von Marc Brandstetter
   

Heidenau: Rassisten-Mob attackiert Polizei und Journalisten

Es ist so gekommen, wie es sich in den letzten Tagen abgezeichnet hatte. Im sächsischen Heidenau versuchten gestern Abend Rassisten die Ankunft von Flüchtlingen durch eine Straßenblockade zu verhindern. Der Mob attackierte die Polizei und Journalisten mit Böllern und Steinen, die Beamten setzten Reizgas ein. Es gab Verletzte auf beiden Seiten. Im Namen der NPD hieß es, die Krawalle seien „unangebracht“.

Krawalle in Heidenau (Foto: Marcus Fischer)

Rund 1.000 Rassisten protestierten gestern Abend nach Angaben der Veranstalter gegen die Unterbringungen von Flüchtlingen in einem seit 2013 leerstehenden Baumarkt in Heidenau bei Dresden (Fotos bei Markus Fischer). Zu dem Marsch aufgerufen hatte neben der Initiative „Heidenau hört zu“ auch die NPD. Wie die Sächsische Zeitung schreibt, seien die Teilnehmer durch die Innenstadt gezogen. Auf ihrem Weg habe das Haus von Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) gelegen, vor dem die Menge „Volksverräter“ skandiert habe.

Ein Teil der Demonstranten, die Rede ist von einigen Dutzend bis zu mehreren Hundert, blockierten anschließend die Bundesstraße, um die Anreise der Asylbewerber zu verhindern. Nach Berichten von Augenzeugen waren nicht wenige von ihnen betrunken und führten Bierflaschen mit sich. Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen – Parolen à la „Deutschland den Deutschen“ hätten die Menge weiter aufgeputscht.

Hass und Gewalt

Der blinde Hass entlud sich schließlich in Gewalt. Der aufgebrachte Mob attackierte die anwesenden Polizeikräfte mit Steinen, Flaschen und Böllern. Die Beamten ihrerseits setzten Reizgas ein, um die Blockade aufzulösen. Nach Angaben eines Sprechers gab es Verletzte auf beiden Seiten. Auch Journalisten wurden zur Zielscheibe. Johannes Grunert schreibt auf Twitter, er sei mit Steinen beworfen worden. Die Polizei könne nichts für ihn tun. Sie sei nach eigenen Angaben unterbesetzt und rate ihm, wegzugehen.

Die Polizeiführung wird sich nun Fragen stellen müssen, warum die Lage derart eskalieren konnte. Die Initiative „Heidenau hört zu“ hatte ihr Möglichstes getan, Öl ins Feuer zu gießen. Am 19. August war auf Facebook zu lesen: „Wir wollen alles getan haben, um dies [die Unterbringung der Flüchtlinge, die Red.] zu verhindern“. Außerdem ist die Facebookseite – wie bei diesen Initiativen üblich – gespickt mit rassistischer Hetze. Die Aufmärsche der letzten Tage ließen ebenfalls auf eine Zuspitzung der Situation schließen.

Kritik auch an den Medien

Angesichts der Schwere der Angriffe und der menschenverachtenden Gesinnung des Mobs ist darüber hinaus Kritik an einigen Presseberichten angebracht. Warum Journalisten noch immer von „Asylkritikern“ oder „Störern“ schreiben, ist nicht nachvollziehbar. Das Plädoyer des Bloggers Sascha Lobo, die Gewalttäter endlich beim Namen zu nennen, verhallte bei diesen Vertretern der Zunft scheinbar ungehört.

Ein Gewalttäter wird abgeführt (Foto: Marcus Fischer)

„Diese Menschen, welche Flüchtlingen nicht einmal ihre spärliche Notunterkunft gönnen, vollziehen gerade einen Zivilisationsbruch“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Hanka Kliese, ENDSTATION RECHTS.. Die „rote Linie“ sei längst überschritten. Deshalb forderte Kliese eine gesellschaftliche und eine politische Ächtung. Jeder, der mit populistischen Äußerungen dieser Tage zur Zahl der Flüchtlinge das Klima weiter vergifte, so die SPD-Politikern weiter, „sollte sich der Folgen bewusst sein“.

„Unangemessen“

Auf Facebook distanzierte sich „Heidenau hört zu“ – auch im Namen der NPD und ihres Landesvorstandes – wenig glaubhaft von den „gewalttätigen Auseinandersetzungen“. Dafür spricht die entlarvende Wortwahl der Rassisten. Derartige Aktionen seien „unangemessen“, hieß es lapidar, bevor die Erklärung gelöscht wurde.

