von Oliver Cruzcampo
   

„Herausragendes Versagen“ – Matthias Heyder zieht sich zurück

Für die ersehnte Karriere bei der NPD war für Matthias Heyder nach dem Wahl-Debakel in Sachsen-Anhalt ohnehin Schluss, nun ist es auch offiziell: Auf dem Landesparteitag wurde ein neuer Vorsitzender gewählt. Die relativ junge Wahl-Truppe der NPD wurde komplett aussortiert und durch wesentlich ältere Jahrgänge ersetzt.

Die NPD hatte über eine Viertelmillion Euro in die Landtagswahl Sachsen-Anhalt investiert, um dort in drittes Länderparlament einzuziehen. Wenige Tage vor der Wahl gelangten jedoch Beiträge eines internen Forums an die Öffentlichkeit, in dem Matthias Heyder, damals noch Spitzenkandidat der NPD Sachsen-Anhalt, unter dem Pseudonym „Junker Jörg“ Tipps zum Bombenbau gegeben und zur Schändung von Frauen aufgerufen haben soll. Heyder wies die Vorwürfe brüsk von sich. Am Ende scheiterte die rechtsextreme Partei mit 4,6 Prozent, was zum Teil sicherlich auch an dem Internet-Outing lag.

Das LKA und die Staatsanwaltschaft hatten daraufhin Ermittlungen aufgenommen, die zwar noch nicht abgeschlossen sind, aber in internen Kreisen scheint niemand am Wahrheitsgehalt zu zweifeln. Selbst Heyder sprach gegenüber den Vorwürfen von einer „Mischung aus Dichtung und Wahrheit“. Wie die „taz“ schreibt, hätte auch laut Peter Schreiber, parlamentarischer Berater der sächsischen NPD-Fraktion, der „Verbalradikalismus“ des ehemaligen Spitzenkandidaten zum Misserfolg der Partei beigetragen. Die Krönung des Ganzen war dann der Rücktritt Thomas Wulffs aus dem NPD-Vorstand vor einigen Wochen, der Heyder ein „herausragendes Versagen“ und eine „fraglos geistig-moralische Armseeligkeit“ attestierte.

Der 38-jährige Heyder und sein komplettes Wahlkampf-Team haben sich seit der Wahlniederlage fast komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Neben Heyder als Spitzenkandidaten befanden sich auf Platz zwei bis vier der Landesliste drei Mitglieder der „Jungen Nationaldemokraten“, der Jugendorganisation der NPD. Mit einem jungen Kader wollte man in dem Bundesland einen Neuanfang wagen – und scheiterte grandios.

Vergangenen Sonntag führte die sachsen-anhaltische NPD in Halberstadt nun ihren konspirativ organisierten Parteitag durch, ein neuer Vorstand wurde gewählt. Das ehemalige Wahlkampf-Team wurde nun fast komplett aussortiert: Kein Matthias Heyder, Matthias Gärtner, Michael Schäfer oder Philipp Valenta.

Die neuen Vorstandsmitglieder der NPD setzen sich fast ausschließlich aus deutlich älteren Jahrgängen zusammen. Neuer Landesvorsitzender ist Peter Walde (1945). Der NPD-Mann ist in den vergangenen Jahres so gut wie nicht in Erscheinung getreten und hat somit zumindest auch für keine Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Walde war sechs Jahre Landesvorsitzender der Republikaner Sachsen-Anhalt, verließ die Partei jedoch Ende 2006 mit mehreren Vorstandsmitgliedern, um sich dann der NPD anzuschließen. Wenige Monate zuvor hatte er laut „blick nach rechts“ noch verkündet, dass er mit der NPD „nichts zu tun haben“ will, da diese in Deutschland „den Nationalsozialismus“ errichten wolle.

Neue stellvertretende Landesvorsitzende sind Andreas Karl und Stefan Paasche, Rolf Dietrich wurde in seinem Amt bestätigt. Beisitzer sind Heidrun Walde, Ehefrau des neuens Landeschefs, Judith Rothe, Holger Höving, Andreas Klar und Michael Grunzel.

Kommentare(1)

Ellen Esen Freitag, 10.Juni 2011, 20:42 Uhr:
Ich hätte mir den Kommentar gewünscht: Nun müssen die Ehemänner ran, denn Heidrun Walde ist seit Jahren Frontfrau der NPD in Sachsen-Anhalt. Die ganze Familie steckt drin. Erwähnenswert wäre auch noch gewesen, dass Holger Apfel nach der Wahlschlappe in Sachsen-Anhalt beklagte, dass er die Walde nicht genügend be- und gefördert hätte. Und außerdem wollen sich die extrem Rechten zukünftig auf die Klientel der älteren Wählerinnen und Wähler konzentrieren.
 

Die Diskussion wurde geschlossen