von Mathias Brodkorb
   

Habermas gegen Habermas verteidigen! - 25 Jahre Historikerstreit

Man möchte es kaum glauben: Vor 25 Jahren stritten sich der Historiker Ernst Nolte und der Philosoph Jürgen Habermas im "Historikerstreit" erbittert über die Singularität von Auschwitz. Das in akademischen Kreisen Selbstverständlichste der Welt, ein Diskurs über die strittigen Fragen von Angesicht zu Angesicht, hat es zwischen beiden dennoch seit 25 Jahren nicht gegeben. Wir wollten das ändern - und sind mit diesem Versuch gescheitert. Warum, kann man dem Vorwort zum morgen erscheinenden Buch "Singuläres Auschwitz?" entnehmen.

Habermas gegen Habermas verteidigen! Ein etwas anderes Vorwort



„Wegen ihrer Verwandtschaft mit dem Orientierungswissen des gesunden Menschenverstandes ist die Philosophie [...] noch ein bißchen mehr als die Wissenschaft sonst darauf angewiesen, von einigermaßen überzeugenden Personen vertreten zu werden. [...] Die Einheit von Werk und Person ist eine etwas naive Forderung, [...]. Aber es ist auch klar, daß der akademische Lehrer glaubhaft versuchen sollte, für das einzustehen, was er sagt.“ (Jürgen Habermas)1

Es muss im Jahre 2008 gewesen sein, als ich während der Lektüre der politischen Schriften Ernst Jüngers auf ein Vorwort zu einem Buch aus dem Jahre 1928 stieß, das den deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs gewidmet ist. Darin findet sich an einer Stelle, an der Jünger über die Verfeindungen der Soldaten der jeweiligen Kriegsparteien nachdachte, der bemerkenswert versöhnliche Satz: „Der Tod bildet die Grenze, hinter der die Verschiedenheit erlischt. Wie weit oder eng der Kreis des Lebens auch gezogen sein möge, der Sprung über jene letzte Schranke ist für jeden gleich bedeutungsvoll.“2 Da ich zeitgleich intensiv mit der Aufarbeitung des legendären „Historikerstreits“ aus dem Jahre 1986 beschäftigt war, ergab eins das andere: Warum sollten miteinander streitende Professoren nicht mindestens zu dem in der Lage sein, was einander einst bekämpft habende Soldaten vermögen? Wie wäre es also, wenn es anlässlich des 25. Jahrestages des Historikerstreits gelänge, die damaligen intellektuellen Kombattanten Ernst Nolte (Jahrgang 1923) und Jürgen Habermas (Jahrgang 1929) an einen Tisch zu bringen? Wie wäre es, wenn das in einer offenen Gesellschaft Selbstverständlichste gelänge, nämlich dass zwei Hochschullehrer ihre sachlichen Differenzen in aller Öffentlichkeit auf akademischem Niveau miteinander austrügen? Denn es muss daran erinnert werden: Obwohl der Historikerstreit das vielleicht letzte innerdeutsche intellektuelle Großereignis war und obwohl sich vor allem Nolte und Habermas mit unversöhnlichen Positionen gegenüber standen und stehen, ist es bis zum heutigen Tage nicht zu einem einzigen Gespräch – und sei es in privatem Rahmen – über die damals verhandelte Streitfrage gekommen. Aber musste das denn für immer so bleiben?

Das Interview mit Nolte war schnell vereinbart. Freundlich lud er mich zu sich in seine bürgerliche Berliner Stadtwohnung ein. Er bat mich in einen kleinen Salon unweit der Eingangstür, und wir führten zwei Stunden lang ein Gespräch über den Historikerstreit. Von dem durchweg freundlichen Dialog sind mir drei Dinge besonders in Erinnerung:

     

