von Julian Barlen
   

Halbtot nach „Thor Steinar“-Spruch – Neonazi vor Landgericht Nürnberg – Saal nach Tumulten geräumt

Am 28. April 2010 wurde in der Nürnberger U-Bahn ein damals 17-Jähriger von dem bekennenden Rechtsextremisten Peter R. so schwer verletzt, dass er mehrfach wiederbelebt werden musste und heute 40 Prozent schwer behindert ist. Auslöser sei eine „extrem aggressive“ und „provozierende“ Äußerung über die „Thor Steinar“-Bauchtasche der Freundin des Neonazis gewesen. Die Anklage gegen den 24-Jährigen Kampfsportler lautet nun versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung.

Diese sei jedoch „absurd“, so der Angeklagte laut Medienberichten. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Tötungsabsicht bestanden. Die Schlägerei mit dem Opfer gebe er jedoch zu.

Das Opfer, heute Nebenkläger im Nürnberger Prozess, kann sich aufgrund der Schwere der Verletzungen nicht mehr an den genauen Tathergang erinnern. Allerdings könne der junge Mann sich gut vorstellen, sich negativ über die in rechtsextremen Kreisen beliebte Modemarke „Thor Steinar“ geäußert zu haben. Er fände es falsch, „Thor Steinar“ zu tragen, da die Marke in erster Linie von Neonazis getragen würde, wird das Opfer zitiert.

Der Angeklagte gab am ersten Prozesstag offenbar unumwunden zu, über Jahre hinweg in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen zu sein. Angeblich in den Kreisen des „Freien Netz Süd“. Die Tatsache, dass das Opfer möglicherweise der „linken Szene“ zuzuordnen gewesen sei, wies er als Tatmotiv jedoch zurück. Er habe dies nicht gewusst und sich darüber hinaus „mit jedem angelegt“, so ein Berichterstatter aus dem Gerichtssaal.

Strittig ist indessen der genaue Tathergang. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass nach Faustschlägen in das Gesicht auf den Kopf des bereits am Boden liegenden Opfers eingetreten wurde. Dadurch sei der Tod des damals 17-jährigen Mannes in Kauf genommen worden. Tritte werden von der Verteidigung jedoch abgestritten. Einige Stunden nach der Tat habe sich der Tatverdächtige „überrascht“ von den Folgen selber der Polizei gestellt und sitzt seither in U-Haft.

Im Vorfeld des Aufsehen erregenden Prozessen hatte ein Bündnis zur aufmerksamen Begleitung der Verhandlungen in dem geschichtsträchtigen Bau des Landgerichtes Nürnberg-Fürth aufgerufen. Im berühmten „Saal 600“ wurden die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse durchgeführt. Der Schwurgerichtssaal 600 dürfe nicht dem Angeklagten „Peter R. und seinen Kameraden des Freien Netz Süd zur Einschüchterung und Propaganda“ zur Verfügung gestellt werden, so der Aufruf im Internet.

In der Folge kam es bei dem Prozessauftakt am Donnerstag zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Prozesszuschauern des linken und rechtsextremen Spektrums. Der Richter schloss daraufhin das Publikum aus und ordnete die Räumung des Saales an. Für den weiteren Verlauf der Verhandlungen wurden vier Verhandlungstage angesetzt.

Kommentare(17)

twes_werf Donnerstag, 17.Februar 2011, 13:57 Uhr:
Die Tat spricht für sich und braucht keinen Kommentar. Allerdings ist das auf dem Foto die hamburger U-Bahn! Gänsemarkt glaub ich.
EDIT: Ich glaube es ist der Hamburger Hauptbahnhof. Danke aber für den Hinweis. Jetzt ist auf dem Foto die U-Bahnstation "Fürth Klinikum" zu sehen.
 
Amtsträger Donnerstag, 17.Februar 2011, 21:10 Uhr:
"Wer gegen den Kopf tritt will töten!"

So wird es in Strafrecht gelehrt. Außerdem muss ein Täter für einen Totschlag keine Absicht haben, sondern den Erfolg lediglich billigend in Kauf nehmen. Sollte er auf den am Boden liegenden eingetreten haben, insbesondere Richtung Kopf, wird er den Eventualvorsatz nicht abstreiten können.
 
Schwab Freitag, 18.Februar 2011, 13:41 Uhr:
Linke entlarven sich selbst: Frauen belästigen, dann gegenüber einem Mann, der sich für diese Frau einsetzt, den Kürzeren ziehen.
 
kritischer Beobachter Freitag, 18.Februar 2011, 13:56 Uhr:
Mal sehn, ob Sie sich genauso reißerisch über die 4 Kulturbereicherer äußern, die am 11.02.11 einen 30-jährigen in Berlin lt. "Focus" halbtot getreten haben.