Kommentare(21)

Dennis Samstag, 22.August 2015, 13:13 Uhr:
Tja, da zeigen die Nazis von der NPD mal wieder ihr wahres Gesicht.

Hass, Hetze, Gewalt. Widerliches Volk.

Es darf ja gerne jeder seine Meinung äußern, aber dann bitte friedlich. Ich bin gespannt, ob und wie sich z.B. Björn zu seinen gewalttätigen Kameraden äußert. Wahrscheinlich wird es auch diesmal wieder irgendwelche peinlichen Relativierungsversuche geben.

Zu den Nazis, die mit Steinen auf Polizisten und Journalisten werfen:
In meinen Augen ist das ein versuchter Mord. Denn wer mit Steinen auf Menschen wirft, tut dies, um zu treffen und zu verletzen. Nicht auszudenken, wenn einer so einen Stein direkt an den Kopf bekommt. Hoffentlich werden die Täter gefasst und für möglichst lange Zeit eingebuchtet!

"Ein Teil der Demonstranten, die Rede ist von einigen Dutzend bis zu mehreren Hundert, blockierten anschließend die Bundesstraße, um die Anreise der Asylbewerber zu verhindern. Nach Berichten von Augenzeugen waren nicht wenige von ihnen betrunken und führten Bierflaschen mit sich. Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen – Parolen à la „Deutschland den Deutschen“ hätten die Menge weiter aufgeputscht."

Wie moralisch heruntergekommen muss ein Mensch eigentlich sein, um Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu verwehren? Liebe Nazis, das Zauberwort heißt Solidarität und Fürsorge. Beides sind bei den rechten Menschenhassern wohl Fremdworte. Anders lässt sich so ein widerliches Verhalten nicht erklären.
 
Samoth Samstag, 22.August 2015, 20:13 Uhr:
Ja, ja.., die deutsche Justiz, die deutsche Staatsgewalt, nicht nur auf dem "rechten Auge" blind, oder gar protesentragend, nein, Dank der regierenden Christen und ihres rosa Blinddarms, in Sachsen, genau wie im Bund, extrem zurückhaltend, wenn sich dankeswert, der nationalistische und braune Mob auf den Straßen und vor den "Lagern" und "Verwahranstalten" für Flüchtlinge, austobt.

Und das Geile an der Sache, obwohl die Polizei dank aller Gewalt, auch vor und in den Stadien der Traditionsvereine mit ihren meist rechtslastigen "Ultras", kaum noch aus den Uniformen kommt, wird, ich sage bewußt ,gehandelt, am Personal und in der politischen Bildung gespart.

Was will man damit erreichen?
Das etwa, klammheimlich geduldet, der rechte Pöbel, im Sinne des Wortes, die Straßen und die politische Meinungsführerschaft übernimmt?

Anscheinend eine den Regierenden in Dresden, Berlin und anderswo die sympatischste Varinate, die "Endlösung" der Flüchtlingsfrage", dessen Ursachen auch alle deutschen Regierungen mit gelegt haben.

Wenns brennt und kracht, einschlie0lich eventueller menschlicher "Kollateralschäden", kann man dann so schön auf die Anderen zeigen,, welche geduldet, die "Drecksarbeit" machen!

Und natürlich Empörung heucheln und Lichterketten organisieren.

Kotz...!

Menschlichkeit und Solidarität zeigen, in Deutschland, wird schon wieder zum unkalkulierbaren persönlichen Risiko.

Wo soll das enden?
 
Irmela Mensah-Schramm Sonntag, 23.August 2015, 09:54 Uhr:
Es ist nun die vierte sächsische Stadt in den letzten Monaten, wo auch die gleichen Zustände wie in Rostock-Lichtenhagen (MVP), oder eben auch Hoyerswerda (ebenfalls Sachsen) damals an das Tageslicht gebracht haben, wie die Politik dazu gnadenlos versagt!
Das die Hemmung auch gegenüber den eingesetzten Polizisten gesunken ist, zeigt allzu deutlich, wie weit diese unerträgliche Situation fortgeschritten ist.
Allerdings haben eben auch Polizisten bei Angriffen gegen NazigegnerInnen weggeschaut.......
Jetzte sind sie nun selbst betroffen........
Ich werde nun am 27. mal wieder - auch mit meinem ensprechenden erforderlichen Material - die Sachsen besuchen, um die wenigsten sichtbaren Spuren des Hasses zu zerstören!
Ich werde Sachbeschädigung damit begehen, indem ich Nazipropaganda (Hasspropaganda) zerstöre, die die Polizei und auch eben leider auch die Justiz duldet und unter dem Deckmäntelchen der sogenannten "Meinungsfreiheit" schützt!
 
paul.pa Sonntag, 23.August 2015, 10:02 Uhr:
Das ist richtig, dass der Rechtsstaat sein Gewaltmonopol konsequent durchsetzt. Wenn er das jetzt auch noch gegen randalierende Asylbewerber tut und abgelehnte Asylbewerber wirklich 100.000 fach abschiebt und das nicht nur in homöopathischen Dosen von wenigen tausend tut, sind wir ein erhebliches Stück weiter.
 
