von Oliver Cruzcampo
   

Identitäre Bewegung: Aktivistin Mitglied im Senat der Universität Greifswald

Der Senat der Universität Greifswald steht vor einem Problem. Unter den neu gewählten studentischen Senatoren befindet sich eine Anhängerin der Identitären Bewegung. Der Vorsitzende der Liste – CDU-Mitglied –, über die die Frau eingezogen ist, distanziert sich nun von der Person und fordert eine Neubesetzung.

In einem am Montagmorgen öffentlich gemachten Statement gehen die studentischen Senatoren der Universität Greifswald auf ein Mitglied ein, dass offenbar der rechtsextremen Identitären Bewegung zuzurechnen ist. Im Anschluss an die konstituierende Senatssitzung sei festgestellt worden, dass „eine über die studentische Pro Arndt Liste in den Senat gewählte Studentin der rechtsradikalen Identitären Bewegung (IB) zuzuordnen ist.“

Studentische Senatorin an mehreren IB-Aktionen beteiligt

Franziska Gerbe sei auf mehreren Bildern als Teilnehmende verschiedener Aktionen der Identitären zu sehen. In der Tat kursieren auf Facebook Fotos, die die Studentin bei mehreren Auftritten der IB zeigen. Im November nahm Gerbe beispielsweise an einer Verteilaktion von Pfefferspray in Stralsund und Greifswald teil und wird doch als „Aktivistin“ bezeichnet.

Weiter heißt es in der Veröffentlichung der zehn von insgesamt zwölf studentischen Senatoren:

„Wir verurteilen jegliches Engagement von Angehörigen des Senats in der IB oder anderen rechtsradikalen Organisationen auf das Schärfste, da dies für uns mit dem Leitbild der Universität unvereinbar ist. Wir distanzieren uns hiermit ausdrücklich von all denjenigen, die sich in solchen Organisationen engagieren oder damit sympathisieren.“

Der Senat ist neben dem Rektorat das zweite zentrale Organ der Universität und beschließt beispielsweise Satzungen und Ordnungen. Die studentischen Vertreter stellen zwölf der insgesamt 36 Mitglieder des Gremiums. Im Januar wurde der Senat neu gewählt, im April begann die neue Amtszeit.

In den Senat eingezogen ist die Studentin zusammen mit einem weiteren Vertreter über die „Liste Pro Arndt“. Diese hatte bereits im Vorfeld für Kritik gesorgt, da vier der Kandidaten Mitglieder von Burschenschaften sind, u. a. auch der Rugia. Die Verbindung, der auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Enrico Komning angehört und in deren Räumlichkeiten bereits der AfD-Politiker Ralph Weber einen Vortrag gehalten hat, zählt zum Verbund der „Deutschen Burschenschaft“, der immer wieder mit rechtsextremen Bezügen in Verbindung gebracht wird.

Gründer der Liste will „personelle Neuordnung“

Fabian Fischer, Vorsitzender der „Liste Pro Arndt“ und CDU-Mitglied, reagierte mit einer persönlichen Stellungnahme auf das Statement der studentischen Senatoren. Als Gründer der Liste habe er mit Gerbe bei der Aufstellung ein Gespräch geführt. Ihre Aktivitäten für die Identitären habe sie Fischer jedoch verschwiegen. „Aufgrund der Recherchen distanziere ich mich explizit von der Senatorin und spreche mich für eine personelle Neuordnung aus“, so Fischer.

Die Liste wurde auch aufgestellt, um sich an der Universität Greifswald für den Erhalt des Namenszusatzes „Ernst Moritz Arndt“ einzusetzen. Im Januar entschied allerdings eine Mehrheit für die Ablegung des Namens. Auch die Identitäre Bewegung hatte mehrere Aktionen zu der Thematik durchgeführt.

Der Senat hat die IB-Aktivistin aufgrund des „Unwissens über ihre politische Orientierung“ zudem in die Haushaltskomission gewählt, die zehn studentischen Senatoren entschuldigten sich in der Stellungnahme dafür. Auf eine schriftliche Anfrage habe G. bislang nicht reagiert.

Kommentare(1)

Peter Donnerstag, 19.April 2018, 18:52 Uhr:
Halli Hallo liebe endstation-rechts.de,
ich schreibe diesen Kommentar, da ich doch offen zugeben muss, dass ich mich über diesen Artikel in hohem Maße wundere.
Inwiefern steht der Senat der Universität Greifswald vor einem Problem?
Ich finde es schon schwach, dass die Belegung eines solchen Amtes im Zusammenhang mit einer "wünscheswerten" politschen Ansicht stehen muss.
So wie ich das verstehe wurde diese besagte Frau Gerbe ganz demokratisch gewählt worden und soll deshalb dieses Amt jetzt besetzen.
Ist ihre politsche Einstellung das Problem?
Natürlich würde ich das ganze Problem jetzt verstehen wäre sie beispielsweise Mitglied im KKK, oder eine vorbestrafte Volksverhetzerin.
Die Mitgliedschaft in der IBD scheint mir dabei aber, bei meinem gesunden Menschenverstand, nicht genug Beweiß zu sein, sie als eine Gefahr für die Öffentlichkeit darzustellen zu müssen.
Dabei gilt immer wieder, dass diese Verallgemeinerungen sehr gefährlich sein können. Ja die IBD hat Probleme, sie wird z.B. von rechtsextremen republikfeindlichen Neonazis unterwandert. Ist deshalb jeder Aktivist der IB ein Neonazi?
Anderes Beispiel aus dem anderen extremen Spektrum:
Die Antifa zündet Autos an und löst fast bürgerkriegs-ähnliche Zustände aus, bringt Stadtteile kurzweilig unter die eigene Kontrolle. Ist deshalb jedes Mitglied der Antifa ein respektloser Radikaler, der gerne Steine auf Menschen wirft.
Nein, ich denke nicht!

LG,


 

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