  • Noltes ausgreifende Antworten, die es nicht immer leicht machten, den roten Faden zu behalten. Das in diesem Band abgedruckte Interview gibt so zwar den Gesprächsverlauf und -inhalt zuverlässig wieder, musste jedoch im Interesse der Lesbarkeit und Prägnanz stark gekürzt werden.
  • Noltes ausgeprägter Mangel an politischer Sensibilität. Ein solches Urteil bedarf näherer Erläuterung. Nolte wurde nicht zuletzt von Habermas vorgeworfen, gemeinsam mit anderen Historikern keine fachwissenschaftlichen, sondern in erster Linie geschichtspolitische und auch lagerpolitische Intentionen zu verfolgen. Wer Noltes teils sperrige und intellektuell anspruchsvolle Werke kennt, wird einer solchen Unterstellung bereits im Jahre 1986 kaum Gehör geschenkt haben. Nolte zeichnet sich vielmehr durch einen fast schon intellektuell abgehoben zu nennenden Stil aus, der gewiss eines nicht ist: tages- oder lagerpolitisch motiviert. Eher müsste man ihm das Gegenteil zum Vorwurf machen, nämlich seinen ausgeprägten Mangel an Sensibilität in Fragen der Geschichts- und Alltagspolitik. Nolte, ganz fasziniert von den filigranen historischen Wirkungen der großen Ideologien des 20. Jahrhunderts, sieht sich wohl eher selbst als ein Mann am Webstuhl der Ideologiegeschichte, der die so verworrenen Fäden des 20. Jahrhunderts zuerst entflechtet und beinahe im gleichen Atemzug wieder zu einem großartigen Gewebe verbindet. Dieser, die historische Wissenschaft durchaus überschreitende Anspruch des Welterklärers wurde von ihm auch in einem jüngeren Buch über den Islamismus3 untermauert und macht ihn in der Geschichtswissenschaft nicht selten zu einem fachlichen Außenseiter. Man mag das „metapolitisch“ nennen, wenn man denn unbedingt will. Aber „politisch“ im geläufigen Sinne ist dies nicht. Dies dürfte auch der Hintergrund dafür gewesen sein, dass Martin Broszat bereits vor 25 Jahren in Nolte nichts anderes zu sehen vermochte als den „großen Eigenbrötler der Zeitgeschichte“4.
  • Noltes fast schon stoische und nüchterne Art des Erzählens und Erklärens der Katastrophen des 20. Jahrhunderts, aus der nur an einer einzigen Stelle innerhalb von zwei Stunden Emotionalität hervorbrach, nämlich bei der Schilderung von Verbrechen der Bolschewiki. Als Nolte in unserem Gespräch schilderte, welche Folter- und Mordmethoden die Bolschewiki gegen ihre Feinde noch vor Auschwitz in Anwendung gebracht hatten, wurde seine eigene Betroffenheit und sein Angewidertsein durch Stimme und Gesichtsausdruck mehr als deutlich – im Unterschied zu jenen Passagen, in denen er über den Holocaust sprach. Dies ist dabei alles andere als eine Beiläufigkeit, führt uns diese emotionale Differenz doch in Wahrheit vielmehr ins Zentrum des Historikerstreits – in das Paradigma der „asiatischen“ Tat5 der Bolschewiki und die Frage nach der „Singularität“6 von Auschwitz. Habermas hatte Nolte bekanntlich vorgeworfen, die Singularität von Auschwitz in Frage zu stellen, weil er Auschwitz zu einer Reaktion auf die „asiatischen“ Taten der Bolschewiki erklärt hatte. Das Kuriose an dieser Debatte war, dass Habermas mit dieser Behauptung in gewisser Hinsicht im Recht war, dafür allerdings keine Argumente vorweisen konnte. Denn es gibt kaum einen Historiker, der wie Nolte mantrenhaft immer wieder auf der Singularität von Auschwitz bestanden hat und dennoch bis heute fest davon überzeugt ist, dass zwischen dem Gulag und Auschwitz ein „kausaler Nexus“7 bestehe. Und tatsächlich lässt sich Beides zugleich behaupten, nämlich dass Auschwitz als Signum des 20. Jahrhunderts eine qualitativ einzigartige Regression darstelle und dennoch wesentlich als Reaktion auf den Gulag verstanden werden muss oder kann. Des Rätsels Lösung ist dabei schlicht die Option des Überreagierens.
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Ganz anders gestaltete sich die Kontaktaufnahme mit Habermas. Im Sommer 2010 unterbreitete ich ihm per Brief mein Vorhaben und bat um Beteiligung seinerseits. Es wäre doch nach 25 Jahren endlich einmal Zeit für den „herrschaftsfreien Diskurs der Intellektuellen“, hieß es in meinem abschließenden Satz im ersten Schreiben. Habermas‘ Antwort, die mich am 10. August 2010 erreichte, bestand aus wenigen schlanken Sätzen. Er lehnte ab. Auch ein neuerlicher Versuch meinerseits scheiterte. Er müsse ja nicht unbedingt mit Nolte reden, er könne ja auch mit mir vorliebnehmen, schrieb ich in weiteren Briefen. Auch das konnte Habermas‘ Meinung nicht ändern. Vielleicht hätte ich im zweiten Schreiben auch nicht fragen sollen, ob eine „Aufklärung, die sich selbst aus der immer wieder zu erneuernden kritischen Überprüfung ihrer eigenen Prämissen ausklammerte“, sich nicht am Ende doch bloß als „eine andere Form des Dogmas“ entpuppte.8 Gerne würde ich den Lesern präsentieren, was genau Habermas zu meinen Anfragen sagte, aber einer Veröffentlichung seiner Briefe oder einzelner Zitate stimmte er auf Nachfrage ausdrücklich nicht zu.

