Haverbeck-Wetzel jetzt im Knast

Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel ist festgenommen und in die Haftanstalt gebracht worden.

Dienstag, 08. Mai 2018
Roland Kaufhold

In den letzten Jahren wurde sie zu der Ikone der bundesdeutschen Holocaust-Leugner: Die 89-jährige Ursula Haverbeck-Wetzel. Immer wieder wurde sie wegen der Leugnung des Holocaust, Volksverhetzung und vergleichbarer Delikte verurteilt, so erstmals 2004. Und dennoch machte sie immer weiter. „In Auschwitz hat es keine Vergasungen gegeben. Auschwitz war kein Vernichtungslager“ sagte sie triumphierend in Fernsehkameras. Den ermordeten Juden und deren Angehörigen nahm sie so bewusst ihre Würde. Den Zentralrat der Juden zeigte sie 2014, als gezielte antisemitische Botschaft, wegen „Verfolgung Unschuldiger“ an. Auf zahlreichen Gerichtsfluren wurde sie von Dutzenden, bundesweit angereisten Rechtsradikalen enthusiastisch gefeiert und mit Blumen beschenkt.

Hiermit ist es nun erstmals vorbei: Am 8. Mai wurde Haverbeck-Wetzel in ihrem Heimatort, dem nordrhein-westfälischen Vlotho, auf Anweisung der Staatsanwaltschaft in Verden von der Polizei festgenommen und in eine Haftanstalt gebracht. Der gerichtlichen Ladung zum Haftantritt war sie nicht gefolgt. Die überzeugte Holocaust-Leugnerin muss eine zweijährige Haftstrafe antreten.

Auf vorgebliche Haftunfähigkeit berufen

In den letzten Jahren war sie zwar immer wieder wegen dieser Delikte zu Geld- und Haftstrafen verurteilt worden, hatte jedoch immer wieder Revision eingelegt. Nach ihrer erneuten Verurteilung berief sich die unverbesserliche Geschichtsleugnerin auf ihre vorgebliche Haftunfähigkeit. Diese hinderte sie jedoch nicht daran, sich im April sogar als „Spitzenkandidatin“ der Neonazi-Partei „Die Rechte“ für die Europawahl 2019 aufstellen zu lassen. In ihrer siebenminütigen „Bewerbungsrede“, die „Die Rechte“ im Netz verbreitete, kokettierte sie gut gelaunt und triumphierend mit ihren zahlreichen Strafverfahren und ihrer möglichen Haft.

Daraufhin wandte sich der Grünen-Politiker Volker Beck an die Verdener Staatsanwaltschaft, verwies auf Haverbecks „in guter Verfassung, mit fester Stimme und sehr lebendig“ gehaltene Rede sowie auf ihre rege bundesweite Vortragstätigkeit. Die Verurteilte sei eindeutig „bei klarem Verstand und für ihr Alter in außergewöhnlich guter körperlicher Konstitution“. Gründe für eine Haftverschonung seien nicht gegeben, so der frühere Bundestagsabgeordnete. Diesem Standpunkt schloss sich die Verdener Staatsanwaltschaft jetzt offenbar an.

„Märtyrerstatus“ in der braunen Szene

Die 1928 geborene Ursula Haverbeck-Wetzel blickt auf eine sehr lange nationalsozialistische und geschichtsleugnende Karriere zurück: Sie war mit dem rechtsextremen Publizisten Werner Georg Haverbeck verheiratet und gründete gemeinsam mit diesem bereits1963, in Vlotho das „Collegium Humanum“. Dieses entwickelte sich unter ihrer Leitung zu einem revisionistischen Zentrum, bekannte Holocaust-Leugner hielten dort regelmäßig Vorträge. 2008 wurde es wegen „fortgesetzter Leugnung des Holocaust“ verboten. Gleichfalls 2008 verboten wurde der von ihr geprägte „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“.

Haverbeck-Wetzel und die Neonazi-Partei „Die Rechte“ haben die Haftstrafe als eine gezielte Verhöhnung des demokratischen Rechtsstaates erkennbar eingeplant. Den erreichten „Märtyrerstatus“ innerhalb der braunen Szene ist für Haverbeck-Wetzel wohl der Höhepunkt ihres Lebens. Weitere Strafverfahren gegen die unverbesserliche Leugnerin sind noch anhängig.

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