HoGeSa auf politisch getrimmt

Neonazis, Rechtspopulisten und rechte Hooligans werden bei einer Demonstration erwartet, die am 12. September in Hamburg stattfinden soll. Als „Tag der deutschen Patrioten“ kündigen die Organisatoren die Veranstaltung an.

Mittwoch, 01. Juli 2015
Tomas Sager

Anknüpfen soll sie offenbar an die Aktionen der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) im vorigen Jahr und an die Pegida-Aktionen. Der „Tag der deutschen Patrioten“ werde „durch einen Zusammenschluss von Einzelpersonen organisiert“ und „unterstützt von Gruppen und Einzelpersonen der patriotischen ,Fußball Fan Bewegung' und der patriotischen Bürgerprotestbewegung in Deutschland“, erklärte das „Orga Team“. Man werde „Vertreter unterschiedlicher patriotischer Gruppen in Hamburg zu Wort kommen lassen“, darunter „bundesweit bekannte Persönlichkeiten der patriotischen und politischen Szene“. Vorgesehen ist eine Demonstration durch die Hamburger Innenstadt, die mittags am Hauptbahnhof starten soll.

Die Parolen der Organisatoren sind von Pegida und HoGeSa bekannt. Gegen „EU-Bevormundung, US-Hörigkeit und Besatzungsrecht“ will man Front machen, gegen „die ungezügelte Aufnahme meist junger und oftmals nicht gut ausgebildeter Männer vom Balkan oder aus Afrika“, gegen den Islam, der „eben kein Teil Deutschlands und des Abendlandes“ sei, gegen „Genderwahn“ und „Frühsexualisierung“. Es ist ein Mix, mit dem sich derzeit die unterschiedlichsten Fraktionen und Gruppen rechtsaußen mobilisieren lassen: von Neonazis mit und ohne Parteibuch über die Vertreter rechtspopulistischer Kleinparteien und das Fußvolk des äußersten rechten Flügels der AfD bis hin zu Rechts-Hools und jenem Pegida-Publikum, das vor allem Demokratieverachtung auf die Straße trieb.

„Politisch beste sportliche Alt-Abteilung“

Hinter der aktuellen Anmeldung steckt offenbar Thorsten de Vries (44). In jüngeren Jahren war er in Neonazi-Organisationen wie dem „Deutschen Kameradschaftsbund“ in Wilhelmshaven aktiv, später in der NPD, bei der es vorübergehend bis in den Hamburger Landesvorstand schaffte. Inzwischen hat er in der rechten Hool-Szene eine Heimat gefunden. Als im November 2014 erstmals eine HoGeSa-Veranstaltung in der Hansestadt geplant war, hatte de Vries noch dagegen Front gemacht. Nicht weil er die Idee grundsätzlich für falsch hielt – immerhin hatte er kurz zuvor bei dem in Randale-Aktionen mündenden Aufzug der „Hooligans gegen Salafisten“ in Köln selbst am Mikrofon gestanden. Vielmehr machte er in seiner persönlichen Köln-Bilanz deutlich, dass er von den damaligen HoGeSA-Initiatoren nichts hielt. Sie seien „organisatorische Vollschwachköpfe“, „total größenwahnsinnig“ und „unfähig“. In Köln hatten sie nach de Vries' Lesart jede Menge „Hooligan Möchtegerne“ sowie „besoffene Spastis, Assis und Idioten“ auf die Straße gebracht.

Der HoGeSa-Truppe stellte er jene Hools gegenüber, denen er sich verbunden fühlt: „unsere erste Kampfabteilung“, die „gute alte patriotische stabile Hooligan- und Politgarde“. Mit dieser „politisch besten sportlichen Alt-Abteilung“ will er nun in Hamburg auf die Straße gehen, flankiert von Neonazis und Pegidisten.

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