Man muss sich dies gerade bei Habermas besonders deutlich vor Augen führen: Ausgerechnet der Erfinder der „Theorie des kommunikativen Handelns“ und Anhänger des eigentümlich zwanglosen Zwangs des „besseren Argumentes“9 erweist sich selbst als diskursunwillig. Das ist alles andere als eine Kleinigkeit. Es wäre dabei wahrlich eine spannende Aufgabe, das nicht-kommunikative Handeln Habermas‘ im Falle des Historikerstreits gründlich mit den Mitteln seiner eigenen Theorie näher zu untersuchen: So definiert er selbst „Unwahrhaftigkeit“ als einen Mangel an „Konsistenz zwischen einer Äußerung und den mit ihr intern verknüpften Handlungen“ und empfiehlt zu ihrer Beseitigung das Instrument der „therapeutischen Kritik“.10 Allerdings ist hierfür an dieser Stelle nicht der nötige Raum. Ich will mich daher auf das Nötigste beschränken: Mit der „Theorie des kommunikativen Handelns“ unternahm Habermas bekanntermaßen den Versuch, im Anschluss an die marxistische Theorietradition eine Gesellschaftstheorie zu begründen, die sich geschichtsphilosophischer Verrenkungen bewusst enthält. Da diese Gesellschaftstheorie jedoch weiterhin kritisch sein sollte, betonte Habermas stets die Notwendigkeit, die „normativen Grundlagen“11 dieses Theorieansatzes herauszuarbeiten. Er nennt diese „kritisch“ gegenüber der Realität der modernen Gesellschaften, soweit Letztere „das Lernpotential, über das sie kulturell verfügen, nicht ausschöpfen und sich einer ungesteuerten Komplexitätssteigerung ausliefern.“12

Habermas lehnt dabei die Rationalität als Prinzip keinesfalls ab, sondern begreift sie umgekehrt als das entscheidende Signum der Moderne. Seine Kritik richtet sich vielmehr auf Zustände, in denen „rationale Handlungsorientierungen über unbeabsichtigte Systemeffekte mit sich in Widerspruch geraten“, die daraus resultierenden Krisenprozesse in die Lebenswelt der Menschen rückverlagert werden und dort „soziale Pathologien“ erzeugen.13 Wird die Rationalität jedoch nicht nur zum theoretischen Prinzip erhoben, sondern zugleich eingestanden, dass sie als Norm der Theorie des kommunikativen Handelns als einer Gesellschaftstheorie vorausgeht, steigen die Prinzipien des rationalen, am wissenschaftlichen Modell orientierten Diskurses wie von selbst zu einer Ethik des zwischenmenschlichen Verkehrs auf. Sieht man sich nun genauer an, welche Kriterien von rationalem Verhalten Habermas zu diesem Zweck entwickelt, kann es einem im Angesicht des Historikerstreits sprichwörtlich die Sprache verschlagen: „Argumentation nennen wir den Typus von Rede, in dem die Teilnehmer strittige Geltungsansprüche thematisieren und versuchen, diese mit Argumenten einzulösen oder zu kritisieren. [...] Vor diesem Hintergrund können wir die Rationalität eines sprach- und handlungsfähigen Subjekts auch danach beurteilen, wie es sich gegebenenfalls als Argumentationsteilnehmer verhält [...]. Der Begründungsfähigkeit von rationalen Äußerungen entspricht auf seiten der Personen, die sich rational verhalten, die Bereitschaft, sich der Kritik auszusetzen und erforderlichenfalls an Argumentationen regelrecht teilzunehmen.“14 Die Eintrittskarte in den Kosmos der Rationalität ist auf Seiten der Personen also deren Bereitschaft, sich der argumentativen Auseinandersetzung überhaupt zu stellen. An der Schlussfolgerung, dass Habermas‘ Verhalten nach seinen eigenen Maßstäben im Falle des Historikerstreits somit als vorrational, voraufklärerisch und damit auch vormodern etikettiert werden muss, dürfte wohl kaum ein Weg vorbeiführen. Hiergegen ließe sich höchstens ins Feld führen, dass Habermas die Debatte ja aufgezwungen wurde und er nicht verpflichtet sei, den diskursrationalen Konsequenzen eines solchen Zwangs Folge zu leisten. Allerdings wäre ein solches Argument schlicht grob falsch: Es war nicht Nolte, der Habermas öffentlich persönlich angegriffen, sondern umgekehrt Habermas, der – wie selbst von marxistischer Seite betont wurde – zu „ungerechten Vergröberungen“15 gegriffen hatte. Freilich ließe sich fragen, aus welchem Grunde sich der vielleicht bedeutendste deutschsprachige Nachkriegsphilosoph denn überhaupt an einem publizistischen Projekt wie dem vorliegenden hätte beteiligen sollen. Diese Frage wäre allerdings nur dann wirklich berechtigt, wenn sich Habermas – zumindest nach Angaben Noltes – nicht seit 25 Jahren und damit seit Beginn des Historikerstreites strikt weigerte, die offene Debatte mit seinem Gegenspieler zu wagen.16

Angesichts dieses deprimierenden Befundes muss man doch die Frage aufwerfen, was eigentlich von einer Theorie zu halten ist, an die sich ihr Erfinder selbst nicht hält? In der Automobil- oder Flugzeugindustrie wäre diese Frage schnell beantwortet: Wer seinem Erzeugnis selbst so wenig vertraute, dass er sich damit nicht fortbewegen würde, dürfte kaum Kundenkreise an sich binden können. In der Wissenschaft allerdings sieht die Sache offenbar etwas anders aus. Da dort – wie in der Politik – die Menschen nicht selten nicht danach beurteilt werden, was sie selbst tun, sondern lediglich danach, was sie sagen, können Denken und Handeln, Theorie und Praxis bisweilen deutlich auseinanderklaffen. Was also taugt eine Theorie, die von ihrem Erfinder selbst nicht beherzigt wird? Die Frage erweist sich als völlig falsch gestellt und provoziert im vorliegenden Fall die Gegenfrage: Was kann die „Theorie des kommunikativen Handelns“ für Jürgen Habermas? Wenn die normativen Grundlagen einer Theorie nicht einmal von ihrem Erfinder ernst genommen werden, sagt dies nichts über die Theorie, sondern über ihren Erfinder etwas aus.

