von Marc Brandstetter
   

Hessen NPD wählt Hardliner an die Spitze

Am letzten Samstag wählte die hessische NPD mit Daniel Knebel einen neuen Mann an ihre Spitze. Ob es dem Hardliner aber gelingen wird, den Landesverband aus seiner Talsohle herauszuführen, bleibt fraglich.

Die hessische NPD hat ihre erfolgreichen Tage längst hinter sich. 1966 begann sie hier ihren etwa drei Jahre dauernden Höhenflug, als sie mit 7,6 Prozent der Stimmen ins Landesparlament einziehen konnte. Länger als eine Legislaturperiode dauerte die Parlamentszugehörigkeit der Partei nicht; 1970 flog sie mit nur noch 3,0 Prozent wieder aus dem Landtag.

Allerdings schafften es die Rechtsextremisten, gestützt auf einen kleinen Kreis hochmotivierter Aktivisten, einige Hochburgen über die Zeit zu retten. Auf kommunalpolitischer Ebene gelangen im Wetterau-Kreis oder auch in Frankfurt am Main, wo sie 1989 überraschend in den Römer einziehen konnte, einige Achtungserfolge.

Doch diese „Erfolgswelle“ auf niedrigem Niveau ist lange verebbt. Zuletzt schaffte man es nur noch mit unfreiwilliger Komik in die überregionalen Schlagzeilen. So wollte der ehemalige Landeschef Marcel Wöll mit einem Wahlvideo, das ihn als edlen Ritter im Kampf gegen kapitalistische Ausbeuter zeigt, bei der Landtagswahl 2008 punkten. Stimmen brachte das Video nicht, dafür aber viel Spott.

Im Ergebnis errang Wöll 0,9 Prozent und scheiterte damit an der finanziell wichtigen Ein-Prozent-Marke, die zur Teilnahme an der staatlichen Parteienfinanzierung berechtigt. Auf ihn folgte der blasse Jörg Krebs, der der bürgerlich-gemäßigten Parteiströmung zuzurechnen ist.

Erfolge wollten sich auch unter der Führung des Frankfurter Stadtverordneten nicht einstellen, weshalb er wohl auf eine weitere Amtszeit verzichtete. Krebs hatte mit seiner angepassteren Linie einen Totalabsturz erlebt und die NPD in die politische Bedeutungslosigkeit manövriert. Politische Aktionen gingen von dem daniederliegenden Landesverband in den letzten Monaten keine aus, die Mitgliederzahlen sind von 450 auf 300 eingebrochen.  

Nun hat Daniel Knebel der einstige Vize von Krebs das Ruder übernommen. Die rund 50 anwesenden NPD-Anhänger wählten ihn am letzten Samstag in Altenstadt mit nur einer Gegenstimme zum neuen Landesvorsitzenden. Knebel gilt – im Gegensatz zu seinem Vorgänger – als Hardliner. Seine Wahl stieß unter den Freien Kameradschaften auf Zustimmung.

Laut Pressemitteilung des NPD-Landesverbandes erklärte der frisch gebackene Führungskader, die NPD „als Alternative zu dem verschwenderischen System der BRD, wo Milliarden an deutschem Geld in fremde Länder fließen“, präsentieren zu wollen.

Die weitere Zusammensetzung des Vorstandes gab die Partei wie folgt bekannt: „Als Stellvertreter wurden Daniel Lachmann, Stefan Jagsch und Markus Arlt gewählt. Komplettiert wird der neue Landesvorstand durch die Beisitzer Pierre Levien, Bernd Hilpert, Thomas G., Sascha A., Daniel R., Steffen K., Martin Weiß und Martin Braun.“ Jörg Krebs scheint keine Rolle mehr zu spielen.

Die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI), die das Treiben vor Ort begleitete, zog in einer Erklärung ein ernüchterndes Fazit: „Eine Aufbruchstimmung bei der NPD Hessen ist trotz der massiven Selbstdarstellung nicht erkennbar. Jedoch ist in naher Zukunft mit weiteren aktionistischen Veranstaltungen der Partei in Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet zu rechnen. Die stärkere öffentliche Annäherung an die freien Kräfte ist keine Überraschung, denn bei den letzten Demos der NPD in Hessen stellten sie, darunter viele durch Gewalttaten aufgefallene Gruppen, die überwiegende Mehrheit der Demonstranten.“

Im Anschluss an den Parteitag fand eine Saalveranstaltung statt, an der immerhin rund 100 Personen – vorwiegend Männer – teilnahmen. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von dem Liedermacher Nico. Neben Parteivize Karl Richter sprach auch der extra aus Mecklenburg-Vorpommern angereiste Geschäftsführer der dortigen Landtagsfraktion, Peter Marx, zu den Gästen.

Ein breit angelegtes Bündnis aus Parteien und antifaschistischen Organisationen organisierte vor Ort einen bunten Gegenprotest, der starken Zuspruch fand. Durch die Verteilung von weißen Rosen setzten die Demonstranten ein deutliches Zeichen, was sie von dem braunen Spuk hielten.

Foto: Screenshot YouTube

Kommentare(1)

Erwin Dienstag, 27.März 2012, 10:14 Uhr:
Na, jetzt geht es mit der NPD in Hessen aufwährts,denn der katholische Messdiener Peter Marx war anwesend. Ob er auch den Segen gegeben hat ?.Alle die sich mit den Glaubensfragen auseinandersetzen wissen, bei den meisten Christen ist Vorsicht geboten.
 

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