Michale Sonntag, 23.August 2015, 10:32 Uhr:
Ich würde mir so sehr wünschen, dass in den NAZI-Brennpunkten, bei rechten Demos und immer dann, wenn Menschen von rechter Gewalt bedroht sind, genau so viele Polizisten vor Ort wären, wie bei irgendwelchen Gipfeln mitten in den Alpen. Solange die Polizei sich selbst als "unterbesetzt" bezeichnen muss, wird sie diesen Dumpfbacken wohl nicht Herr werden.

Leute, steht auf gegen dieses Pack!
 
Roichi Sonntag, 23.August 2015, 12:16 Uhr:
@ Paul

Ihr seid nicht der Rechtsstaat, noch wollt ihr solch einen.
Das zeigen auch die feigen Anschläge auf die schwächsten der Gesellschaft durch die Kamerraden.

Es hält dich ohnehin nicht davon ab, genau gegen diese Schwächsten zu treten, wenn deine Kamerraden versuchen diese mit Gewalt zu vertreiben.
Also spar dir deine Heuchelei und stehe zu deinen Kamerraden und ihrem Tun. Das wäre wenigstens ehrlich von dir.
 
Irmela Mensah-Schramm Sonntag, 23.August 2015, 19:54 Uhr:
@paul.pa
Dein Kommentar ist entlarvend und einfach pervide und ekelig!
Ich gehe auch nicht darauf ein!
Wenn man nur die Neonazis abschieben könnte, wir hätten endlich Ruhe im Lande!
Aber nicht mal die Hölle will sie haben!
 
Björn2 Montag, 24.August 2015, 07:15 Uhr:
Wenn die Rechten randalieren, schreien die Linken empört auf. Wie angesichts eines ihnen entrissenen Privilegs.
 
Roichi Montag, 24.August 2015, 10:30 Uhr:
@ Björn

Was war das denn?
Ganz weit am Thema und Inhalt vorbei und gleich noch die Relativierung gesucht.
Du kannst es auch nicht besser, als dein Vorbild.
 
Heinz Montag, 24.August 2015, 14:03 Uhr:
Dem braunen Mob am besten eine Briefmarke auf dem Hintern oder Ar.......... und ab nach Syrien , Irak usw ,das wäre das besten.
 
Dennis Montag, 24.August 2015, 14:07 Uhr:
Auf der Homepage, Verzeihung, es muss natürlich heissen, Weltnetzseite, der NPD äussert sich der sächsiche Landesvorsitzende Baur wie folgt:

"Die NPD lehnt jedwede Form von Gewaltanwendung in der politischen Auseinandersetzung ab."

Danke liebe NPD für diesen Lacher am Mittag. Ihr seid doch immer wieder für grandiose Comedy-Einlagen gut!!!
 
Dresdner Montag, 24.August 2015, 14:55 Uhr:
Ich wollte nur mal klar stellen, dass Heidenau, Freital und Meißen zwar Nachbarstädte von Dresden sind, aber mit der Stadt verwachsen und so wundert es wenig, dass man an allen Brennpunkten dieselben randalieren sieht.
Dresden hat 25 Jahre lang den Nazis freien Lauf gelassen und nun sind sie mit Worten natürlich nicht zu bremsen. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, ist das Kind beim Namen zu nennen. Neonazis sind keine Islamkritiker, Stammtischfaschisten sind keine besorgten Bürger. Aber so lange die Grenze zwischen Nazismus und bürgerlicher Kritik durch Politiker und Medien absichtlich verwässert wird (warum auch immer), werden solche Mobs zusammenkommen und Gewalttaten begehen.
 
