von Konrad D. Fromm
   

Hass auf die Straße tragen

„AfD wirkt“ – mit diesem Slogan wirbt die selbsternannte Alternative immer wieder gerne für ihr politisches Wirken und beansprucht für sich, dass die öffentlichen Äußerungen der Partei sowie die politischen Aktivitäten viele positive Veränderungen tatsächlich aktiv bewirken würden. Nur bei der AfD-Ortsgruppe Wismar, deren Kreisverband der Landtagsabgeordnete Christoph Grimm vorsteht, will man darauf dieser Tage wohl eher nicht angesprochen werden. Ein Kommentar.

Seit dem 16. Oktober befindet sich auf der Facebook-Seite der AfD-Ortsgruppe Wismar ein Sharepic mit dem Titel „Kennen Sie das?“. Zu sehen ist ein Mann mit dunkler Hautfarbe und gut geschnittenem Anzug, der sich in einer Innenstadt befindet. „Sie gehen zur Arbeit, zahlen hohe Steuern, aber sehen Migranten schon am Morgen im Café gelangweilt auf dem Handy spielen? Sie finanzieren es!“ – so geht der Text auf dem Sharepic weiter und bedient damit eindrucksvoll die Vorurteile der AfD-Gefolgschaft. Der Aufforderung zum Teilen sind inzwischen über 1.800 Facebook-Nutzer nachgekommen. In den Kommentaren unter dem Beitrag wurde, wie noch bestehende Verweise auf nicht mehr sichtbare Beiträge namentlich angesprochener Nutzer nahe legen, bereits eifrig „moderiert“.

Dunkelhäutiger Mann zusammengeschlagen

Was das nun mit dem „AfD wirkt“ zu tun hat? Am 11. Dezember hat die AfD-Ortsgruppe Wismar ihren eigenen Beitrag vom Oktober auf Facebook erneut geteilt. Nur einen Tag später wurde in Wismar auf dem Parkplatz eines Supermarktes ein Mann mit dunkler Hautfarbe aus Guinea von drei Jugendlichen erst als „Neger“ beschimpft, dann aus der Gruppe heraus tätlich angegriffen und ins Gesicht geschlagen. Nachdem der Mann am Boden lag, wurde nach dem Bericht der Staatsanwaltschaft Schwerin noch auf ihn eingetreten und ihm im Anschluss sein Rucksack gestohlen. Gegen alle drei Jugendlichen wird ermittelt. Ein 18-jähriger aus Wismar ist inzwischen wegen Tatverdachts in Untersuchungshaft. Über den Zustand des Opfers wurde bisher nichts bekannt.

„AfD wirkt“. So wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung auf das Gelten der Unschuldsvermutung bei den Tatverdächtigen verweist, so ist auch die Unterstellung eines direkten Zusammenhangs zwischen dem Facebook-Post des AfD-Ortsvereins und der Straftat von einheimischen Jugendlichen selbstverständlich unzulässig. Es bleibt aber unabhängig von Tatsachenbehauptungen ein bitterer Beigeschmack, der sich aus dem zeitlichen Zusammenhang beider Ereignisse ergibt. Insbesondere vor dem Hintergrund der AfD-Eigenwerbung: „AfD wirkt“.

Der Originalpost vom 16. Oktober wurde von der Ortsgruppe am 14. Dezember, nachdem der Vorfall in Wismar durch die Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft öffentlich war, kommentiert mit den Worten: „Schön, dass man uns soviel Aufmerksamkeit widmet und den Beitrag teilt und kommentiert. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn nicht mehr über einen geredet wird.“

Geistige Brandstifter?

Fazit: Über die AfD muss viel öfter geredet werden. Vor allem über die Scheinheiligkeit dieser Partei, der es nur um Aufmerksamkeit geht, die sich gerne mit fremden Federn schmückt, von der aber die Übernahme von Verantwortung für ihr eigenes Tun kaum zu erwarten ist. Wer mit „AfD wirkt“ wirbt, muss sich mit der Wirkung auch dann beschäftigen, wenn es weniger angenehm wird.

Und wer mit fremdenfeindlichen Postings in sozialen Netzwerken unterwegs ist, der muss sich mindestens moralisch vorwerfen lassen, an gewalttätigen Übergriffen gegen Menschen ebenso mitgewirkt zu haben.

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