HDJ-Ableger weiter aktiv?

In Detmold-Berlebeck finden auch nach dem Verbot der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ im Jahr 2009 immer noch einschlägige Kindertreffen statt.

Dienstag, 14. Januar 2014
Andrea Röpke

Die kleinen Jungen tragen „Landser“-Mütze oder Holzgewehre, die Mädchen Blusen oder lange Röcke. Etwa 20 Kinder tummeln sich am zweiten Januarwochenende dieses Jahres auf dem Gelände des ehemaligen Anführers der HDJ-„Einheit Hermannsland“ Gerd Ulrich. Trotz Verbotes der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) 2009 durch das Bundesinnenministerium finden in Detmold-Berlebeck immer noch einschlägige Kindertreffen statt. Rechte Eltern aus Osnabrück, Vechta, Stadthagen, Paderborn, Soest oder dem Kreis Lippe bringen ihren Nachwuchs bei dem ehemaligen HDJ-Führungskader vorbei. Auch völkische Familien aus Hessen und Brandenburg halten scheinbar den Kontakt.

Ziel der HDJ war es, eine soldatisch-geprägte nationale Jugend nach den Idealen des Dritten Reiches zu formen. Ulrich selbst wuchs in der 1994 verbotenen „Wiking-Jugend“ heran. 2006 organisierte er das große Pfingstlager der HDJ in Fromhausen nahe der Externsteine mit. Im selben Jahr verteilten Mitglieder seiner „Einheit“ Flugblätter in Briefkästen oder sprachen Pfadfinder an einem Infostand an. Im Herbst 2006 gab es dann ein „Kletterwochenende“ bei Ulrich auf dem Anwesen, Seile wurden unter dem Dachfirst in sechs Metern Höhe drapiert. Zu dieser Zeit gehörte der Neonazi auch zum NPD-Ordnungsdienst und beteiligte sich an Aufmärschen oder dem „Pressefest“ des Deutschen Stimme-Verlags.

Im Visier der Behörden geblieben

Bereits 2004 hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz in dem Geheimbericht „Gefahr eines bewaffneten Kampfes deutscher Rechtsextremisten“ intern gewarnt, dass Ulrich gemeinsam mit Kameraden, zu denen auch Andreas Theißen, heute NPD-Chef in Westmecklenburg zählte, Wehrsportübungen ausübte. Die Gruppe spähte demnach Polizeiunterkünfte und eine Bundeswehrkaserne aus. Sie besorgten sich Sprengmittel, legten Erddepots an und planten Sprengübungen, heißt es.

Schon Mitte der 1990er Jahre hatte der MAD dafür gesorgt, dass die Generalbundesanwaltschaft (GBA) in Karlsruhe gegen Ulrichs Gruppe wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelte. Die Ermittlungen wurden eingestellt, aber Ulrich 1999 wegen Sprengstoff-Verstoßes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Ulrich blieb im Visier der Behörden. 2003 registrierte der Verfassungsschutz Treffen bei ihm zuhause in Detmold-Berlebeck. Dann wurde die „Einheit Hermannsland“ gegründet und Ulrich einer der aktivsten Kader in der HDJ.

Konspirative Kerntruppe „IG Fahrt und Lager“

Im Mai 2009 prüfte die Bundesanwaltschaft erneut Waffenfunde im Umfeld von Ulrich. Diesmal waren unter anderem 10 Kilogramm Schwarzpulver in einem Erdloch auf dem Grundstück eines nahen HDJ-Aktivisten gefunden worden, auf dessen Gelände 2006 auch das große Pfingstlager mit rund hundert Kindern von der HDJ stattgefunden hatte. Bundeskriminalamt und Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen bewerteten die Aufbewahrung von Zündmitteln und Munition als nicht sachgemäß und kamen zu dem Schluss, es handele sich nicht um eine politisch motivierte Tat. Der Prüfvorgang wurde 2010 eingestellt. Kurz zuvor war die HDJ wegen ihrer Verfassungsfeindlichkeit und aggressiv-kämpferischen Haltung verboten worden.

Seit 2009 fanden immer wieder Kindertreffen statt (bnr.de berichtete hier und hier). Unter denen, die mit ihrem Nachwuchs nach Detmold-Berlebeck fahren,  sind unter anderem Christian Fischer aus Vechta sowie Matthias Ries aus Osnabrück. Beide nahmen wie auch Ulrich bereits an Zusammenkünften der „Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft“ teil und gelten als Aktivisten der konspirativen Kerntruppe „IG Fahrt und Lager“ der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten. Gegen die „IG Fahrt und Lager“ ermittelten die Behörden in Osnabrück wegen einer möglichen Fortführung der HDJ. Auch einer der ehemaligen Neonazi-Anmelder der Bad Nenndorf-Aufmärsche, Kristoff Huxhold aus dem Landkreis Schaumburg, hält scheinbar Kontakt nach Berlebeck. Ein ebenso enger Draht besteht nach Meinung von Szenekennern aus der Region auch zu dem Verleger Burkhard Weeke, dem stellvertretenden Vorsitzenden des völkischen „Thule-Seminars“ aus Horn-Bad Meinberg.

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