Hotelpoker in Aachen

Im Raum Aachen und Düren gab die NPD binnen weniger Monaten mehrfach an, an Immobilien interessiert zu sein – möglicherweise soll der Preis in die Höhe getrieben werden.

Freitag, 04. Juni 2010
Michael Klarmann

Will die NPD wirklich das noch betriebene, aber aus Altersgründen zum Verkauf stehende Hotel mit rund 20 Gästezimmern, einem kleinen Biergarten und Speisesaal im direkten Umfeld des Aachener Hauptbahnhofs kaufen? Der Hotelier will namentlich nicht genannt werden und spricht von einer „rein kaufmännischen Entscheidung“. Lokalpolitiker vermuten jedoch, wie in anderen Fällen solle durch die NPD-Offerte auch der Preis in die Höhe getrieben werden. So wird der Wert des Hauses auf 400 000 bis 600 000 Euro geschätzt, laut ungenannt bleiben wollender Lokalpolitiker soll der Hotelier jedoch im Zuge seiner Verkaufspläne die Grundschuld für das Gebäude von 500 000 auf stolze 880 000 Euro aufgestockt haben.

Das Interesse an dem Hotel hatte der Chef des NPD-Kreisverbandes Aachen, Willibert Kunkel (Stolberg), via Internet vor Wochen bekannt gemacht. Jedoch hatte schon Ende Januar der benachbarte NPD-Kreisverband Düren und dessen Chef, Ingo Haller (Niederzier), großspurig verkündet, eine Gaststätte mit Saal im Dürener Vorort Merken kaufen und dort ein „Nationales Zentrum Rheinland“ für Veranstaltungen, Schulungen und Treffen einrichten zu wollen. Szenekreise behaupteten später, das Kaufinteresse sei vorgetäuscht gewesen, etwa, um dem Wirt beim Verkauf einer schwer absetzbaren Immobilie zur Hand gehen zu können – und vor den Landtagswahlen in die Schlagzeilen zu kommen. Die Gaststätte soll dann für rund 200 000 Euro an einen Privatinvestor verkauft worden sein – zuvor hatte der Landesverfassungsschutz noch gewarnt, man sehe „Zweifel daran, ob die NPD selbst über ausreichend Mittel verfügt“ hätte, um jenen Kauf stemmen zu können.

Pacht einer Gaststätte verhindert

Ohne öffentliches Aufsehen zu erregen hatte Haller kurz darauf versucht, eine Gaststätte mit Privatwohnung in der Gemeinde Niederzier (Kreis Düren) zu pachten. Die Lokalpolitik verhinderte das. Nahezu zeitgleich hatte der Stolberger NPD-Ratsmann Kunkel Interesse an einem kleinen Landgasthof am Rande seiner Heimatstadt geäußert. Stolbergs Bürgermeister Ferdi Gatzweiler vermutete schlicht „Wichtigtuerei“ als Grund dafür. Nachdem sich der Verkauf unaufgeregt zerschlagen hatte, verbreitete Kunkels NPD-Kreisverband Aachen am 31. März trotzig, man sei sowieso „nicht an kleineren Objekten interessiert“. Bald erfolgte dann der Hinweis, man wolle in Aachen kaufen.

Kunkel – dessen Kreisverband im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf selbst nicht aktionsfähig war – wollte Anfang Mai schon „den Landesverbänden“ seiner Partei seine Pläne für das Hotel vorgestellt haben. Der stellvertretende Vorsitzende der Bundes-NPD Frank Schwerdt sagte jedoch am 13. Mai dem Portal tagesschau.de, er habe erst durch dessen Recherchen von dem angekündigten Kauf in Aachen erfahren. Am 25. Mai meldete sich dann die NPD-Bundespartei erstmals offiziell zu Wort. Man unterstütze Kunkels Pläne und der Vorstand werde sich Anfang Juni „damit befassen“.

Mitte Mai noch hatte der NRW-Landesverband der NPD auf einer Sitzung des Landesvorstandes über das Wahldebakel bei der NRW-Landtagswahl festgestellt, dies sei auch mit „der schlechten finanziellen Ausstattung“ durch die Bundespartei zu erklären. Tage später wollte sich dann die Partei plötzlich für den Hotelkauf in Aachen erwärmen.

„Vernetzung mit Nationalisten aus dem europäischen Ausland“

„Den Ankauf über Sponsoren, gerade auch aus dem Ausland, sieht der NPD Parteivorstand sehr positiv. Zumal die Hotelzimmervermietung weiterhin bestehen bleibt, um die Teilrefinanzierung zu sichern. Bestehende Arbeits-, Ausbildungsplätze könnten so erhalten bleiben und der Altbesitzer sicherte zu, diese nicht ‚hängen’ zu lassen, sondern auch weiterhin zu betreuen.“, wird auf der Homepage der NPD betont. Die ausländischen Investoren wollten das Haus fördern zwecks „Vernetzung mit Nationalisten aus dem europäischen Ausland“, heißt es weiterhin.

In der Lokalpolitik glaubt man derweil, durch das Vorgehen des ihr gegenüber eher wortkargen Hoteliers und der NPD dränge sich immer mehr der Verdacht auf, es gehe lediglich darum, den Preis für die Immobilie in die Höhe zu treiben. Trotzdem haben die Ratsfraktionen der Stadtverwaltung empfohlen, ordnungs- und bauordnungsrechtliche Schritte vorzubereiten, um eine Umnutzung des Hotels auszubremsen – falls die NPD tatsächlich kaufen will oder kann.

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