkung zu entfalten oder wurden von aufstrebenden Jungfunktionären wie seinerzeit Michael Schäfer geschrieben, der sich nach dem Verlust seiner Anstellung bei der Landtagsfraktion in Dresden aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.

Den nächsten Aufschlag die Mutterpartei zu erschüttern, unternimmt der stellvertretende Bundeschef der Jungen Nationaldemokraten (JN), Pierre Dornbrach. Tatsächlich neue Inhalte liefert der 26-Jährige aber nicht. Vielmehr mahnt der die Führung an, „interne Probleme auszumerzen“. Dem „Nationalen Widerstand“ insgesamt stellt er ein schlechtes Zeugnis aus – es gebe zu wenige „Idealisten“, dafür aber „Glatzköpfe, die mehr Tinte im Gesicht haben als jemals von ihnen zu Papier gebracht wurde“. Bei öffentlichen Versammlungen fehle ein „Mindestmaß an Qualität“, der dort zu sehende Intellekt gleiche dem eine Pantoffeltierchens. Die letzten Jahre seien, so der Vorsitzende der brandenburgischen NPD-Junioren weiter, „Zeugnisse des Versagens“ seiner Partei, unerwünschte Erscheinungsformen nicht aus den eigenen Reihen auszuschließen. Die Erfahrungen, die er auf dem gescheiterten „Tag der deutschen Zukunft“ in Neuruppin vor wenigen Wochen gemacht habe, hätten diese Erkenntnis verstärkt, so Dornbrach weiter. Dort seien „Schreihälse, vor denen ihn seine Großmutter früher immer gewarnt“ habe, aufgetreten.

Bekannte Diagnose, bekannte Medizin

Dornbrachs Patentrezept ist so alt wie bekannt. Die NPD müsse aus „normalen Leuten“ bestehen, wenn sie „Volksbewegung“ und nicht etwa „Szene“ sein wolle. Angesichts von Dutzenden an Kleinkriminellen, politischen Wirrköpfen, Schlägern, Volksverhetzern oder sonstigen Gewalttätern dürfte hier der Wunsch Vater des Gedankens sein. Zumal sich Dornbrach selbst gerade im Visier der Justiz befindet. Nach der Erkenntnissen der Landesregierung von Brandenburg gehörte der Student des Wirtschaftsingenieurwesens zu einer elfköpfigen Neonazi-Gruppe aus der Mark, die an dem Überfall auf eine DGB-Veranstaltung am 1. Mai in Weimar beteiligt gewesen sein soll.

Das am Wochenende von der Trierer NPD um dem wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraften Safet Babic veröffentlichte Video, in dem sich eine Peinlichkeit an die nächste reiht, dürfte Dornbrach wie ein weiterer Knüppel zwischen die Beine für seinen Vorschlag vorkommen. Der Streifen jedenfalls sorgte für die von vielen Funktionären gewünschte Aufmerksamkeit, wenn auch auf eine andere Art und Weise.

Ähnlich erging es der Partei vor wenigen Wochen, als ihr Bundesgeschäftsführer und Chef des sächsischen Verbandes, Holger Szymanski, Knall auf Fall seinen Hut nehmen musste. Offiziell aus persönlichen Gründen, tatsächlich aber hatte die Polizei auf dem Rechner des früheren Landtagsabgeordneten, der als Spitzenkandidat das Debakel bei der Wahl am 30. August zu verantworten hatte, Medienberichten zufolge Pornofilme mit „widerwärtigem Inhalt“ gefunden. Über die Akteneinsicht weiterer Betroffener soll diese Erkenntnis dann in die Partei gelangt sein.

„Loser, Verlierer, Frauenschläger und sexuell Desorientierte“

Seit dem ist die mutmaßlich bezahlte Position des Geschäftsführers in der Berliner Seelenbinder Straße vakant. Die Parteispitze unter Frank Franz, der bislang keine Impulse setzten konnte, hält sich bedeckt. Allerdings hatte der Saarländer im Gegensatz zu seinem Vorgänger Udo Pastörs, der nach der „Affäre Apfel“ – dem Ex-NPD-Chef warfen seine früheren Weggefährten vor, „Kameraden“ sexuell belästigt zu haben – mit „harter Hand“ durchgreifen wollte, keine Aufklärung in Aussicht gestellt.

Kurz danach hatte David Petereit, NPD-Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern, auf Facebook einen Appell an die verbleibenden Anhänger gerichtet: „Nach den gestrigen Rücktritten ist aller Wahrscheinlichkeit nach wohl nicht damit zu rechnen, dass sich die in Raum stehenden Vorwürfe als haltlos erweisen. Alle sonstigen Perversen, Gestörten, Spitzel, V-Leute oder sonstige Verräter, die das hier lesen und glauben in der NPD eine Heimat zu haben, schließt Euch an und verschwindet!“. Dazu passt die Einschätzung von JN-Chef Sebastian Richter. „Die kleinen und großen Skandale der jüngsten Vergangenheit lassen unsere Bewegung als lächerlichen Haufen dastehen. [...] Früher waren wir die Bösen, Gewaltbereiten oder auch Dummen. Heute sind wir einfach nur noch die Loser, die Verlierer, die Frauenschläger und die sexuell Desorientierten“, schrieb der 33-Jährige bei Facebook. Dem ist nichts hinzuzufügen. 

Kommentare(6)

Gorm der Alte Montag, 03.August 2015, 16:23 Uhr:
Das wird den Pantoffeltierchen aber jetzt so garnicht gerecht, bestimmte Virenstämme haben mit den Nationalen schon eher vergleichbares.
 
Insider wissen mehr! Montag, 03.August 2015, 19:09 Uhr:
Na, dann sollte sich der junge „Demokrat“ aus Brandenburg als erstes einmal den „Firle-Franz“ vornehmen!
 
DasNiveau Dienstag, 04.August 2015, 06:13 Uhr:
Der Zentralrat der Pantoffeltierchen ist empört!
 
HerrKoenig Dienstag, 04.August 2015, 13:13 Uhr:
Petereit: "Alle sonstigen Perversen, Gestörten, Spitzel, V-Leute oder sonstige Verräter, die das hier lesen und glauben in der NPD eine Heimat zu haben, schließt Euch an und verschwindet!"

Was wird dann noch von der NPD übrig bleiben? Und wird selbst Petereit dann noch in der Partei sein?
 
Der Archivar Dienstag, 04.August 2015, 15:16 Uhr:
@ Die Parteispitze unter Frank Franz, der bislang keine Impulse setzten konnte, hält sich bedeckt. Allerdings hatte der Saarländer im Gegensatz zu seinem Vorgänger Udo Pastörs, der nach der „Affäre Apfel“ – dem Ex-NPD-Chef warfen seine früheren Weggefährten vor, „Kameraden“ sexuell belästigt zu haben – mit „harter Hand“ durchgreifen wollte, keine Aufklärung in Aussicht gestellt.

Tja, wer nichts verspricht, der braucht natürlich auch nichts zu halten …
 
Insider wissen mehr! Dienstag, 04.August 2015, 22:55 Uhr:
@ HerrKoenig: „Und wird selbst Petereit dann noch in der Partei sein?“

Auch dafür gibt es keinerlei Garantie! Wer weiß denn heute, ob nicht sogar Udo Pastörs nach der Landtagswahl die Segel endgültig streicht. Dann wäre Köster ganz allein auf weiter Flur, zusammen mit dem „Firle-Franz“ versteht sich, d.h. wenn der sich nicht auch noch verdünnisiert.
 

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