Hakenkreuze auf Grabsteinen

Auch in diesem Jahr hat es bereits wieder eine Vielzahl Übergriffe und Gewalttaten auf jüdische Einrichtungen gegeben.

Dienstag, 04. September 2012
Anton Maegerle

Die Zahl der antisemitischen Ausschreitungen von rechts bewegt sich nach wie vor auf hohem Niveau. Wie die Bundesregierung auf Anfragen der Linken-Fraktion mitgeteilt hat, wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bisher 414 antisemitische Straftaten aus rechtsextremer Motivation, darunter 11 Gewalttaten, festgestellt.

Antisemitische Ausschreitungen scheinen in Deutschland eine traurige alltägliche Realität zu sein. Auch in jüngster Zeit hat es Vorfälle gegeben. bnr.de dokumentiert ausgewählte antisemitische Übergriffe und Schmieraktionen in den letzten Monaten.

Beim Pokalspiel des MSV Duisburg gegen den Halleschen FC in der sachsen-anhaltinischen Stadt Halle am 18. August schallten antisemitische und rassistische Parolen aus dem Duisburger Fanblock. Ebenso grölten die Fans mehrfach das Schimpfwort  „Judenschwein“. (www.derwesten.de vom 21. August 2012) Am 3. August wurde der Jüdische Friedhof im nordrhein-westfälischen Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) verwüstet. Etwa 20 Grabsteine wurden umgeworfen und dabei teilweise zerstört.  (Pressemitteilung des JFDA vom 8. August)

Holocaust-Gedenkstein beschmiert

Am 28. Juli sollen zwei junge Männer sechs Grabsteine des Jüdischen Friedhofs im mittelfränkischen Treuchtlingen (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) umgeworfen haben. Ein Grabstein wurde dabei zerstört. (www.nordbayern.de vom 07. August) In der Nacht zum 17. Juli wurde der Jüdische Friedhof in Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) geschändet. Von den umgeworfenen 15 Grabsteinen wurden sieben von den Sockeln gestoßen und acht mit Sockel aus der Erdverankerung gelöst und umgeworfen. (www.polizei.mvnet.de vom 17. Juli)

Auf dem Jüdischen Friedhof im hessischen Nieder-Mockstadt, einem Stadtteil von Florstadt (Wetteraukreis), wurden mehrere Gräber geschändet. Unbekannte Täter brachen mit Schaufeln die Grasnarbe über einem Grab auf und ritzten ein Hakenkreuz in den Boden. Die Tat ereignete sich vermutlich Anfang Juli.  (www.kreis-anzeiger.de vom 7. Juli)

Am 28. Juni bemerkten Spaziergänger die Schändung des Jüdischen Friedhofs in Kröpelin (Landkreis Rostock). Unbekannte hatten Grabsteine umgestoßen und eine metallene Hinweistafel mit einem Stein verbeult. Der Friedhof war erst Ende Mai eingeweiht worden. (www.ostsee-zeitung.de vom 28. Juni) Am Morgen des 28. Juni bemerkten Mieter, dass zwei Wohnungstüren und ein Aufzug in einem privaten Wohnhaus in Berlin-Schöneberg mit Hakenkreuzen beschmiert waren. Die Bewohner sind Juden. (www.tagesspiegel.de vom 28. Juni) In der Nacht zum 26. Juni wurde ein Hakenkreuz auf einen Holocaust-Gedenkstein im niedersächsischen Bad Nenndorf (Landkreis Schaumburg) geschmiert.  (www.sn-online.de vom 26. Juni)

Verletzte Frauen bei Überfall auf Infostand

Am frühen Morgen des 23. Juni wurde der Zugang zum Cafe an der Synagoge Gemarker Straße in der nordrhein-westfälischen Stadt Wuppertal mit Hakenkreuzen beschmiert. (www.njuuz.de vom 24. Juni 2012) Ein polizeibekannter 21-Jähriger überstieg in den frühen Morgenstunden des 21. Juni einen Zaun der Synagoge im fränkischen Regensburg, brüllte dann rechtsextreme Parolen und urinierte auf das Gelände. (www.regensburg-digital.de vom 27. Juni)

In der Nacht zum 17. Juni wurde der Jüdische Friedhof im niedersächsischen Delmenhorst verwüstet. Grabsteine wurden mit Hakenkreuzen beschmiert und umgestoßen, Blumengestecke und Vasen herumgeworfen. Ein Grabstein zerbrach. (www.presseportal.de/polizeipresse/ vom 17. Juni) Im mecklenburg-vorpommerschen Neustrelitz wurden Mitte Juni mehrere Stolpersteine beschädigt. Kommentar des NPD-nahen Internetportals MUPINFO: „Auffällig ist, dass die drei Stolpersteine erst am 30. April verlegt worden waren. Bis dahin war die ehemalige Residenzstadt von der neuzeitlichen Unsitte dieses Schuldkultes verschont geblieben.“ (www.mupinfo.de vom 16. Juni)

Am Nachmittag des 12. Mai überfielen mehrere vermummte Personen in der Innenstadt von Siegen, Nordrhein-Westfalen, einen Infostand des Vereins „Pro-Israel-Initiative Neveragain“ zum Israel-Tag. Zwei Frauen wurden bei dem Überfall verletzt. Ein 25-Jähriger konnte festgenommen werden. Die Polizei rechnet ihn dem rechten Spektrum zu. (www.bnr.de vom 14. Mai)

Briefkasten der Jüdischen Gemeinde zerstört

Ein 28-Jähriger sprühte am Abend des 30. April in München ein rechtsextremes Symbol auf das Gebäude der israelitischen Kultusgemeinde. (www.abendzeitung-muenchen.de vom 2. Mai 2012) Ende März wurde in Berlin-Friedrchsfelde ein Stolperstein mit Teer beschmiert. (www.epd.de vom 27. März)

Am 24. Januar wurden 15 Grabsteine des Jüdischen Friedhof auf dem Kirchberg der hessischen Stadt Lollar (Landkreis Gießen) umgeworfen, 13 Grabsteine unter anderem mit Runen beschmiert.  (www.giessener-allgemeine.de v. 16. Februar 2012) Der Pfeiler eines Eingangs zum Jüdischen Friedhof im nordrhein-westfälischen Wuppertal (NRW) wurde in der Nacht zum 20. Januar mit antisemitischen Schmierereien wie einem Hakenkreuz besudelt. (www.presseportal.de/polizeipresse vom 20. Januar) Die Marburger Polizei erhielt am 10. Januar Kenntnis über die Schändung des Jüdischen Friedhofs in der hessischen Gemarkung Geiersberg (Kreis Marburg-Biedenkopf). Vier Grabsteine waren umgeworfen und 16 weitere mit lila Farbe beschmiert worden. In einem Fall wurde ein Hakenkreuz auf einem Grabstein hinterlassen. (www.polizei-hessen.de vom 11. Januar) In der Silvesternacht wurde die Dresdner Synagoge beschädigt und beschmiert. Die Täter zerstörten den Briefkasten der Jüdischen Gemeinde durch einen Böller und schmierten den Schriftzug „Leck mich“ an die Wand. (www.taz.de vom 3. Januar)

 

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