Es sind solche Erfahrungen, die erst so recht Fleisch ans Gerippe akademischer Lektürekurse bringen. Da wäre zum Beispiel die „Nikomachische Ethik“ des Aristoteles. Darin findet sich die wohl treffende Formulierung, dass unter den menschlichen Werken nichts von so großer Beständigkeit sei wie die gemäß der charakterlichen Tugend ausgeführten Handlungen. Diese schienen vor allem, so der griechische Philosoph, deutlich beständiger zu sein als das jeweilige Wissen der Menschen.17 Was also macht Menschen, auch Wissenschaftler, vor allem aus? Das „ Wissen“, das sie mit sich herumtragen und häufig ändern? Damit man mich nicht falsch versteht: Diese unglaubliche Flüchtigkeit des Denkens, die uns Urteile häufig sehr schnell revidieren lässt und manchmal dazu führt, dass wir innerhalb kürzester Zeit genau das Gegenteil dessen für wahr halten, wovon wir zunächst glaubten, dass es wahr sei, ist Mangel und Vorzug zugleich: Mangel, weil sie Ausdruck der intellektuellen Unzulänglichkeit eines jeden Menschen ist, aber zugleich Vorzug, weil – bewussten Opportunismus einmal beiseite lassend – in ihr das unbedingte Streben des Menschen nach Erkenntnis immer wieder wie von selbst durchbricht. Der Meinungswandel ist also das Medium, durch das ein nach Wahrheit strebendes, aber prinzipiell fehlbares Wesen hindurch muss. Das, was einen Menschen in der Substanz auszeichnet, kann somit kaum der konkrete Inhalt dieser einander abwechselnden, einander teils widersprechenden Urteilsketten sein. Entscheidend ist vielmehr das, was sich in diesen doxastischen Wirrnissen als die im Vergleich dazu stabilere, wenn auch nicht unveränderliche Struktur erweist und im Deutschen mit dem Wort „Charakter“ bezeichnet wird – „Charakter“ nicht im einschränkenden, im noblen Sinne für „von herausgehobener moralischer Qualität“, sondern im Sinne von erlernten und zur Gewohnheit gewordenen Handlungsdispositionen, im Sinne eines Reaktionscontainers praktischer Syllogismen. Viel entscheidender als das erworbene Wissen kennzeichnet Wissenschaftler vor allem ihr Charakter. Das Entscheidende, was jungen Menschen an einer Universität widerfährt (oder eben auch nicht), ist nicht das Aufnehmen von Informationen und die Aneignung abstrakter Theoriegebäude, sondern die Erziehung zum Habitus des Wissenschaftlers, zur unbedingten Suche nach der Wahrheit und zum Ethos der Authentizität. Wissenschaft im eigentlichen Sinne ist also vor allem eine Charakterfrage. Wo Wissenschaft und der ihr zugehörige Charakter der Authentizität voneinander entkoppelt sind – und dies geschieht in der real existierenden Wissenschaft häufig genug –, wird aus dieser Disziplin ein Kampf um Ehre und Eitelkeiten oder politische Vorherrschaft, in dem die Theorien vom eigentlichen Zweck des Handelns zum lediglich unvermeidbaren Spieleinsatz degradiert werden. Sie geraten vom Fluchtpunkt der eigenen Identität zu bloßen Instrumenten der Selbstdarstellung und Waffen der öffentlichen Niederringung des Gegners.

Aber genau dieses Auseinanderklaffen zwischen dem empirischen Charakter und den habituellen Anforderungen tatsächlicher Wissenschaft ist und war das Kernproblem des Historikerstreits. Offenkundig war dies stets durch den beiderseits erhobenen Vorwurf, die Argumente des Gegners seien lediglich politisch motiviert und entbehrten jeder sachlichen Grundlage. Seinen Höhepunkt erreichte dieses Schauspiel in dem von Jürgen Habermas vor allem an Ernst Nolte adressierten Vorwurf der Apologie des Nationalsozialismus und der Betätigung als historischer Revisionist – Letzteres erweist sich dabei nur als die praktische Form, um Ersteres zu erreichen. Bereits in seiner Entgegnung auf Nolte, die am 11. Juli 1986 in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ erschienen war und den Titel „Eine Art Schadensabwicklung“ trug, sprach Habermas im Untertitel von „apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung“.18

