von Redaktion
   

Hat der BVB ein Neonazi-Problem?

Bereits seit über 30 Jahren kämpft Borussia Dortmund mit einem ernstzunehmenden Problem – neonazistischen Hooligangruppierungen. Doch in den letzten Wochen mehrten sich die Vorkommnisse, sodass die Geschäftsführung des Vereins nun gezwungen war, zu reagieren. Verabschiedet wurde ein Paket an Maßnahmen, die das zunehmende Problem mit rechtsextremen Fans eindämmen sollen.

Das Problem ist ein altes – schon seit den 80er Jahren ist beim BVB bekannt, dass es innerhalb der Fanszene des Clubs einzelne Gruppierungen gibt, die während der Spiele versuchen rechtsextremes Gedankengut zu propagieren. In der damaligen Zeit hieß die Bewegung noch „Borussenfront“, die in den 1980ern Angst und Schrecken im und um das Dortmunder Stadion verbreitete. Zahlreiche Mitglieder der Gruppierung um den als „SS-Sigi“ bekannten Siegfried Borchardt, der mittlerweile als Kreisvorsitzender der von Christian Worch gegründeten Partei „Die Rechte“ wieder in der Szene heftig mitmischt, wurden mit Stadionverboten belegt. Doch dies reichte nicht aus, um das neonazistische Gedankengut aus der Fankultur des BVB zu verdrängen. Heute nutzen vermehrt junge Leute den alten Kult der verbotenen Fangruppe, um selbst ihre Ideologie öffentlich zu machen. Dies zeigte sich vor allem in der Hinrunde der laufenden Bundesliga-Saison, in der sich die Vorkommnisse im Signal Iduna Park häuften:

Bereits am 18. August, noch vor Beginn der aktuellen Liga-Spielzeit, entrollen einige Anhänger beim Pokalspiel des BVB gegen das Team aus Oberneuland ein Transparent,  auf dem „Rico Malt – unvergessen“ zu lesen war. Rico Malt war ein Kampfsportler und Hooligan, der der rechtsextremen Szene zugeordnet wurde. Das nun gezeigte Plakat sollte an seinen Tod vor fünf Jahren erinnern.

Rund eine Woche nach diesem Vorfall kam es am ersten Spieltag der Saison zu einem weiteren Ereignis: In der Südtribüne des Stadions wurde am 24. August von einem 27 Jahre alten Mann ein Plakat mit der Aufschrift „Solidarität mit dem NWDO“ gezeigt, welches sich auf die rechtsextreme Vereinigung „Nationaler Widerstand Dortmund“ bezieht, die einen Tag zuvor vom nordrhein-westfälischen Innenminister  verboten wurde. Laut Informationen des Dortmunder Clubs wurde der Initiator der Aktion mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt.

Das wohl öffentlichkeitswirksamste Ereignis folgte dann am 20. Oktober beim Revierderby des BVB gegen Schalke 04 im heimischen Stadion: Wie zahlreiche Medien berichteten, soll ein Ordner des Clubs am besagten Spieltag einen Fan aus Gelsenkirchen auf der Toilette zusammengeschlagen und anschließend angezeigt haben. Das Brisante am Fall: Beim fraglichen Ordner handelte es sich mutmaßlich um ein Mitglied der Fangruppe „Northside“, die bereits seit langem als gewalttätig und rechtsextrem bekannt ist. Auch dem Ordner, der vorläufig vom Dienst suspendiert wurde, wird basierend auf mehreren Einträgen in sozialen Netzwerken eine rechtsextreme Gesinnung zugeschrieben. Borussia Dortmund muss sich seitdem den Vorwürfen stellen, dass ihr Sicherheitspersonal ein Problem mit rechtsextremer Ideologie habe und von Neonazis unterwandert sei.

Als Reaktion veröffentlichte die Vereins-Spitze um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am 21. Dezember einen offenen Brief, in der Maßnahmen zur Bekämpfung des Problems benannt und erklärt werden. Diese beinhalten u. a. die Aufstockung des Security-Personals auf 800 Ordner, die Anschaffung eines neuen, hochauflösenden Kamerasystems, die Schaffung zweier neuer Planstellen sowie die Einstellung von zwei zusätzlichen Fanbeauftragten. Des Weiteren wird im Brief darauf hingewiesen, dass in der Vergangenheit mehrfach die Stadionordnung geändert wurde, sodass nun zahlreiche Symbole und Schriftzüge, die gegen die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland verstoßen, verboten seien. Darüber hinaus erfolgte laut BVB in Zusammenarbeit mit der Polizei eine Überprüfung der Ordner, die vom Verein in insgesamt 800 Briefen an die demokratischen Spielregeln bei Borussia Dortmund erinnert wurden.

Doch ob die ergriffenen Maßnahmen tatsächlich zu einer Eindämmung von rechtsextremem Gedankengut in der Dortmunder Fanszene führen, wird die Zukunft zeigen. Mit der entschlossenen Gangart gegen Rechtsextremismus zeigt der Club jedoch, dass sie dieses Problem auf gar keinen Fall unterschätzen.

Foto: Screenshot www.bvb.de

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