Hakenkreuze in Bremen

In der Hansestadt an der Weser gibt es seit Anfang 2020 auffällig viele rechte Straftaten. Schmierereien und Brandstiftungen erinnern an den unaufgeklärten Brandanschlag auf ein Restaurant in Syke.

Dienstag, 07. April 2020
Andrea Röpke

In der Nacht auf den 31. März beschmierten Unbekannte zahlreiche Gastronomie- und Kulturbetriebe, und Autos im alternativ-geprägten Bremer Steintor-Viertel mit Hakenkreuzen und weiterer NS-Symbolik. Die Täter liefen eine Route ab und wählten scheinbar gezielt Gebäude aus. Auch die „Schauburg“, das Kino im Viertel, war betroffen. Bereits Mitte Februar richteten zwei Brandanschläge in einer Nacht im selbst verwalteten Jugend- und Kulturzentrum „Die Friese“ erheblichen Schaden an. Die Polizei wurde auf einen rechten Aufkleber der gewaltbereiten Kleinstpartei „Die Rechte“ am Tatort aufmerksam gemacht, die Ermittlungen wegen möglicher Brandstiftung laufen.

Um kurz nach Mitternacht hatten Besucher eines Konzerts Rauchgeruch bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. „Vereinzeltes Mobiliar“ habe im ersten Stock Feuer gefangen, schreibt die Polizei. Etwa 30 Menschen befanden sich im Haus, das Konzert wurde abgebrochen. Kurz vor drei Uhr nachts brannte es dann erneut im ersten Stock. Das Infoportal „AfD-Watch Bremen“ weist auf mögliche Zusammenhänge und die „auffällige Häufung antisemitisch und rassistisch motivierter Taten im Stadtgebiet“ von Bremen hin.

Drohschreiben an Politikerinnen und Flüchtlingsorganisation

So war am 27. März bekannt geworden, dass zwei Politikerinnen in Bremen Drohmails erhalten hatten. Medine Yildiz von der Linkspartei sagte gegenüber der „taz Bremen“, die Verfasser seien „Feiglinge“, „wenn sie keine Feiglinge wären, würden sie nicht einer 57-jährigen Frau schreiben, wir erschießen dich von hinten“. Yildiz, Mitglied im Landesvorstand des Landesverbandes der Linken in Bremen, kritisierte die Polizei. So sei sie nicht über Schutzmöglichkeiten aufgeklärt worden, überhaupt wurde von Anfang an wenig Engagement gezeigt, so die Politikerin. „Vermittelt worden ist mir: Da wird nicht viel bei rauskommen, und dass ich eigentlich nur auf die Einstellung durch die Staatsanwaltschaft warten könne.“

Auch eine Flüchtlingsorganisation in der Hansestadt erhielt laut der Polizei Bremen ein Drohschreiben. Die aktuellen politischen Sachbeschädigungen von rechts lassen aufhorchen. Unter anderem die Hausfassade der „Chameleon Jazz Bar“ wurde mit einem gelben Davidstern, Hakenkreuz und SS-Runen verunstaltet. Ein Betreiber des ebenfalls betroffenen „Atelier Rofoogar“ schrieb in den sozialen Medien: „Die Kennzeichnungspflicht für Juden kennt man ja schon von 1933! Deutschland, Bremen 2020. Wir wurden heute gekennzeichnet. Ich kann nicht mit Worten beschreiben, wie ich mich gerade fühle.“

Brandanschlag mit „fremdenfeindlicher Motivation“

Die Vorgänge erinnern an den politisch motivierten Brandanschlag auf das Restaurant „Martini“ in der Kleinstadt Syke, unweit von Bremen. (bnr.de berichtete) Dort im Landkreis Diepholz gehen die Ermittler von einer „fremdenfeindlichen Motivation“ aus, weil Hakenkreuze an die Hausfront gesprüht worden seien. Wenige Tage zuvor hatten sich in dem Lokal gegen rechts Engagierte aus der Region getroffen. Die Täter wurden bisher nicht gefunden. Im Gespräch mit „AfD WatchBremen“ appellieren Verantwortliche des Kinos „Schauburg“ in Bremen: „Viele Läden und Kneipen haben Hinweise an ihren Türen angebracht, dass jegliche Form von Diskriminierung unerwünscht ist. Mir scheint, dass dies manchmal nicht ausreichend ist und dass gemeinsam im Viertel, in Bremen und weit darüber hinaus an einer Haltung und Botschaft gegen rechte Gewalt und Ideologie gearbeitet werden muss. Gemeinsam und zusammen.“

Doch nur wenige Tage später, Anfang April, gab es erneut eine Welle rechter Straftaten. Im international geprägten Stadtteil Huchting wurden in zwei Straßenzügen Hakenkreuze in Fahrzeuge geritzt.

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