"Der 30-jährige Malergeselle war am vergangenen Freitag gegen 23.50 Uhr auf einem U-Bahnsteig so lange getreten und geschlagen worden, bis er bewusstlos und lebensbedrohlich verletzt am Boden liegen blieb. Der Mann liegt derzeit noch im Koma. Er hat nach Zeitungsberichten schwerste Hirnverletzungen und wird wahrscheinlich behindert bleiben, falls er je wieder zu Bewusstsein kommt."

Oder dies aufgrund Ihrer ideologischen Weltanschauung mal wieder ausgeblendet wird.
 
Björn Freitag, 18.Februar 2011, 17:55 Uhr:
Aber, aber lieber kritischer Beobachter. Sie dürfen hier doch nicht auf Ausländergewalt aufmerksam machen. Das könnte man ihnen schnell als "faschistisch" auslegen. Weiß doch jedes Kind, dass immer die Opfer selbst Schuld sind. Zumindest aber die fiese deutsche Gesellschaft, die die armen Migranten einfach nicht lieb genug hat.

Was ist schon ein deutsches Opfer in der BRD wert? Der Zeitung höchstens eine Randnotiz.
 
B.C. Freitag, 18.Februar 2011, 23:27 Uhr:
@schwab
mit dieser aussage disqualifizieren sie sich selbst. jemanden halbtot treten bezeichnen sie als "einsatz fuer eine frau". eigentlich war ich mal soweit, fuer sie aufgrund ihrer beitraege hier respekt zu empfinden. inzwischen haben sie meine wahrnehmung um eine facette "bereichert".
 
B.C. Freitag, 18.Februar 2011, 23:31 Uhr:
@kritischer beobachter
woher nehmen sie ihre behauptung? im focus und anderen medien habe ich bisher lediglich vom alter der taeter gelesen.
und den zusammenhang bekomm ich dann auch nicht auf die reihe - ist die hier geschilderte gewalttat dadurch weniger schlimm?
 
Amtsträger Samstag, 19.Februar 2011, 09:23 Uhr:
Irgendwie komisch. Kaum eine Gewalttat von Rechts wird unrelativiert gelassen. Gleiches gilt natürlich für alle anderen Extremisten auch!

Verrückterweise werden alle täter im Bau landen. Für versuchtetn totschlag sitzt man nämlich etliche Jahre.
 
Schwab Samstag, 19.Februar 2011, 11:45 Uhr:
@B.C.

Da liegen Sie falsch.

"jemanden halbtot treten" ist bislang die Behauptung desjenigen, der die Frau in der Nürnberger U-Bahn belästigt hatte, dafür Prügel vom Freund dieser Frau bezogen hatte.

Im Zweifel für den Angeklagten, der diese Behauptung bestreitet.

Sollte sich herausstellen, daß der Verteidiger der Frau aus Rage überzogen hatte, würde dies wohl strafrechtlich verurteilt werden, ihm sollte aber aus edlen Motiven Strafnachlaß gewährt werden. Wenigstens die gute Absicht sollte Anerkennung finden.
 
Dr.Eisenbart Samstag, 19.Februar 2011, 12:11 Uhr:
>im focus und anderen medien habe ich >bisher lediglich vom alter der taeter >gelesen.

Mensch, schau Dich doch mal um in den Medien...

>und den zusammenhang bekomm ich dann >auch nicht auf die reihe - ist die hier >geschilderte gewalttat dadurch weniger >schlimm?

Die nicht, aber die andere offenbar...
 
B.C. Samstag, 19.Februar 2011, 20:22 Uhr:
@schwab
"Peter R. so schwer verletzt, dass er mehrfach wiederbelebt werden musste und heute 40 Prozent schwer behindert ist"

soweit ich das ueberblicke steht dieser teil der beweislage nicht zur disposition. fuer sie ist also noch nicht klar, ob der angeklagte "ueberzogen" hat?
 
Schwab Sonntag, 20.Februar 2011, 11:41 Uhr:
@B. C.

Da muß ich erst das Verfahren abwarten, welches Urteil gesprochen wird, und wie der Angeklagte und sein Verteidiger dieses Urteil bewerten.

