Hass und Gewalt im Fußball-Land

Ein Gericht in Sao Paulo, der größten Stadt Brasiliens, hat drei Neonazis wegen versuchten Mordes zu Gefängnisstrafen von insgesamt 56 Jahren verurteilt. Das Trio wurde außerdem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt.

Donnerstag, 10. Juli 2014
Anton Maegerle

Bei der Urteilsverkündigung bezeichnete Richter Fernando Oliveira Camargo die Attacken als „Hassverbrechen“. Die Neonazi-Gang hatte 2011 vier Männer mit Messern und Äxten angegriffen, die an einer Gedenkdemonstration für den getöteten Nazigegner Edson Neris da Silva teilnahmen. Der damals 35-jährige da Silva war am 6. Februar 2000 auf offener Straße von einer bis zu 18-köpfigen Gruppe von Neonazis der Gang „Carecas ABC“ erschlagen worden. Während sein Freund den Gewalttätern entkommen konnte, wurde da Silva durch Tritte und Schläge mit einem Schlagring zu Tode geprügelt. Er verstarb an inneren Blutungen.

Der Mord führte zu landesweiten Protesten. Die Täter gehörten der 1987 gegründeten pseudo-christlich inspirierten Neonazi-Gruppe „Carecas ABC“ an. Schwerpunkt der noch heute aktiven Gang ist das Industriezentrum ABC Paulista im Bundesstaat Sao Paulo. Die selbst ernannten „revolutionären Nationalisten“ verstehen sich als „Krieger und Hüter der Nation“ gegen die „Neue Weltordnung“, die die „moralischen Werte“ der Nation untergraben will. Feindbilder von „Carecas ABC“ sind unter anderem Liberalismus, Individualität und die Gleichheit der Menschen. Auf der Homepage der Neonazi-Gang lassen sich die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ herunterladen. Propagiert wird der Kampf gegen den Kommunismus. Motto von „Carecas ABC“: „Gott, Vaterland und Familie!“.

In brasilianischen Städten kommt es auch immer wieder zu schwulenfeindlichen und rassistischen Übergriffen durch Neonazis. Schwarze brasilianische Fußballstars sind selbst in den Fußballstadien nicht vor rassistischen Attacken sicher.

Laut einem Bericht der Organisation „Grupo Gay da Bahia“ (LGBT) starben 2013 in Brasilien 312 (2012: 338 Todesfälle) Schwule, Lesben, Transsexuelle und Transvestiten durch homophobe oder transphobe Übergriffe oder wurden in den Tod getrieben. Allein im Januar dieses Jahres wurden laut LGBT, der ältesten Menschenrechtsgruppe für Homosexuelle in Brasilien, 34 Menschen aus diesen Personengruppen getötet. Einem 18-jährigen wurde in Sao Paulo von einer sechsköpfigen Gang im Alter von 16 bis 23 Jahren so lange  mit einem Skateboard auf den Kopf geschlagen, bis er starb. Ein 16-Jähriger wurde ebenfalls in Sao Paulo von einer Skin-Gang zuerst brutalst gefoltert und dann durch Schläge auf den Kopf ermordet. Die Tat geschah in der Nähe des WM-Stadions.

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