von Robert Scholz
   

„Heil Dir“ – Ferien im Führerbunker – Andrea Röpke auf Veranstaltung in Schwerin

Andrea Röpke ordnet konzentriert ihre Unterlagen. Die Aula der Schweriner Volkshochschule ist sehr gut besucht. Unter den Gästen befinden sich allerdings auch Ungebetene, die es vor Beginn gilt, dezent aber bestimmt hinaus zu bitten.

„Der heutige Abend gilt der Aufklärung, da ist kein Platz für die Wortergreifungsstrategie der Nazis. Im übrigen habe ich bei denen auch Hausverbot.“, so die Journalistin, die sich eben diese Aufklärungsarbeit seit 1994 auf die Fahnen geschrieben hat. Zwei besonders hartnäckige Jugendliche aus der rechtsextremen Szene werden durch Sprechchöre des Publikums des Platzes verwiesen. Die Zivilpolizei leistet ganze Arbeit. Fünf Vorfälle gibt es an diesem Abend, weil es ein Schweriner Anzeigenblatt versäumte, den Passus der Veranstalter, dass diese von ihrem Hausrecht Gebrauch machen würden, mit abzudrucken.

Einführend verdeutlicht der Film „Ferien im Führerbunker“, welches Ausmaß die Zeltlager der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) bereits erreicht haben. Verarmte Landwirte drücken gerne mal beide Augen zu, wenn die braune Elite von morgen auf ihren Feldern für ein paar hundert Euro marschiert, Fahnenappelle oder ideologische Schulungen durchführt. Röpke schildert ihre Erfahrungen und erläutert die rechtsextreme Erlebniswelt. In ihr wird den Frauen eine Schlüsselrolle zugedacht. Die "Retterinnen der weißen Rasse" sind vor allem dazu bestimmt, viele Kinder zu bekommen, das sei mehr wert als politisch aktiv zu werden. Auch sie organisieren sich –  in der Gemeinschaft deutscher Frauen (GdF) oder dem Ring Nationaler Frauen (RNF).

Für die Kinder gibt es im Nationalen Warenhaus vom 1000-teiligen Puzzle „Deutschland in den Grenzen von 1937“ bis zum Wehrmachtshelm alles zu kaufen. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, ihnen das völkisch-nationale Gedankengut einzuimpfen. Die Zeitung „Funkenflug“ gibt sich auf dem Titelblatt ganz bieder – Frauen und Mädchen mit Blusen und den typischen langen blauen Röcken beim Musizieren. Unten in der Ecke ist dann zu lesen „Diesmal mit schwarzer Liste und Bombenanleitung“.

Röpke zeigt auf, dass die neuen Nazis in der Gesellschaft angekommen sind. Sie sitzen in Landes- und Kommunalparlamenten, sind im Elternrat und Sportverein aktiv, kurz: sie schließen Lücken in der Zivilgesellschaft. In der anschließenden regen Diskussion wird die Hilflosigkeit im Umgang mit dem Nachbarn, der am Stammtisch seine ausländerfeindlichen Sprüche verlauten lässt, deutlich. Die Lösung scheint einfach: ihnen selbstbewusst entgegentreten, nicht zulassen, dass Rechtsextreme unsere Plätze besetzen. Insofern war der Ausschluss der Störenfriede zu Beginn der Veranstaltung nahezu ein symbolischer Akt.

Silke-Maria Preßentin

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