Roichi Montag, 24.August 2015, 19:30 Uhr:
@ Dresdner

Also Meißen ist noch etwas weg von Dresden.
Das macht es nicht besser, was dort geschieht. Mir graut schon ein wenig vor dem nächsten Besuch bei der Verwandtschaft.
 
kritiker Montag, 24.August 2015, 20:21 Uhr:
@ Dennis 22.8. ^3.13
"Zu den N.... , die mit Steinen...... in meinen Augen ist das versuchter Mord..."
Recht haben Sie ! Aber bringen Sie das mal den linken Gewalttätern bei, die
regelmäßig (!) um den 1.Mai jeden Jahres in Berlin-Kreuzberg Steine auf Po-
lizisten werfen. Bisher wurden die kriminellen Taten dieser "Antifa"-Sturm-
Abteilung immer relativiert und kleingeredet - von den Politikern, vor den
Systemmedien und auch hier bei ER von den wackeren Kämpfern gegen
Rechts.
 
Bürger Dienstag, 25.August 2015, 09:02 Uhr:
@ kritiker

Schon mal den Begriff "Whataboutism" gehört? Scheint gerade bei den Beifallklatschern des braunen Mobs sehr verbreitet zu sein.;o)

"... und auch hier bei ER von den wackeren Kämpfern gegen Rechts."
Die Belege kommen noch, oder?
 
Irmela Mensah-Schramm Dienstag, 25.August 2015, 09:14 Uhr:
@kritiker
Was soll eigentlich diese dämliche Dramatisierung: Steine werfen durch Linke am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg sei versuchter Mord?
Dies ist allemal bei verursachten Verletzungen lediglich eine "Gefährliche Körperverletzung"!
Polizisten sind menschliche Lebewesen wie Demonstranten, die eben auch mal von Polizisten - nicht selten grundlos - schwer verletzt wurden!
Wenn einem/einer Nazigegner/in durch einen von Neonazis ins Gesicht (in Augennähe) geworfenen Stein verletzt wird, was ist dies denn dann?

Eure Lamentiererei ist einfach zu dämlich!
 
DasNiveau Dienstag, 25.August 2015, 10:04 Uhr:
@Irml

"Steine werfen durch Linke am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg sei versuchter Mord?"

Steinewerfen von Rechten in Heidenau ist ebenso versuchter Mord. Oder zumindest Totschlag. Kopftreffer von Steinen (dazu haben die Polizisten ja ihre Schutzhelme) kann einem ganz schnell das Licht ausknippsen. Wer Steine auf Wurfdistanz auf Menschen wirft nimmt deren Tod in kauf und gehört dafür zur Rechenschaft gezogen. Ich hoffe Siggi lässt seiner Worte Taten folgen und die Steineschmeißer wandern in den Kanst.
 
Roichi Dienstag, 25.August 2015, 11:27 Uhr:
@ kritiker

Du versuchst also die Taten deiner Kamerraden mit Behauptungen zu relativieren, von denen du nicht nur weißt, dass sie falsch sind, sondern auch, dass du keinen Erfolg mit der Ablenkung haben wirst.
 
Dresdner Dienstag, 25.August 2015, 15:20 Uhr:
@ Roichi
Da haste schon recht, aber es gibt eine durchgängige Bebauung bis dorthin und man ist mit der S-Bahn in einer halben Stunde dort.
Angenehmen Aufenthalt, wenn Du da bist. Ist ne schöne Ecke und bald werden auch die Nazis aussterben, mangels Vermehrung ;)
 
Dresdner Dienstag, 25.August 2015, 15:31 Uhr:
@ kritiker: Ja, Gewalt ist eine Straftat, unerheblich von der politischen Einstellung. Auch wenn Deine Kameraden nicht die einzigen sind, sind sie trotzdem genau solche Straftäter.
Aber danke, dass Du uns an den 1. Mai erinnerst, gabs da in Weimar nicht einen Naziüberfall auf eine Gewerkschaftsdemo?
 
Irmela Mensah-Schramm Dienstag, 25.August 2015, 17:04 Uhr:
@Dennis

1. Wie darf man denn Dennis anreden Du? Sie ?
2. Bekanntlich sind nicht immer Männer die Mutigsten!
3. Ich zitiere Begebenheiten um meine Person deshalb, weil ich mich nicht (mehr) ins "Fettnäpfchen setzen will, wegen irgendwelcher Lügengeschichten ANDERER !
4. Kann ich auf 29 Jahre Aktionen gegen Neonazis zurück blicken, wobei jede Menge Polizeiversagen und eben Nazibedrohung und Angriffe mit von der Partie waren.
Und 5. habe ich es ganz sicher NICHT nötig, mich in den Vordergrund zu stellen. Dennoch denke ich, kann man als Betroffene (oder eben auch als Betroffener) am besten selbst berichten!
Ich sehe mich nach wie vor nicht als Opfer, eher notgedrungen als Gegnerin all der scheinheiligen Begebenheiten im Lande.
Vielleich ist das zu verstehen!
 

Die Diskussion wurde geschlossen