von Tim Mönch
   

Heß-Marsch: Rechtsextremes Heldengedenken in Berlin

Am 18. August wollen Rechtsextreme unter dem Motto „Mord verjährt nicht“ in Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß erneut durch Berlin-Spandau marschieren. Dagegen wehren sich viele Initiativen, die gegen den Geschichtsrevisionismus protestieren wollen. Wohl auch aufgrund der erwarteten starken Gegenproteste, haben die Neonazis nun eine weitere Strecke angemeldet.

Teilnehmer des letztjährigen Heß-Marsches in Berlin

Für Samstag gibt es von rechtsextremer Seite zwei Demonstrationsanmeldungen. Die erste sieht den Bereich um das ehemalige alliierte Kriegsverbrechergefängnis in Spandau vor, in dem Heß inhaftiert war. Eine zweite Anmeldung liegt für den Stadtbezirk Mitte vor. Es ist davon auszugehen, dass diese als Ausweichroute genutzt werden soll, falls der Gegenprotest in Spandau erfolgreich sein sollte.

Bereits letztes Jahr marschierten rund 1.000 Neonazis durch Spandau. Auch dieses Jahr ist wieder mit bundesweit anreisenden Teilnehmern aus dem Umfeld der NPD, der Partei Die Rechte und den Kameradschaften zu rechnen. Ob die Neonazis an die Teilnehmerzahl aus dem vergangenen Jahr anknüpfen können, ist fraglich. Die Mobilisierung verlief bislang recht schwach. Allerdings handelt es sich bei den Heß-Demonstrationen um einen festen Termin bei deutschen Neonazis, der eine lange Tradition hat.

Warum Rudolf Heß?

Rudolf Heß wurde 1933 Stellvertreter Adolf Hitlers und flog 1941 nach Großbritannien, um über einen Friedensschluss zu verhandeln. Allerdings kam er in Kriegsgefangenschaft und wurde nach Kriegsende in den Nürnberger Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt. 1987 nahm er sich im Gefängnis in Spandau das Leben. Neonazis hatten damit ihren Märtyrer und entwickelten aus Heß´ Lebensgeschichte den Mythos des Friedensfliegers, der in Haft ermordet worden sei.

Vom Stellvertreter zum Märtyrer

Schon ab dem Jahrestag des Todes 1988 kam es zu Gedenkdemonstrationen im bayerischen Wunsiedel, wo Heß seinerzeit begraben lag. Im Laufe der 90er Jahren entwickelten sich die Demonstrationen weiter und wechselten häufig den Ort. Große Bekanntheit erreichten die Demonstrationen in Wunsiedel Anfang der 2000er Jahre, als bis zu 5.000 Neonazis durch den Ort marschierten. In Folge dessen wurden die Aktionen in Wunsiedel verboten und die Neonazis wichen auf Demonstrationen und Kundgebungen am Volkstrauertag aus.

Rudolf Heß-Gedenkmarsch und GegenaktionenFotogalerie des letztjährigen Aufmarsches

Mit der letztjährigen Demonstration in Berlin wurde zum ersten Mal seit den Hochzeiten auch wieder eine vierstellige Teilnehmerzahl erreicht. Es scheint, dass mit diesem Auftakt und der erneuten Demonstration dieses Jahr die Tradition in Berlin fortgeführt werden soll.

Umfangreiche Gegenproteste

Um dies zu verhindern, gibt es eine ganze Reihe von Gegenprotesten. Bereits am Freitagabend findet eine linke Demonstration durch Spandau statt, um mögliche rechte Aktionen im Umfeld des ehemaligen alliierten Kriegsverbrechergefängnisses zu verhindern.

Am Sonnabend finden fünf Kundgebungen und Demonstrationen in Spandau statt. Unter anderem organisiert das „Spandauer Bündnis gegen Rechts“ eine Demo unter dem Motto „Keine Verehrung von Naziverbrechern“. Zur gemeinsamen Anreise zu den Protesten in Spandau gibt es Treffpunkte um 9.30 Uhr am Alexanderplatz und am Herrmannplatz. Eine Fahrradanreise findet von der TU Berlin aus statt.

Außerdem organisiert die Mobilisierungsplattform „Berlin gegen Nazis“ die Mitmachaktion „Ein Cent gegen Nazis“, bei der Menschen pro Teilnehmer der Neonazi-Demo einen Cent an die Seenotrettungsorganisation SeaWatch e.V. spenden.

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