Welcher „Schaden“ da angeblich abgewickelt werden sollte, war von Beginn an sonnenklar: Es ging um den Fall Auschwitz in der jüngeren deutschen Geschichte als Hindernis bei der Ausbildung einer neuen nationalen kollektiven Identität. In diesem Zusammenhang von „Apologie“ zu sprechen, konnte nur auf die Unterstellung einer wie auch immer gearteten Parteinahme für den Nationalsozialismus hinauslaufen. Habermas verstärkte diesen Eindruck schließlich im Jahre 1987, als er seinen Text nochmals in einem kleinen Bändchen herausgab und ihm den Titel „Apologetische Tendenzen“19 gab. Dass es sich so und nicht anders verhielt, bestätigte schließlich der wohl namhafteste Fürsprecher Habermas‘ unter den Historikern in seinem Buch „Entsorgung der deutschen Vergangenheit“ (1988), nämlich Hans-Ulrich Wehler, der die Kritik des Philosophen an Nolte gar für „fulminant“20 hielt: „ War dann aber nicht doch [...] der Vorwurf der ‚apologetischen Tendenzen‘ zu scharfzüngig oder gar schief und insofern irreführend? [...] Von einer [...] plumpen Apologie hatte aber auch Habermas mit keinem Wort gesprochen. Es ging vielmehr nach seinem Urteil um eine anders strukturierte apologetische Haltung gegenüber Schlüsselfragen der jüngsten deutschen Vergangenheit.“21

Mit dieser scheinbaren Relativierung des Vorwurfes durch Wehler, mit der er Habermas beispringen wollte, bestätigte er allerdings ungewollt gerade die Existenz der ehrabschneidenden Behauptung. Keine „plumpe Apologie“ selbstverständlich, dafür war und ist Nolte auch zu klug, sondern eine gerissene etwa? Es ist manchmal hilfreich, Fremdworte ins Deutsche zurückzuübersetzen, um sich klar zu machen, was sie eigentlich bedeuten: die Verteidigung des NS-Regimes – nichts anderes meint „NS-Apologie“. Ein intellektueller Anwalt Adolf Hitlers also? Kann es im Deutschland nach Auschwitz eigentlich einen gewaltigeren Angriff auf die moralische Integrität eines Diskutanten geben? Insofern hatte Imanuel Geiss ganz Recht, als er in seinem Buch „Die Habermas-Kontroverse“ eine Entschuldigung des Philosophen zur moralisch eigentlich gebotenen Vorbedingung konstruktiver Gespräche erklärte: „Zurücknahme der ehrabschneidenden Vorwürfe der NS-Apologie. Ein klärendes Wort des Frankfurter Sozialphilosophen gegenüber den Opfern seiner Eruption müßte vorausgehen, um sie als Demokraten zu rehabilitieren.“22 Und es liest sich wie eine Verhöhnung, wenn ausgerechnet Habermas zu eben jener Zeit in einem Interview beklagt: „Was in der Bundesrepublik immer weiter zerstört wird, sind die schwer regenerierbaren Selbstverständlichkeiten einer ohnehin schmächtig ausgebildeten Kultur des Umgangs mit politisch Andersdenkenden [...].“23

Vor diesem Hintergrund bleibt Habermas sich habituell treu, wenn er auch nach 25 Jahren einen echten Diskurs mit Nolte über die im Historikerstreit vertretenen Thesen verweigert. Dass die Debatte heute auch nur einen Funken an Relevanz verloren hätte, kann man mit guten Argumenten nicht behaupten. Nichts hat den Historikerstreit inhaltlich so befeuert wie der Streit um die Frage, ob Auschwitz Singularität zugesprochen werden müsse oder nicht. Wie sehr eben jene These von der Singularität auch heute noch unsere Identität als „Deutsche“ bestimmt, kann man nicht nur den zahlreichen Gedenkveranstaltungen sowie Hitlers Omnipräsenz in den Medien entnehmen, sondern wird auch durch die allseitige Gereiztheit politischer Kontroversen verdeutlicht, in denen die These von der „Singularität von Auschwitz“ bis heute als diskursives Herrschaftsintrument missbraucht wird. Da wäre zum Beispiel die Veröffentlichung des „Schwarzbuch des Kommunismus“ im Jahre 1998. Eigentlich ging es dabei um eine Bilanz der 85-100 Millionen Toten, die im Namen der kommunistischen Idee während des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen waren, aber in Blitzgeschwindigkeit stand doch wieder Auschwitz im Vordergrund, so dass der Historiker Horst Möller verwundert feststellte: „Ein Teil dieser Auseinandersetzung wird paradoxerweise geführt, als ob das Schwarzbuch weniger Theorie und Praxis kommunistischer Herrschaft im 20. Jahrhundert untersuchte als das Thema ‚Die Deutschen und der Nationalsozialismus‘“.24

Auch Habermas bestätigte die ungebrochene Relevanz der Singularitätsfrage, indem er in der durch Auschwitz eingeleiteten Westbindung und Zivilisierung Deutschlands die einzige moralisch zulässige historische Konsequenz aus dem Holocaust für „die Deutschen“ erblickte.25 Auschwitz ist so auch für ihn eben wegen der „Singularität“ ein unüberschreitbarer negativer Fixpunkt moralisch-politischer Orientierung und die Debatte darüber kann somit selbst nach Habermas‘ eigenen Maßstäben eines niemals sein – nämlich irrelevant oder von mangelnder Aktualität. Dass er selbst an dieser Debatte offenbar bis zu seinem eigenen Lebensende nicht teilnehmen will, sobald entsprechend den eigentlich selbstverständlichen Regeln des akademischen Diskurses Ernst Nolte ebenfalls das Wort erteilt wird, entbindet nicht davon, die Frage nach der Singularität von Auschwitz in aller gebotenen Kontroversität und Pluralität zu erörtern – zur Not auch ohne Habermas.

