von Oliver Cruzcampo
   

IB-nahes Unternehmen wirbt in Schulbüchern

Ein Verlag stattet seit Jahren Schulen kostenlos mit Büchern aus – finanziert werden diese durch Sponsoren. Nachdem kürzlich bereits der umtriebige Neonazi Tommy Frenck dort gelistet wurde, taucht nun in einer neu verteilten Auflage prominent ein neuer Geldgeber auf: Ein der Identitären Bewegung nahestehendes Unternehmen, einer der Geschäftsführer ist der IB-Vorsitzende Daniel Fiß.

Auf der Rückseite der Fahrradfibel prangt das Logo der Identitären Bewegung, Foto: privat

Seit seiner Gründung im Jahr 2003 gibt der GH Verlag Bücher „zu aktuellen und kindgemäßen Themen“ heraus. Da die Publikationen kostenlos verteilt werden, wirbt der Verlag bei unzähligen Firmen und Einzelpersonen um Gelder. Dementsprechend lang ist die Liste der Unterstützer, die in den Heften namentlich genannt werden.

Während die meisten Sponsoren am Ende des Heftes genannt werden, haben es zwei auf die Umschlagseite geschafft. Pikant: Eines der beiden Unternehmen ist der Identitären Bewegung zuzurechnen, es wird gar das IB-Logo abgebildet, wenn auch in schwarz-weiß.

Geschäftsführer ist IB-Bundeschef

Auf der Rückseite der Fahrradfibel, die vor allem der Verkehrserziehung an Grundschulen dienen soll, taucht die Werbung der „Okzident Media UG“ auf. Neben dem Logo und der Anschrift ist dort nicht viel mehr über das Unternehmen zu erfahren. Eine kurze Recherche macht jedoch schnell deutlich: Geschäftsführer der in Rostock ansässigen „Okzident Media UG“ sind laut deren Internetseite Daniel Sebbin und Daniel Fiß, letzterer ist einer der beiden Bundesvorsitzenden der Identitären Bewegung. Auch Daniel Sebbin ist kein Unbekannter, seit Jahren ist er umtriebiger Aktivist der rechtsextremen Gruppierung. Unter der angegebenen Adresse hat der Identitäre zudem Räume angemietet, die die IB seit Längerem nutzt. Beobachter ordnen das Objekt gar als Bundeszentrale ein, die Identitäre Bewegung hält sich offiziell hingegen bedeckt.

Das Unternehmen, das bislang öffentlich nicht in Erscheinung getreten ist, steckt hinter „Okzident News“, dort wird seit einigen Monaten eine „patriotische Nachrichtenapp“ beworben. Passiert ist bislang nicht viel, das Vorhaben wurde auch für die IB-“Messe“ in Dresden angekündigt, dann aber offenbar doch nicht vorgestellt. Die unzähligen Websites, „Kampagnen“ und Aktionen haben vor allem ein Ziel: Die Identitäre Bewegung soll größer erscheinen, als sie eigentlich ist. Ein Blick hinter die Fassade verdeutlicht, dass oft dieselben wenigen Funktionäre involviert sind.

Auch Neonazi Tommy Frenck als Sponsor

Die Fahrradfibel ist nun im Umlauf. 12.000 Exemplare seien an Grundschulen in Mecklenburg-Vorpommern verteilt worden, erklärte Geschäftsführer Ralph Harder gegenüber ENDSTATION RECHTS. All das sei „dumm gelaufen“, so Harder. Gleichzeitig gibt er dem Verfassungsschutz eine Mitschuld und fühle sich „verarscht“. Welchen Vorwurf er der Behörde konkret macht, bleibt unklar. Dass das IB-nahe Unternehmen neben 80 weiteren im Heft gelisteten Sponsoren prominent auf der Umschlagseite zu finden ist, liege daran, dass eine größere Summe gespendet worden sei.

