„Identitäre“ auf Expansionskurs

Die „Identitäre Bewegung“ (IB) hat eine Stiftung mit internationaler Ausrichtung gegründet, Sitz ist das polnische Szczecin (Stettin). Pläne gibt es bei der IB auch für neue Immobilienprojekte. Am 20. Juli will man sich in Halle mit einer Demonstration ins öffentliche Licht rücken.

Freitag, 05. Juli 2019
Horst Freires

Nach eigenen Ausführungen hat die „Identitäre Bewegung“ (IB) eine gemeinnützige internationale Stiftung mit dem Namen Generation Identity Europe Foundation (G.I.E.F.) eingerichtet. Stiftungsziel ist den IB-Angaben zufolge die Förderung patriotischer Projekte und Organisationen in Europa. Derzeit sei man in Polen, Österreich, Deutschland und Frankreich aktiv. Als Gründungsverantwortliche werden die deutschen IB-Funktionäre Daniel Sebbin aus Mecklenburg-Vorpommern sowie David Thomas Ratajczak aus Niedersachsen benannt.

Sebbin ist auch einer der Initiatoren des IB-Projektes „Schanze Eins“ und Mitbegründer der selbst erkorenen Biermarke „Pils Identitär“. Da Polen bis dato noch nicht mit einer eigenen IB-Ländergruppierung aufgefallen ist und Sicherheitsbehörden speziell die IB in Deutschland und Österreich unter besondere Beobachtung genommen haben, ist nicht auszuschließen, dass der Stiftungssitz mit Bedacht ein wenig abseits der allgemeinen Aufmerksamkeit eingerichtet wurde. Will man mehr erfahren über die neue Stiftung, gibt es eine Homepage in deutscher und englischer Sprache, allein die Stiftungssatzung mit 26 Paragrafen wird nur auf Polnisch wiedergegeben.

Begegnungsstätte mit patriotischer Bar gesucht

„Schanze Eins“ ist ein Investitionsbeteiligungsvehikel zur Finanzierung und Anschaffung von eigenen Immobilien. Neben Sebbin werden von der IB Daniel Fiß und Torsten Görke ebenfalls aus Rostock als namentliche Gründungspersonen ausgewiesen. Die beiden Letztgenannten eint eine frühere Mitgliedschaft in der NPD-Jugendorganisation, wenn auch in unterschiedlichen Bundesländern. Ganz nach dem Vorbild der von der IB durch die Gruppe „Kontrakultur Halle“ genutzten Immobilie in Sachsen-Anhalt sollen nun zwei weitere eigene Immobilien in Rostock und im oberösterreichischen Linz anvisiert werden.

In einem Infoflyer von „Schanze Eins“ ist davon die Rede, dass man auf Suche nach einem konservativen Begegnungspunkt in beiden Städten sei. Dieser solle folgendes Anforderungsprofil erfüllen: eine patriotische Bar, ein Schulungszentrum, eine Bibliothek, Büroräume und Wohnmöglichkeiten für junge Aktivisten. Und die Blaupause für genau diese Beschreibung analog dem selbst ernannten Veranstaltungshaus „Flamberg“ in Halle/Saale entdecken Beobachter in der nach einer Besetzung selbst verwalteten Begegnungsstätte der kulturfaschistischen italienischen „CasaPound“-Bewegung.

400 000 Euro zur Realisierung benötigt

Zum Standort Linz in Oberösterreich heißt es, dieser sei verkehrstechnisch gut erreichbar, „auch für Patrioten aus dem süddeutschen Raum“. Der bisherige Treffort in der so genannten „Villa Hagen“ in Linz ist der IB nämlich gerade erst entzogen worden. Sie hatte dort inoffiziell Unterschlupf bei der rechtslastigen Burschenschaft „Arminia Czernowitz“ gefunden und ihr „Khevenhüller-Zentrum“ propagiert. Rund 400 000 Euro würden zur Realisierung benötigt. Als Projektverantwortlicher in Sachen Linz wird Steve Henschke aufgeführt.

Wie für Linz wird auch für Rostock die Umsetzung bis zum Jahr 2020 ausgegeben. Auch für Rostock ist eine benötigte Investitionssumme in Höhe von 400 000 Euro angedacht. Als Kontaktperson für das Projekt an der Ostsee sollen sich Interessenten an Sebbin wenden. Allein auf die Rechtsaußen zu verortende Finanzierungsplattform „Ein Prozent“ (für unser Land) will die IB sich offenbar bei ihren Immobilienplänen nicht mehr verlassen.

„Echte Gegenkultur zum Mainstream“

Am 20. Juli richten sich unterdessen wieder die Blicke nach Halle/Saale. Dort laden die „Identitären“ zu einer bundesweiten Demonstration unter dem Motto „Europa verteidigen! Es bleibt unsere Heimat“ ein. Mit diesem Demonstrationsort unterstreichen die IB auch hegemoniales Selbstbewusstsein in Form ihres Projekts „Kontrakultur Halle“ und deren Flamberg-Haus. Vor letzterem soll es am 20. Juli nach dem Aufmarsch laut IB ein Hof- und Straßenfest geben. Sieht man sich den Mobilisierungs-Videoclip der IB zur anstehenden Demonstration an, könnte man auf den Gedanken kommen, dass für Straßenschlacht und Häuserkampf inmitten von bengalischem Feuerqualm geworben wird.

Die offenbar bewusst geschürte Zuspitzung drückt sich auch wortwörtlich auf der IB-Homepage aus: „In Halle polarisiert sich der Gegensatz zwischen einer heimatverbundenen Jugend und der ideenlosen und veralteten Ideologie der Linken. In Halle schaffen wir echte Gegenkultur und identitäre Alternativen zum Mainstream. Dies wollen wir am 20. Juli unter Beweis stellen und den Linken und Multikultis in die Suppe spucken.“ Zivilgesellschaftliche Gegenproteste für Halle sind bereits angemeldet.       

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