Harsche Kritik an der NPD

Der ehemalige Landesvorsitzende der NPD Hessen, Jörg Krebs, tritt nach eigenen Angaben aus der NPD aus. Den hessischen Landesverband beschreibt er in seiner persönlichen Erklärung als „organisatorischen Saustall“.

Montag, 22. Juni 2015
Kai Budler

Seit 16 Jahren ist Jörg Krebs Mitglied der NPD, vorher war der gelernte Schreiner drei Jahre lang bei der DVU aktiv. Der heute 40-jährige war NPD-Kreisvorsitzender in Frankfurt am Main, stellvertretender Landesvorsitzender und sitzt für die NPD in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Vier Jahre lang leitete er als Landeschef die NPD in Hessen.

Doch jetzt ist offenbar Schluss: Zum 30. Juni trete er aus der rechtsextremen Partei aus, schreibt Krebs in seiner persönlichen Erklärung. Gleichzeitig lässt er kein gutes Haar an dem Landesverband mit einer „Entourage (…), die sich ohne Bedenken auf proisraelischen Versammlungen herumtreibt, im Internet mit Pornodarstellerinnen posiert, reine Saufurlaube auf ‚Malle’ verbringt und durch Trunkenheitsfahrten mit dem PKW zu ‚glänzen‘ weiß“. Sein Fazit: im hessischen Landesverband werde „jedwedes volkstreues Ideal, jedwede nationale Gesinnung mit Füßen“ getreten und verraten.

Ein Armutszeugnis attestiert Krebs auch der Organisation der NPD in Hessen. Nach seinen Angaben fand der letzte ordentliche Landesparteitag mit Neuwahl eines Landesvorstandes vor mehr als drei Jahren statt, ein Großteil der damals gewählten Funktionsträger habe die Ämter nieder gelegt oder sei aus der NPD ausgetreten. Die Satzung der hessischen NPD schreibt die Neuwahl des Landesvorstandes aber alle zwei Jahre vor. Dass der Landesverband seit dem Rücktritt von Daniel Knebel vor eineinhalb Jahren keinen gewählten Vorsitzenden habe, bezeichnet Krebs als „satzungs- und damit parteiengesetzwidrigen – Zustand“. Mit dem Programm und den Zielen der NPD identifiziere er sich aber nach wie vor, sagt Krebs und kündigt an, als „freier Nationalist“ die  neonazistische Kleinpartei „Der III. Weg“ zu unterstützen.

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