Es ist nicht der erste Vorfall, bei dem Rechtsaußen-Vertreter ihre Werbung in dem Schulbuch platzieren können. Erst vor wenigen Monaten tauchte der Name der Kneipe „Goldener Löwe“ aus Kloster Veßra in der Fahrradfibel auf, dahinter steckt der Neonazi-Unternehmer Tommy Frenck. Auf Nachfrage von Vice reagierte der Inhaber des Verlags mit einer kruden Aussage: „Uns ist es egal“, sagt Harder. „Ich lasse es allen frei, uns zu unterstützen – mit Ausnahme von Gruppen wie der NPD, die polizeilich schon in Erscheinung getreten sind.“

Kommentare(4)

kritiker Samstag, 01.September 2018, 01:11 Uhr:
Schlimm genug, daß so ein reiches Land wie Deutschland (laut Frau Merkel geht
es ja Deutschland zur Zeit so gut wie nie) unseren Kindern die Schulbücher nicht
aus dem zur Zeit übervollen Steuersäckel finanziert und die Schulen und Eltern
auf Sponsoren angewiesen sind. Und da es leider so ist, hat Herr Harder doch
völlig recht, wenn er jede Unterstützung (egal von wem) dankend annimmt.
 
Roichi Samstag, 01.September 2018, 14:16 Uhr:
@ kritiker

Klar. Lass doch Verfassungsfeinde, Menschenrechtsverachter und Extremisten in Schulbüchern werben. Ist ja nur die Jugend. Der Nachwuchs der Bewegung.
Was hätte es nur für einen Aufschrei gegeben, wenn das von einem radikal-islamischen Verein gewesen wäre. Die Hutbürger und Abendlanduntergeher hätten sich nicht eingekriegt vor Empörung. Du eingeschlossen.
 
kritiker Montag, 03.September 2018, 13:55 Uhr:
@ roichi
Ein Logo, welches sehr junge Schulkinder überhaupt nicht kennen und welches die
meisten Erwachsenen ebenfalls nicht zuordnen können, ein solche unbedeutendes
und nichtssagendes Gekrakel auf der Rückseite der Fibel - das ist für Sie , werter
Roichi, eine ganz "schlimme Werbung der Bösen". Diese Ihre Deutung halte ich,
Sie entschuldigen, für lächerlich und maßlos übertrieben. Zumal auch noch 80
andere Anzeigen (haben die linken Meinungspolizisten diese auch überprüft ?)
in der Fibel plaziert sind. Die Schüler werden die Anzeigen übersehen, weil sie
sich für den sachlichen Inhalt der Fibel interessieren und nicht für blöde Werbung.
Also: keine Angst haben und lieber froh darüber sein, daß mit Hilfe privater
Sponsoren den Kindern ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr gezeigt wird.
Übrigens: wenn irgendein islamistischer oder auch linksextremer Verein eine so
mickrige Anzeige plaziert hättte - ich hätte bestenfalls herzlich über so viel
Dummheit gelacht.
Wer sich aber wegen so eines unbedeutenden und nichtssagenden Logos nicht
einkriegt vor Empörung - das sind die wackeren Kämpfer gegen Rechts !
 
Roichi Mittwoch, 05.September 2018, 08:24 Uhr:
@ kritiker

Und damit verpasst du mal wieder absichtlich ideologisch bedingt den Punkt der Debatte. Nämlich Werbung durch einen Rechtsextremen Verein in Schulmaterial.
Da hilft auch keine Ablenkung ob der Größe der Anzeige, eine der größeren im Buch, und dem Bekanntheitsgrad des Logos, der soll ja gesteigert werden druch die Anzeige, oder dem Inhalt des Buches, der als Vehikel genutzt wird um Nachwuchs zu gewinnen.
Also ruhig nochmal den Artikel und meinen Kommentar lesen und vielleicht zum Punkt etwas sagen. Oder auch nicht. Aber nicht versuchen peinliche Ausflüchte zu finden.
 

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