von Marc Brandstetter
   

Hakenkreuz-Schmiererei-Orgie: Polizei ermittelt Verdächtigen

Es war der Aufreger am Tag der Deutschen Einheit. Mit mehr als 100 Nazi-Parolen beschmierten Unbekannte die Innenstadt von Salzwedel. Die Ermittlungen der Polizei führten nun zu einem ersten Erfolg: Im Visier ist ein 21-jähriger Einheimischer, dessen Wohnung bereits am Samstag durchsucht wurde. Der Verdächtige befindet sich weiterhin auf freiem Fuß.

„Fassungslos“ war eines, wenn nicht das meist benutzte Wort in Salzwedel in Sachsen-Anhalt am Tag der Deutschen Einheit. Mit mehr als 100 Nazi-Parolen beschmierten Unbekannte einen Teil der  Innenstadt. Nach Polizeiangaben waren 42 Stellen in sieben Straßen betroffen. Dabei machten der oder die Täter vor nichts halt. Sie brachten Hakenkreuze, Parolen oder SS-Runen auf Hauswänden, Autos, Schaukästen, Schaufensterscheiben oder einem Bierwagen an. Insgesamt registrierte die Polizei 27 Sachbeschädigungen.  

Am Samstagnachmittag führten die Ermittlungen des Staatsschutzes zu einem ersten Erfolg. Polizeibeamte durchsuchten die Wohnung eines 21-jährigen Einheimischen. Dabei seien Gegenstände beschlagnahmt worden. Auf die Spur des Verdächtigen hätten Zeugenaussagen geführt, hieß es aus dem zuständigen Kommissariat. Der junge Mann stehe im Verdacht, aktiv an den Schmierereien beteiligt gewesen zu sein, sagte ein Ermittler.

Bei der Durchsuchungsaktion selbst sei der mutmaßliche Parolenschmierer nicht angetroffen worden. „Wir wissen aber, wo er sich aufhält“, zitiert der mdr eine Polizeipressesprecherin. Er soll nun vernommen werden. Ein Haftbefehl sei nicht erlassen worden, teilte die Sprecherin weiter mit. Der Verdächtige befinde sich nach wie vor auf freiem Fuß.

Der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, kündigte unterdessen an, aus dem Vorfall Konsequenzen ziehen zu wollen. Der CDU-Politiker möchte an „neuralgischen Stellen in ganz Sachsen-Anhalt“ eine „offene oder verdeckte“ Videoüberwachung einführen. Gespräche hierüber werde er bereits heute mit der Polizeispitze führen. Laut der taz stünde die Finanzierung für das Großprojekt bereits.   

Es dauerte nicht lange, bis die Pläne von Stahlknecht die anderen politischen Parteien auf den Plan riefen. Die SPD, die in Magdeburg gemeinsam mit der CDU regiert, vertrat die Meinung, dass sich mit einer breiten Videoüberwachung derartige Probleme nicht lösen ließen. Der Grünen-Innenexperte Sebastian Striegel wähnte den Innenressort-Chef gar auf einer „auf Geisterfahrt in den Überwachungsstaat“.

Kommentare(1)

Amtsträger Montag, 07.Oktober 2013, 07:46 Uhr:
Offensichtlich könnte man den Tatverdächtigen auch ohne Videoüberwachung ermitteln.

Vor derartigen Taten schützt das Videographieren an ausgewählten Stellen ohnehin nicht...
 

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