von Oliver Cruzcampo
   

Holocaust-Leugner Gerhard Ittner festgenommen

Weniger als eine Woche nach der Verhaftung Ursula Haverbecks wurde nun auch der Holocaust-Leugner Gerhard Ittner festgenommen. Der Mann muss eine sechsmonatige Rest-Freiheitsstrafe absitzen – die rechte Szene plant derweil offenbar eine Protestaktion für Ittner.

Gerhard Ittner auf der Neonazi-Demo in Dresden, Foto: Antifaschistisches Nachrichtenportal Niedersachsen

Vergangenen Samstag wurde der notorische Holocaust-Leugner Gerhard Ittner von der Polizei festgenommen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegenüber ENDSTATION RECHTS. bestätigte. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Vollstreckungshaftbefehl.

Hintergrund der Verhaftung ist eine Verurteilung Ittners im November 2017. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte den Neonazi wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Ittner soll zwischen 2011 bis 2012 Schriften verbreitet haben, in denen unter anderem der Holocaust geleugnet wurde.

Zur Fahndung ausgeschrieben

Die Verurteilung wurde im Januar 2017 rechtskräftig – da Ittner allerdings bereits ein Jahr in U-Haft gesessen hatte, muss er nun lediglich eine Rest-Freiheitsstrafe von sechs Monaten antreten. „Er war für uns nicht greifbar“, so die Gerichtssprecherin, deshalb wurde Ittner zur Fahndung ausgeschrieben.

Festgenommen wurde der Mann am 12. Mai am Rande einer Neonazi-Veranstaltung in Bretzenheim. In der kleinen rheinland-pfälzischen Gemeinde entstand zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein Kriegsgefangenenlager, das zur Gruppe der Rheinwiesenlager zählte. In der Region veranstaltet die rechte Szene alljährlich einen „Gedenkmarsch“.

Aufmerksam auf die Inhaftierung Ittners machte der sogenannte Volkslehrer Nikolai Nerling, der auf seinem YouTube-Kanal Szenegrößen zu Wort kommen lässt und neben Ittner auch ein Video mit Ursula Haverbeck online stellte. In einem aktuellen Video spricht Nerling davon, dass derzeit eine Protestaktion für den in der JVA Nürnberg einsitzenden Holocaust-Leugner geplant werde, ein Datum nennt er nicht.

Nächster Gerichtstermin

Erst vergangenen Donnerstag führte die rechte Szene – organisiert von der rechtsextremen Partei Die Rechte – einen Solidaritätsmarsch vor die JVA Bielefeld durch. Dorthin wurde Haverbeck drei Tage zuvor gebracht. Gut möglich, dass es im Fall Ittner nun analog in Nürnberg vor die dortige Vollzugsanstalt gehen soll. Dort war Die Rechte bereits 2015 für Ittner auf die Straße gegangen, im Anschluss kam es zu Neonazi-Angriffen auf eine feministische Demonstration.

Ittner hatte in den letzten Jahren medial für Aufmerksamkeit gesorgt, da er rund um den Jahrestag der Bombardierung Dresdens Demonstrationen anmeldete, denen sich etliche bekannte Revisionisten anschlossen. Im Februar 2017 nannte er sich dort einen „überzeugten Nationalsozialisten“, Hitlers Nationalsozialismus wäre heutzutage ein „Modell für die ganze Welt“. Gegen einen Strafbefehl legte der 60-Jährige Widerspruch ein, somit dürfte es vor dem Amtsgericht Dresden zu einem Prozess kommen.

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