„III. Weg“ mobilisiert gegen den CSD

Auch in Erfurt wollen Neonazis die alljährliche Parade zum „Christopher Street Day“ stören.

Dienstag, 21. August 2018
Kai Budler

Wie schon in Darmstadt und Siegen will die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ auch in Erfurt die Demonstration am Samstag zum „Christopher Street Day“ (CSD) mit einer Kundgebung stören. In einer Mitteilung heißt es, mit dem CSD „propagiert ein Sammelsurium aus Medien, Politik und Genderfetischisten ein völlig kaputtes Familienbild“. Die mehrstündige braune Kundgebung am 25. August steht unter dem Motto „Familien schützen! – Homo-Propaganda stoppen!“ und soll ausgerechnet am Endpunkt der Erfurter CSD-Parade stattfinden. Dort will das organisierende CSD-Bündnis ein anschließendes Straßenfest feiern.

Angeblich haben Neonazis aus Thüringen „hunderte Flugblätter verteilt, um unsere Erfurter Landsleute für dieses Thema Stück für Stück zu sensibilisieren“. Außerdem kündigt die Partei in den kommenden Wochen weitere Aktionen zum Thema an. Der CSD geht auf den Aufstand von Homosexuellen gegen Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street Ende Juni 1969 zurück, dem tagelange Straßenschlachten mit der New Yorker Polizei folgten.

„Exzessive Pervertierung des traditionellen Familienbildes“

Bereits zehn Tage vor der geplanten CSD-Parade hatte das ehemalige NPD- und „Die Rechte“-Mitglied Enrico Biczysko als Mitglied des Erfurter Stadtrates eine Anfrage zum CSD an den Oberbürgermeister gestellt. Darin spricht der 36-jährige Neonazi vom CSD als einer „exzessiven Pervertierung des traditionellen Familienbildes“ und fragt nach jugendschutzrechtlichen Gründen, „diese Veranstaltung in seinen öffentlichen Darbietungen zu beschneiden oder ganz zu verbieten“. Die Mitteilung, Biczysko habe separat „das Jugendschutzamt kontaktiert“, sorgt vor Ort und in sozialen Netzwerken eher für Heiterkeit. Immerhin solle ein Stadtrat „schon wissen, dass das Jugendamt „Jugendamt“ und nicht „Jugendschutzamt“ heißt“, schreibt ein Facebook-Nutzer.

Der aus dem Erfurter Hooligan-Spektrum stammende Enrico Biczysko war 2014 auf Platz eins der NPD-Liste angetreten, die 2,5 Prozent der abgegebenen Stimmen erzielte. 2292 Stimmen entfielen auf Biczysko, der damit einen Sitz im Stadtrat erhielt. Knapp zwei Jahre später wechselte er zur Partei „Die Rechte“ (DR) und wurde Vorsitzender des Thüringer DR-Landesverbandes, sein Stellvertreter der langjährig aktive Neonazi Michel Fischer. (bnr.de berichtete) Doch schon Ende des folgenden Jahres trat der gesamte Thüringer Landesvorstand zurück, nachdem der DR-Bundesschatzmeister ihm vorgeworfen hatte, seit seiner Gründung „keine Beiträge mehr an den Bundesverband abgeführt“ zu haben. Als auch noch über eine mögliche Unterschlagung spekuliert wurde, traten Biczysko und Fischer aus der Partei aus. (bnr.de berichtete)

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