Vorliegender Sammelband vereint daher Gespräche und Texte höchst unterschiedlicher Herkunft und Blickrichtung. Dieser perspektivische Pluralismus ist gewollt, hätte allerdings noch ausgreifender ausfallen können. Der Althistoriker Christian Meier bestand dabei darauf, dass sein Text in bewährter Rechtschreibung belassen wird. Sein Text bietet auch Anlass für einen weiteren Hinweis. Meier ist aus der Zeit des Historikerstreites als ein um Ausgleich bemühter Zeitgenosse bekannt geworden. Dieser Stil prägt auch seinen Beitrag für diesen Band. Nach Übersendung des Textes ergab sich jedoch ein Telefongespräch zwischen Meier und dem Herausgeber, in dem Meier bemerkenswerte Vorwürfe gegen Jürgen Habermas erhob. Der wesentliche Inhalt dieses Gespräches ist Meiers Beitrag als Nachtrag beigefügt. Mit diesen Vorwürfen konfrontiert sah sich auch Habermas zu einer kurzen Stellungnahme veranlasst, die ebenfalls dem Nachtrag zu entnehmen ist.

Freilich bedurfte es eines geraume Zeit andauernden Abwägungsprozesses, um sich zur Veröffentlichung dieser Passagen durchzuringen, denn dies ist ohne Zweifel ein ungewöhnlicher Vorgang. Schließlich habe ich mich dennoch dazu entschlossen, weil Meier mir Dokumente zugänglich gemacht hat, die seine Position stützen und durch diese Passagen mehr über Substanz und Verlauf des Historikerstreites gelernt werden kann als durch so manche umfassende theoretische Abhandlung. Auch dies ist eine traurige Erkenntnis aus dem Historikerstreit – 25 Jahre danach.

Mathias Brodkorb

Endnoten

1 Jürgen Habermas, Kritische Theorie und Frankfurter Universität, Interview mit Josef Früchtl, in: ders., Eine Art Schadensabwicklung, Frankfurt am Main 1987, S. 57-63, hier S. 63.
2 Ernst Jünger, Vorwort zu „Die Unvergessenen“, in: ders., Politische Publizistik 1917-1933, hrsg. von Sven Olaf Berggötz, Stuttgart 2001, S. 383-392, hier S. 387.
3 Ernst Nolte, Die dritte radikale Widerstandsbewegung: Der Islamismus, Berlin 2009.
4 Martin Broszat, Wo sich die Geister scheiden, in: „Historikerstreit“, 3. Auflage, München 1987, S. 189-195, S. 189. Ähnlich auch Hans-Ulrich Wehler, der mit Blick auf Nolte von der „hohen, einsamen Warte des Universalhistorikers“ sprach (Hans-Ulrich Wehler, Entsorgung der deutschen Vergangenheit?, München 1988, S. 23).
5 Ernst Nolte, Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte, in: „Historikerstreit“ (FN 4), S. 39-47, hier S. 45.
6 Jürgen Habermas, Eine Art Schadensabwicklung. Die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung, in: „Historikerstreit“ (FN 4), S. 62-76, hier S. 71.
7 Nolte, Vergangenheit (FN 5), S. 46. Siehe auch Ernst Nolte, Der kausale Nexus, München 2002.
8 Schreiben an Jürgen Habermas vom 30. Dezember 2010.
9 Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns. Band 1, Frankfurt am Main 1995, S. 48.
10 Ebd., S. 43 und 69.
11 Ders., Theorie des Kommunikativen Handelns. Band 2, Frankfurt am Main 1995, S. 583.
12 Ebd., S. 549.
13 Ebd., S. 565.
14 Ders., Theorie I (FN 9), S. 38.
15 Helmut Fleischer, Die Moral der Geschichte, in: „Historikerstreit“ (FN 4), S. 123-131, hier S. 125.
16 So Nolte im Gespräch mit dem Herausgeber, S. 31-56 in diesem Band, hier S. 55.
17 „???? ????? ??? ????? ??????? ??? ?????????? ????? ????????? ?? ???? ??? ????????? ??? ???? ??????. ??????????? ??? ??? ??? ????????? ????? ???????? ?????.“ (Aristoteles, Ethica Nicomachea, hrsg. von I. Bywater, Oxford 1988, 1100b 12-14.)
18 Habermas, Schadensabwicklung (FN 6), S. 62.
19 Jürgen Habermas, Apologetische Tendenzen, in: ders., Eine Art Schadensabwicklung, Frankfurt am Main 1987, S. 120-136.
20 Wehler, Entsorgung (FN 4), S. 103.
21 Ebd., S. 118f.
22 Imanuel Geiss, Die Habermas-Kontroverse. Ein deutscher Streit, Berlin 1988, S. 182.
23 Habermas, Kritische Theorie (FN 1), hier S. 61.
24 Horst Möller, Vorwort, in ders. (Hrsg.), Der rote Holocaust und die Deutschen. Die Debatte um das „Schwarzbuch des Kommunismus“, München 1999, S. 11-17, S. 16.
25 Habermas, Schadensabwicklung (FN 6), S. 76.


