von Oliver Cruzcampo
   

Haftbefehl: Jeder vierte gesuchte Neonazi bereits seit mindestens zwei Jahren abgetaucht

Hunderte per Haftbefehl gesuchte Neonazis sind abgetaucht. Aktuell wird nach rund 457 Personen gefahndet – über 100 von ihnen können Behörden bereits seit 2016 nicht ausfindig machen. Die Zahl der gesuchten Personen ist erstmals seit Jahren wieder leicht rückläufig.

Neonazis vermummen sich auf dem Weg zu einem Konzert, Symbolfoto

Zum Stichtag 26. März waren Sicherheitsbehörden auf der Suche nach 457 Neonazis, gegen die 594 Fahndungen vorliegen. Diese Daten basieren auf der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke, die regelmäßig die Anzahl der per Fahndung gesuchten Rechtsextremisten abfragt.

In der Antwort der Bundesregierung werden alle 594 Fahndungen mit den dem Haftbefehl zugrunde liegenden Delikten aufgelistet. Zudem wird eine Prioritätenliste genannt. An vorderster Stelle – den Terrorismusdelikten – gibt es aktuell keine Fahndungen. Unter Priorität 2 für Gewaltdelikte finden sich 86 Fahndungen, Priorität 3 „sonstige Delikte“ 501 Fahndungen und sieben Fahndungen ausländischer Behörden.

Erstmals leichter Rückgang

In vielen Fällen liegt keine politische Motivation zugrunde. Bei 108 Personen ist dies jedoch der Fall und der Stand damit seit der letzten Abfrage Ende September 2017 unverändert. Aktuell liegt bei 80 Personen ein Gewaltdelikt zugrunde, zum letzten Stichtag waren dies noch 114 Neonazis.

Erstmals ist wieder ein leichter Rückgang der per Haftbefehl gesuchten Neonazis zu erkennen, seit 2014 war die Zahl stetig gestiegen – von damals 253 Personen auf 501 im vergangenen Herbst. Die aktuell gesuchten 457 Personen aus dem rechtsextremen Spektrum bedeuten eine Verringerung um rund zehn Prozent.

Gleichzeitig werden allerdings Dutzende Neonazis teilweise bereits seit Jahren gesucht. 55 Personen sind seit 2015 nicht auffindbar, seit 2016 insgesamt 115. Laut der Fragesteller werfe das die Frage auf, ob diese „gezielt untergetaucht“ seien.

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