Hampel bleibt Chef

Hannover – Den innerparteilichen Machtkampf hat AfD-Rechtsaußen Armin-Paul Hampel in Niedersachsen vorerst gewonnen.

Montag, 27. März 2017
Julian Feldmann

Hinter verschlossenen Türen hat die AfD Niedersachsen am Wochenende in Hannover ihren Landesparteitag abgehalten. Journalisten hatten keinen Zutritt. Der Machtkampf in dem AfD-Landesverband wurde vorerst entschieden, der bisherige Vorsitzende Hampel ist mit 214 der 379 gültigen abgegebenen Stimmen, also etwa 56 Prozent, erneut zum Landesvorsitzenden gewählt worden. Die Göttinger Kreisvorsitzende Dana Guth und der AfD-Mann Siegfried Reichert aus Hannover unterlagen in der Abstimmung.

Von einigen Parteimitgliedern wird Hampels Rechtskurs kritisiert, deshalb gründete sich etwa der „Leeraner Aufbruch“ um den ehemaligen Vorsitzenden der AfD in Leer, Holger Pieters. Hampel war etwa Ende 2016 bei einer Tagung von Rechtsextremisten aufgetreten. Wichtigster Kritikpunkt ist jedoch der als autoritär empfundene Führungsstil des ehemaligen Fernsehjournalisten Hampel.

„Vollständiges führungstechnisches Versagen“ vorgeworfen

Der Streit innerhalb der Niedersachsen-AfD schwelt schon seit Monaten. In internen E-Mails der AfD, die bnr.de vorliegen, ist von „Strafaktionen“ gegen „aufständische Kreisverbände“ die Rede. So hatte der Landesvorstand Anfang des Jahres beschlossen, „bis auf Weiteres keine neuen Mitglieder im KV (Kreisverband) Göttingen aufzunehmen“ – zuvor wolle man mit den Mitgliedern über „Einwirkungsversuche rechtsextremer Kräfte“ sprechen, schrieb Hampel an AfD-Kreischefin Guth. Die AfD-Frau antwortete mit einem „Genug ist genug!“. Der Kreisverband Göttingen warf Hampel ein „vollständiges führungstechnisches Versagen“ vor. „Zur Durchführung Ihrer persönlichen Agenda sind Sie bereit, den Landesverband Niedersachsen oder auch einzelne Untergliederungen zu spalten und schrecken ebenfalls nicht vor der existenziellen Vernichtung Einzelner zurück“, schrieb Guth im Januar an Hampel.

Bei dem Streit geht es auch um Lars Steinke aus Göttingen, den Vorsitzenden des Bezirksverbands Braunschweig der AfD-Jugend „Junge Alternative“ (JA). Steinke war Anmelder von Kundgebungen des rechtsextremen „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“, allerdings bevor dieser offen die Nähe zur NPD zeigte. Im vergangenen Jahr nahm der Göttinger Student an zwei Demonstrationen der „Identitären Bewegung“ in Berlin und Wien teil. Gegen Steinke soll Hampel ein Parteiordnungsverfahren betreiben. Dass der Machtkampf zwischen einigen Kreisverbänden und dem Landesvorstand um Hampel weitergeht, scheint sicher.

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