Mathias Brodkorb (Hrsg.):
Singuläres Auschwitz?
Ernst Nolte, Jürgen Habermas und 25 Jahre „Historikerstreit“
(Adebor Verlag)
ISBN: 978-3-9809375-9-7
Paperback ca. 180 S. - 19,0 x 12,0 cm
Preis: 14,90 Euro







Foto: Nikolas Becker, Lizenz: CC


Kommentare(42)

Heinz Sonntag, 10.Juli 2011, 12:35 Uhr:
Wieso hat Herr Brodkorb keinen eigenen Blog für solche wikrlich guten Artikel. Ein ernsthafter Diskurs kann unter dem Banner "Endstation rechts" meiner Meinung nach nicht geführt werden. Bei eben solchen Artikeln verschwimmen die Grenzen von einfacher Berichterstattung über rechtsextreme Vorgänge gegenüber Themen mit solcher Brisanz, die nicht ideologisch geführt werden können und dürfen. Großes Lob muss ich dem Autor zusprechen. Der Holocaust bleibt auch für mich in besonderer Einzigartigkeit. Das Thema errinnert mich in gewissen Punkten immer an den Film "Apocalypse Now".
 
bernardo Sonntag, 10.Juli 2011, 16:32 Uhr:
"Das Entscheidende, was jungen Menschen an einer Universität widerfährt (oder eben auch nicht), ist nicht das Aufnehmen von Informationen und die Aneignung abstrakter Theoriegebäude, sondern die Erziehung zum Habitus des Wissenschaftlers, zur unbedingten Suche nach der Wahrheit und zum Ethos der Authentizität. Wissenschaft im eigentlichen Sinne ist also vor allem eine Charakterfrage."

Sehr geehrter Herr Brodkorb,

dies ist leider keineswegs so, wie Sie wohl auch wissen werden. Der Wissenschaftsbetrieb ist eine zähe und mit allen Mitteln zwischen Personen und Seilschaften geführte Auseinandersetzung um Mittel, Posten und Deutungshoheiten. Wahrheit ist dabei die allerletzte Kategorie, in der gedacht wird. Das hat der Historikerstreit besonders plastisch bewiesen, aber es ist sonst auch kaum anders.

Zur "Singularität" verkennen Sie, meine ich, einen wichtigen Punkt. Im Kern ging der Streit (zumindest in seinem akademischen Aspekt) doch darum, ob es "Gründe" für den Holocaust gab, wie verrückt auch immer sie gewesen sein mochten. Noltes "kausaler Nexus" legt nah, daß es rationale, bestimmbare Ursachen für den Holocaust gab. Die "Singularität" liegt für ihn auf anderem Gebiet.

Habermas und Co., unter Historikern m.W. besonders Eberhard Jäckel, sehen dagegen gerade im Fehlen von "Gründen" das Singuläre. Sie weigern sich deshalb, mit Nolte überhaupt zu reden, weil sie Auschwitz als ein negatives absolutes darstellen/empfinden, über das nicht akademisch geredet werden kann.

Die Veröffentlichung klingt jedenfalls trotzdem nach einem interessanten Versuch.
 
Daniel D. Sonntag, 10.Juli 2011, 22:41 Uhr:
@ Mathias Brodkorb

Die Aussage, der Historikerstreit sei, "das vielleicht letzte innerdeutsche intellektuelle Großereignis" gewesen, verstehe ich nicht. Was meinen Sie mit "innerdeutsch"?
Eine Rückschau auf den Historikerstreit sollte die Wiedervereinigung Deutschlands als Zäsur für die offizielle Gedenkkultur ernst nehmen.
Es war im übrigen Stephane Courtois, der Herausgeber des Schwarzbuch des Kommunismus, der die These von der Singularität Auschwitz, in den Diskurs zu den Verbrechen des Kommunismus einführte. Im Vorwort des Schwarzbuchs behauptet er z.B., dass die bisherige Fixierung auf den Holocaust, die versuchte Vernichtung des europäischen Judentums durch den NS und seine Helfer, als das Paradigma moderner Barbarei, die Aufarbeitung der Verbrechen des Kommunismus behindert habe.
 
Daniel D. Montag, 11.Juli 2011, 08:45 Uhr:
@Mathias Brodkorb

Mit dem Ende des "Ostblockes" hatte die historische Bewertung des real existierenden Sozialismus, bzw. des Kommunismus, eine neue Relevanz erhalten. Dies zeigte sich an der Renaissance der Totalitarismustheorie in den 1990er Jahren, nicht nur wiedervereinigten Deutschland. Habermas hatte auch vor der Bundestags-Enquete zur "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur" gesprochen und sich zum "Antitotalitären-Konsens" bekannt.
Zu fragen wäre, inwiefern Noltes Ansätze in der neuen Gedenkkultur, die unter der Formel der "Zwei deutschen Diktaturen im 20.Jh." firmiert, ihren Platz gefunden haben.
 
