von Mathias Brodkorb
   

'Hitlerwein' - Thorsten Heise und der 'Leibstandarte edelster Tropfen'

Zum Jahreswechsel mehren sich die Streitereien in der rechten Szene: Nunmehr sorgt auch der Weinverkauf des Neonazis und NPD-Bundesvorstandsmitglieds Thorsten Heise zunehmend für schlechte Stimmung. Der Grund: Das als der "Leibstandarte edelster Tropfen"angepriesene Trinkgut gilt selbst hart gesottenen Rechtsextremisten als schädliche Hitler-Verehrung.

50 Euro sollen die Kameraden locker machen und dürfen sich dann drei Flaschen deutschen Weins aussuchen. Der Erlös dieser Verkaufsaktion, so beteuert Heise, fließe allerdings vollständig in eine "gute Sache". Konkret meint Heise damit die Pflege des Denkmals der 1. SS Panzer-Division "Leibstandarte-SS Adolf Hitler" (LAH) - eines direkt Adolf Hitler unterstellten paramilitärischen Truppenverbandes. Nach eigenen Angaben wurde Heise nach einer Beschädigung des Denkmals gefragt, ob er dieses auf dem eigenen Anwesen wieder errichten wolle. "Wir bejahten dies und führten diese ehrenvolle Aufgabe aus. Ich sehe das als große Auszeichnung. So haben wir das Privileg, dieses Denkmal in Obhut der Sippe Heise und unserer Kameradschaft beherbergen zu dürfen, bis es eines Tages der deutschen Jugend wieder übergeben werden kann", so Heise. Vertrieben wird der "Führerwein light" unterdessen auf den Internetseiten des W&B-Versandes und des Nordland-Verlages. Jüngeren Ausgaben des Theorie-Magazins "Volk in Bewegung" lag außerdem eine Bestellkarte bei.

Auf Widerspruch selbst aus rechtsextremen Kreisen stieß jedoch die Tatsache, dass Heise den Wein unter dem Werbespruch "Der Leibstandarte edelster Tropfen" unter die Kameraden bringen will. Ein Autor von "gesamtrechts" ätzte daher kurz vor Weihnachten in Richtung Heises: "Leute, die Hitlerwein für ganz Arme verkaufen, gehören überall hin, nur nicht in eine politische Partei – geschweigedenn in deren Führung -, die sich vollmundig auf die Fahnen schreibt, Deutschland vor dem Untergang retten zu wollen. Rettung hat nämlich etwas mit Zukunft zu tun – und nicht mit Devotionalienhandel aus der Zeit eines bereits überstandenen Untergangs." Dadurch gerate insbesondere die NPD in unnötige Schwierigkeiten, die bereits große Mühe habe, das Image einer NS-Verherrlicherin loszuwerden.

Heise allerdings zeigt sich von dieser Kritik herzlich unbeeindruckt. Er könne nicht verstehen, was das alles mit einer angeblichen NS-Nostalgie zu tun haben solle. "Zumal die Waffen-SS, nach Einschätzung aller namhaften Militärhistoriker die beste Truppe des letzten Jahrhunderts war, welche für die Idee eines Europas der Völker ungeheure Opfer gebracht hat. Ohne sie ständen wir heute nicht hier und wenn die Welt auch unter geht, ich werde Ihnen die Treue halten", - heißt es in einem Interview mit dem NID-Blog (Fehler im Original).

Heise schlägt schließlich gar einen Bogen vom Umgang mit dem "Führerwein light" (gesamtrechts) hin zu NPD-internen Auseinandersetzungen. Zur Erinnerung: Auf und insbesondere nach dem letzten Bundesparteitag disputierten die rechtsextremen Kameraden unter anderem die Frage, ob die NPD künftig einen gemäßigten "sächsischen Weg" oder besser einen systemoppositionellen "deutschen Weg" gehen solle. Während ersterer insbesondere von den Landesverbänden Sachsen und Saarland vertreten wurde, konnte sich der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt umgekehrt nur mit Hilfe der radikaleren Kräfte überhaupt im Amt behaupten. Genau diesen Weg will Heise forcieren und die parteiinternen Gräben damit noch tiefer ausheben: "Eine 'konstruktive Oppositionspolitik' wird (...) vom Wähler nicht honoriert und von der überwältigenden Zahl unserer Mitglieder und Funktionäre ohnehin nicht mitgetragen werden. Aber auch die jungen Wilden der nationalsozialen Kreise sollten nicht die Partei verlassen, sondern die Kameraden sollten in Scharen in die Partei strömen, um sie nach ihrem Wollen zu gestalten. Mit anderen Worten: Lasst uns mit diesen 'Politikfähigen' nicht allein!"

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