von Redaktion
   

Hochmut kommt vor dem Fall: Bruchlandung für NPD-„Nachwuchsstar“ Patrick Kallweit

Mit einem lauten Knall ist die Nachwuchshoffnung der niedersächsischen NPD, Patrick Kallweit, auf dem harten Boden der Realität gelandet. Bei den Stadtratswahlen in seiner Heimatstadt Goslar verlor er am Wochenende sein Mandat – nur 0,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler wollten den „Seriös Radikalen“ in der Volksvertretung sehen. Entnervt schmiss der umtriebige Funktionär das Handtuch und kehrte seinem Heimatverband den Rücken.

Patrick Kallweit (Foto: Oliver Cruzcampo)

„Wenn am 9. März zum Auftakt des Wahljahres 2014 in Goslar ein neuer Rat zu wählen ist, stimmen die Rahmenbedingungen mehr als zuversichtlich. […] Die Vorzeichen für einen kleinen Paukenschlag im Westen und den Einzug mit Fraktionsstatus, der in Niedersachsen per Gesetz schon bei zwei Mandaten festgeschrieben ist, stehen gut.“ Die Goslaer NPD konnte vor Kraft kaum laufen, als diese Zeilen Anfang März im Parteisprachrohr Deutsche Stimme veröffentlicht wurden. Doch das politische Geschäft ist schnelllebig und die Truppe um den NPD-„Nachwuchsstar“ Patrick Kallweit erlebt ein Desaster, das in der jüngeren Parteivergangenheit seinesgleichen sucht.

Niederschmetterndes Ergebnis

Bei der Auszählung der Stimmen wurden die Sorgenfalten auf der Stirn des früheren Wirtschaftsgymnasiasten tief und tiefer. Laut dem offiziellen Endergebnis bei der Wahl zum Stadtrat von Goslar erhielt Kallweit, der als Referent für die sächsische NPD-Landtagsfraktion arbeitet, nur 241 Stimmen oder 0,5 Prozent. Auf die NPD-Liste insgesamt entfielen 1,04 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 38 Prozent.

Das Resultat reichte nicht einmal aus, um den einen Sitz der NPD zu verteidigen; das Bundesvorstandsmitglied der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) büßte sein Mandat ein. Besonders enttäuschend seien die Resultate in einigen Wahllokalen gewesen, in denen die NPD nicht einmal die Ein-Prozent-Marke habe überwinden können, teilte er am Abend über Facebook mit. Bei der vorgezogenen Bürgermeisterwahl vor sechs Monaten hatte der NPD-Führungskader, der sich nach eigener Aussage bereits mit 17 Jahren ein Parteibuch ins Regal stellte, 6,8 Prozent gewonnen – allerdings als einziger Gegenkandidat gegen das aktuelle Stadtoberhaupt Oliver Junk (CSU).

„Nachwuchshoffnung“ wirft hin

Am Folgetag ließ die umtriebige NPD-Nachwuchskraft dann die Bombe platzen. Auf seiner Webseite kündigte der bei der Wahl seiner Kleidung auf den Spuren von NPD-„Dressman“ Frank Franz wandelnde Kallweit an, sein Kreistagsmandat ebenfalls niederzulegen. „Darüber hinaus werde ich in Niedersachsen und Goslar ab sofort für keine Funktion mehr zur Verfügung stehen“, machte er Nägel mit Köpfen. Für seinen Rückzug machte Kallweit „innerparteiliche Flügelkämpfe“ in seinem Kreisverband verantwortlich. „Zweifelhafte Methoden und unkameradschaftliche Umgangsformen seitens einiger Landesvorstandsmitglieder“, so der Jungfunktionär weiter, „führten zu unüberbrückbaren Differenzen.“ Vom Landesvorstand, an dessen Spitze der dem gemäßigten NPD-Flügel zugehörige Ulrich Eigenfeld steht, habe es keine Unterstützung für den Wahlkampf gegeben.

Damit verliert die niedersächsische NPD, von der ohnehin kaum Impulse ausgehen, ihren einzig wahrnehmbaren Aktivposten. Die von Kallweit angeschnittenden parteiinternen Differenzen dürften den Verband zusätzlich lähmen. Vermutlich wird sich der „Seriös Radikale“ zukünftig auf seine Aufgaben in Dresden und bei den NPD-Junioren konzentrieren. Aber an der Elbe droht ihm ein weiterer Rückschlag. Fliegt die NPD am 31. August aus dem Landtag – und hiernach sieht es derart aus – verliert der 28-Jährige auch seinen Job.

Kommentare(8)

Michael Mittwoch, 12.März 2014, 16:33 Uhr:
Ihr meint wohl eher dass das Stadtoberhaupt Oliver Junk von der CDU, nicht von der CSU ist. Ich meine nämlich mich als Bayer wage daran zu erinnern, dass die CSU nur im Freistaat Bayern zu finden ist. :)
 
jochen Mittwoch, 12.März 2014, 16:56 Uhr:
der csu-futzi ist aus bayern und ist csu-mitglied, wollte auch nicht wechseln. somit gibts nen csu stadtoberhaupt in niedersachsen.
 
Redaktion Mittwoch, 12.März 2014, 16:57 Uhr:
Gerne sind wir diesbezüglich behilflich und bemühen Google:

http://lmgtfy.com/?q=Oliver+Junk+CSU

Die Redaktion
 
Andreas Richberg Mittwoch, 12.März 2014, 17:15 Uhr:
Vage schreibt man mit "v" und Oliver Junk ist bei der CSU so spielt das Leben ;)
 
Kai Bartel Mittwoch, 12.März 2014, 19:40 Uhr:
nur mal so zur Info. Herr Junk ist gebürtiger Hesse. hat nur in Bayreuth studiert. und bei Wechsel des Studienortes hat er von CDU zu CSU gewechselt
 
Rene Mittwoch, 12.März 2014, 22:19 Uhr:
Geh in die Schule und lerne was. Solche Kinder hätten sich im Krieg in die Hose gepisst aber tuen groß mit ihren scheiß Stiefeln. Nazis sind DUMMKÖPFE !!!
 
Zopfhoerer Donnerstag, 13.März 2014, 21:54 Uhr:
Obwohl die nicht einmal 40 Prozent Wahlbeteiligung schon traurig sind ...
Wenn es diesmal gereicht hat, die NPD in ihre Schranken zu weisen - schön. Aber ich denke nicht, dass das auf ewig funktionieren wird.
 
Biene Freitag, 14.März 2014, 20:12 Uhr:
Sie ziehen sich Sieben-Meilen-Stiefel an, fühlen sich unwahrscheinlich stark und fallen (glücklicherweise) über ihre eigenen Füße. So wird das ja wohl nichts mit der Machtübernahme, muhaha...
 

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