von Mathias Brodkorb
   

Hammer und Schwert: Weißmann über "politische Symbolik"

Bereits nach kurzer Zeit legt der neu-rechte Historiker Karlheinz Weißmann in seiner nicht im Buchhandel erhältlichen politischen Symbolkunde nach: Mit "Hammer und Schwert" bietet er nach "Fasces" erneut einen kurzweiligen Überblick über politische Symbole von rechts.

Dabei ist zumindest auffällig, dass sich Weißmann zum zweiten Mal in einem Übergangsspektrum zwischen rechts und links tummelt: Mit "Fasces" war er ausführlich auf die Verwendung faschistischer Symbolik in der politischen Linken eingegangen. Ganz ähnlich greift er mit "Hammer und Schwert" auf eine politische Strömung innerhalb des Nationalsozialismus zurück, die sich sowohl durch ihre Abgrenzung vom Hitlerismus als auch durch ihre Anleihen beim Bolschewismus bzw. der Arbeiterbewegung auszeichnete.

Denn es war das Jahr 1927 als der Kampf-Verlag der Brüder Otto und Gregor Straßer Reden und Texte des Nationalsozialisten Gregor Straßer veröffentlichte. Die Broschüre trug den Titel "Hammer und Schwert" und in der Folge wurden Hammer und Schwert zu regelrechten Insignien der "sozialistischen" Opposition innerhalb der NSDAP. Die Gebrüder Straßer und den jungen Goebbels trennten dabei vor allem von Hitler, dass diese "weder Antisemitismus noch Kommunismus" (8) eine besonders große Bedeutung in ihrem politischen Denken beimaßen.

Weißmann führt die Verwendung der politischen Symbolik von Hammer und Schwert daher auch auf die Absicht zurück, deutlich zu machen, "daß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten eigentlich nur eine Frage strittig war" (10), nämlich die nach dem Ort des Politischen: die Nation oder der Globus. Es überrascht daher nicht, dass die politische Symbolkik von "Hammer und Schwert" erstmalig im Jahr 1919 auf Seiten der "Roten Armee" im Zusammenhang mit der Münchner Räterepublik nachweisbar ist und erst später in der extremen Rechten Verwendung findet. Dort tritt sie auch sogleich einen "Marsch durch die Institutionen" an: Die Hitler-Jugend (HJ) führt mit dem Jahr 1929 Hammer und Schwert im Signet der Hitler-Jugend-Zeitung, später folgen ihr die Geusen. Schließlich avancieren Hammer und Schwert zu Symbolen der "Schwarzen Front", also zum gegen München und Hitler gerichteten Widerstand innerhalb der NSDAP vor deren Machtergreifung.

Weißmann belässt es allerdings nicht dabei, die politische Symbolik von Hammer und Schwert im Rahmen des historischen Nationalsozialismus nachzuzeichnen. Er widmet sich ebenso ausführlich seinem linken Vorbild - Hammer und Sichel - sowie verschiedenen Abwandlungsformen in nationalbolschewistischem Umfeld. Schließlich skizziert der Historiker auch die Wieder-Verwendung von "Hammer und Schwert" in der Neonaziszene und im Umfeld der NPD der Nachkriegszeit, insbesondere seit der Wiedervereinigung. Dass die Mehrheit der Kameraden, die heute roten Hammer und  rotes Schwert auf schwarzem Grund bei Demonstrationen auf Fahnen bei sich führen und den "Nationalen Widerstand" hochleben lassen, wissen, welcher Symbole sie sich befleißigen, darf dabei getrost bezweifelt werden.

Weißmanns kurzweiliger Text dürfte nicht nur innerhalb der rechten, sondern auch der linken Szene auf Interesse stoßen. Sein ausschließlich historisch orientierter Zugriff beschränkt sich auf die Schilderung von Fakten und sieht von einer kritisch-inhaltlichen Würdigung ab, beinhaltet aber alles, um zugleich eine knappe Einführung in den "Nationalsozialismus von links" darzustellen. Der vergleichsweise hohe Preis der 41 Seiten umfasssenden Broschüre jedoch dürfte ihrer Verbreitung enge Grenzen setzen.

hammer-schwertKarlheinz Weißmann
Hammer und Schwert. Kleine Schriften zur politischen Symbolkunde, 2
41 Seiten, Selbstverlag
Preis: 15,00 Euro


Kommentare(7)

Quarktasche Mittwoch, 24.November 2010, 19:34 Uhr:
"Dabei ist zumindest auffällig, dass sich Weißmann zum zweiten Mal in einem Übergangsspektrum zwischen rechts und links tummelt: Mit "Fasces" war er ausführlich auf die Verwendung faschistischer Symbolik in der politischen Linken eingegangen."