Tatsache ist, daß es im Nationalen Widerstand ein Potential gibt, das "Linke" abgrundtief haßt, diese Menschen verachtet. Sicherlich undifferenziert und pauschalierend, aber im Kern berechtigt. Auch aus eigenen Erfahrungen. Da spielen sich Linke in Dresden als Hilfspolizisten des BRD-Systems auf, indem sie nationale Demos blockieren. Nationale Demonstranten werden von Linken (auf Kopfhöhe) mit Steinen beworfen. Ist mir selbst letztes Jahr in Dresden passiert. Auch Demos in Bayern, an denen Peter R. teilnahm, wurden von Linken mit Steinen beworfen.
Wenn man Feinde abgrundtief haßt, gibts möglicherweise in der Affekthandlung keinen Respekt mehr vor dem Leben des Gegners (Carl Schmitt unterschied zwischen wirklichen und absoluten Feinden). Das ist sicherlich bedauerlich, dabei sollte man aber Ursache und Wirkung erkennen.
Eine Verkäuferin von Thor Steinar in Nürnberg hatte mir erzählt, daß sie - als sie im Laden alleine war - von einem Verdi-Mob überfallen und von "Männern" geschlagen wurde. Als wir dann mit drei Männern nationale Flugis vor dem Laden verteilten, auch eine Hand voll Verdi-"Männer" zugegen waren, hatten die die Polizei und Antifa (weitere Verstärkung) alarmiert. Soll man solche "Männer" respektieren?
 
Amtsträger Sonntag, 20.Februar 2011, 18:43 Uhr:
Soso Herr Schwab, Affekt-Handlungen?

Schuldausschließungsgründe im Rahmen eines Notwehrexzesses sind nur die asthenischen Affekte, also Verwirrung, Angst oder Furcht. Hass, Wut oder Zorn sind sthenische Affekte und werden für eine strafrechtliche Prüfung nicht berücksichtigt.
Der Mensch, anders als das Tier, muss seine Gefühle soweit kontrollieren, dass Straftatbestände nicht erfüllt werden. Die meisten Menschen können das auch. Dies kann demnach als "normal" bezeichnet werden.
 
Schwab Montag, 21.Februar 2011, 14:39 Uhr:
Ich bin weder Psychologe noch Gerichtsmediziner!
 
Netzzwerg45 Montag, 21.Februar 2011, 15:28 Uhr:
Fakt ist, die Tat ist geschehen, kann eindeutig als Straftat eingestuft werden und wird entsprechend strafrechtlich verfolgt. Über die Höhe des Strafmaßes ist noch zu entscheiden, allerdings nicht an dieser Stelle.

Dresden 2010 hätte ich auch beinahe einen Stein abbekommen, war nicht lustig. Und mitzubekommen, wie deutsche Mädels von jogginghosentragenden türkischstämmigen Nullhirnen auf offener Straße zum Spaß georfeigt werden, ist auch nicht lustig. Solange Taten wie die von Peter R. so rar gesät sind, wird das eigentliche Problem nicht sichtbar, das solche Taten fördert. Denn auch wenn hier wohl, oberflächlich betrachtet, keine politische Motivation ausschlaggebend war, so hätte Peter R. doch mit Sicherheit wesentlich entspannter auf diese eindeutige Provokation, diesen Angriff auf die Würde seiner Freundin, reagiert, wenn er an anderer Stelle nicht permanent einstecken müßte und unterdrückt würde.

Zum Opfer kann ich nur sagen: selbst dran schuld. Da hab ich kein Mitleid. Das war eben mal die direkte Antwort auf einen, in diesem Falle, verbalen Steinwurf. Kennt ihr den Film "Die Körperfresser", wo irgendwann alle Leute von Aliens infiziert sind und sobald sie einen sehen, der noch Mensch ist, übelst zu kreischen und ihn zu jagen beginnen? ;-)
 
Roichi Montag, 21.Februar 2011, 16:43 Uhr:
@ Schwab

Was ist eigentlich das edle Motiv dabei, jemanden für einen dummen Spruch bzw. eine Bemerkung fast zu töten?

Ich frag mich auch, warum du hier versuchst eine Gewalttat zu verharmlosen.
Da hat der Amtsträger Recht: "Verrückterweise werden alle täter im Bau landen. Für versuchtetn totschlag sitzt man nämlich etliche Jahre."

Auch wenn ich das weniger Verrückt, als vielmehr sehr gut finde.
 
B.C. Montag, 21.Februar 2011, 23:04 Uhr:
@schwab
weiss auch nicht, wie ich annehmen konnte, sie waeren zu selbstaendigem denken in der lage. das hier ist ja eher ein antizeugnis:
"Da muß ich erst das Verfahren abwarten, welches Urteil gesprochen wird, und wie der Angeklagte und sein Verteidiger dieses Urteil bewerten."

was dieser fall mit steinewerfenden straftaetern zu tun haben soll, bleibt ihr privates geheimis - auf diese abstruse verteidungsstrategie ist sicher nicht mal der verteidiger gekommen.
 

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