Gerne nochmal mein Kommentar:

Die Fasce ist ein Zeichen staatlicher Hoheitsmacht, wurde und wird als solches von etlichen politischen Akteuren zu den unterschiedlichsten Zeiten verwendet. Eine Rechts-Links-Verbindung lässt sich aus diesem Umstand nur mit festem Willen ableiten.
 
Xberg Donnerstag, 25.November 2010, 08:58 Uhr:
"Die Fasce ist ein Zeichen staatlicher Hoheitsmacht, wurde und wird als solches von etlichen politischen Akteuren zu den unterschiedlichsten Zeiten verwendet."

Genau das kannste detailiert in der Weißmann-Broschüre nachlesen.

"Eine Rechts-Links-Verbindung lässt sich aus diesem Umstand nur mit festem Willen ableiten."

Dummfug des Tages.
 
Quarktasche Donnerstag, 25.November 2010, 18:23 Uhr:
"kannste ... nachlesen."

...dann können Sie folgende historische Darstellung datieren? Der Autor hat´s vergessen:

http://www.endstation-rechts.de/plugins/content/mavikthumbnails/thumbnails/117x131-images-stories-bilder-medien-antaios-staatspolitik-fasces3.jpg

Aus der ersten Rezession bezüglich der Reihe:

http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=4596:fasces-karlheinz-wei%C3%9Fmann-ver%C3%B6ffentlicht-erstes-heft-zur-politischen-symbolik&Itemid=773
 
Quarktasche Donnerstag, 25.November 2010, 18:47 Uhr:
@XBerg

...huch, zentrales Element der Standarte des italienischen Staatspräsidenten ist ja der kommunistische(!) Stern:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Presidential_flag_of_Italy.svg&filetimestamp=20081006111218

Was würden Sie daraus schlussfolgern?
 
Prof. Erhard Montag, 29.November 2010, 11:04 Uhr:
Einmal weg von den Fasces, die Dinger sind nur ein Problem von vielen. Natürlich gibt es zahlreiche Querverbindungen zwischen den totalitären Kulten und politischen Religionen des 20. Jahrhunderts. Wer nach totaler Macht strebte, war immer auch imperial orientiert, war er nun Stalinist, Nazi oder italienischer Faschist - die Seuchen sind eng verwandt. Nicht zufällig hatte besipielsweise ein Roland Freisler seine politische Ausbildung in der UdSSR bekommen.

Wer dies leugnet, ist entweder naiv und uniformiert, ausgesprochen stumpf und dumm oder politisch komplett indoktriniert und verlogen.
 
Xberg Montag, 29.November 2010, 14:02 Uhr:
"Dann nennen Sie mir doch nur ein glaubwürdiges Beispiel für die Verwendung "faschistischer Symbolik in der politischen Linken" bezüglich der Facsce und ich tue Ihnen den Gefallen und kaufe das Heft."

Nu, was muß ich Ihnen denn noch erzählen? Sie wissen doch eh schon alles, so geistreich und witzig, wie Sie sind! ;)
 
Heiner Wolfmuehle Samstag, 07.Juli 2012, 12:53 Uhr:
Was vorgibt links zu sein ist nicht immer links. Bereits Lenin führte den Begriff des "Linkskommunismus" ein und so ritten die Rotarmisten gegen die Räte, welche da probagierten "Keine Macht der Partei, alle Macht den Räten". Ideologisch ist wohl der Leninismus und vor allem der Stalininismus, unter dem zahrleiche Kommunisten ermordet worden sind, eher als rechte Konterrevolution zu bezeichnen. Leider fehlt vielen Linken ein Bewusstsein für den eigentlichen Unterschied zwischen Links und rechts. Es ist nicht der Antikapitalismus oder der Antiliberalismus sondern die Grundfrage der Egalität. Ein autoritäres System ist nicht Egalitär, es ist ideologisch Konservativ gegen die Errungenschaften des Liberalismus und der Aufklärung gerichtet. Vielen vermeintlich Linken Strömungen ist dieser rechte antiaufklärerische Geist immanent, es ist die sich im inneren befindliche Selbstzerstörung der Linken, auf die Bakunin folgerichtig hinwies. Darum nimmt es eben kein Wunder, dass die Symbole sich gleichen und den selben Ursrung aufweisen. Es ist eben nicht verwunderlich oder gar eine Ausnahme, dass ein Ernst von Salomon das RFB-Zeichen trug und dass Ernst Jünger den "Arbeiter" schrieb.
 

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