Mathias Brodkorb Montag, 11.Juli 2011, 09:56 Uhr:
Ich verstehe das Argument noch immer nicht: Totalitarismustheorie und Singularitätspostulat schließen einander doch nicht aus, siehe Arendt. Habermas jedenfalls hat nach meiner Kenntnis seine Position zum Historikerstreit im Wesentlichen nicht geändert, was auch aus meinem Schriftwechsel mit ihm hervorgeht, aus dem ich aber leider nicht zitieren darf.
 
Daniel D. Montag, 11.Juli 2011, 10:26 Uhr:
@Mathias Brodkorb

Wo habe ich behauptet, dass die "Totalitarismustheorie und Singularitätspostulat" sich einander ausschließen würden? Mich hatte es nur verwundert, dass Sie auch nach 25 Jahre eine Aktualität der Themen des Historikerstreits, gerade in Hinblick "nationale Identitätsfindung", feststellen, ohne auf die Veränderung der offiziellen Gedenkkultur nach 1989 einzugehen.
Ich teile im übrigen ihre Kritik an Habermas Verhalten im Historikerstreit. Seine Auseinandersetzung mit Nolte war oberflächlich, effektheischend und auf einen schnellen Sieg aus. Natürlich hätte eine ernsthaftere Auseinandersetzung mit Noltes These der politischen Kultur besser getan. Ich teile allerdings auch Habermas Intention, also der Warnung vor einer nationalistischen Revision der Geschichte, die nach wie vor aktuell ist.
 
Mathias Brodkorb Montag, 11.Juli 2011, 10:42 Uhr:
Wir drehen uns um Kreise: Und was genau soll sich seit 1990 im Hinblick auf die Singularität von Auschwitz geändert haben? Ich verstehe einfach nicht, worauf Sie hinauswollen. Kurioserweise ist allerdings genau die von Ihnen angesprochene Wende in der Erinnerungskultur seit 1990 eines der Kernprobleme in dem Gespräch mit Nolte in unserem Band, allerdings wahrscheinlich in ganz anderer Hinsicht, als Sie im Blick haben.
 
Xberg Montag, 11.Juli 2011, 11:13 Uhr:
"...ohne auf die Veränderung der offiziellen Gedenkkultur nach 1989 einzugehen."

Na - aber hat sich denn faktisch wirklich soviel daran verändert? Die NS-Gedenkkultur hat immer noch ein deutliches Übergewicht. Wenn man heute z.B. Armin Mohlers "Vergangenheitsbewältigung" von 1980 zur Hand nimmt, dann ist das beinah unvermindert aktuell.


"Ich teile allerdings auch Habermas Intention, also der Warnung vor einer nationalistischen Revision der Geschichte, die nach wie vor aktuell ist."

Und wie sieht es mit einer "nicht-nationalistischen" Revision aus? Und was tut der Revisionist, wenn das momentan als Konsens geltende Geschichtsbild dezidiert "anti-nationalistisch" oder auch "anti-national" gefärbt ist, und er feststellen muß, daß dies sowohl die Kenntnisnahme von Fakten als auch alternative Deutungen unterdrückt? Ist er also dann schon automatisch "nationalistisch" (Habermas hätte wohl "apologetisch" gesagt), wenn seine Forschungsergebnisse ihn davon abweichen lassen? Ist man dann bereit, eine Habermasische Linie auf Kosten der Wahrheit zu ziehen, nur um "Nationalismus" oder auch nur ein "nationales Bewußtsein" zu verhindern?
 
Daniel D. Montag, 11.Juli 2011, 12:21 Uhr:
@Mathias Brodkorb

Ich habe langsam den Eindruck, dass Sie mich nicht verstehen wollen. Vielleicht blocken Sie auch aus werbetechnischen Gründen ab. Es ist ja sehr bequem und möglicherweise gewinnbringend, dass Vorwort zu ihrem Sammelband hier zur Diskussion(?) zu stellen und bei kritischen Nachfragen einfach eine Kaufempfehlung auszusprechen.
An der These von der Singularität Auschwitz hat die "Wende" erst einmal nichts geändert. Verändert hat sich die Art der Integration dieser These in den Diskurs um die nationale Identität, eben weil dieser Diskurs nun auch die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und die veränderte weltpolitische Lage umfassen musste. Das ist freilich ein schwieriges und komplexes Thema, dessen Erörterung den Rahmen eines nichtwissenschaftlich ausgerichteten Internetsblogs sprengen würde.
 
Daniel D. Montag, 11.Juli 2011, 12:46 Uhr:
@Xberg

Ich vertrete diese Thesen aus einer dezidiert antifaschistischen Position.
Dir ist sicherlich nicht entgangen, dass im Zuge einer nationalistischen und antikommunistischen Geschichtsrevision in Osteuropa seit 1990, der Neofaschismus, der Rechtskonservatismus und der christliche Fundamentalismus auf dem Vormarsch sind. Diese Entwicklung äußert sich in Diskriminierung der Roma und der Homosexuellen, der Holocaust-Leugnung und der Kriminalisierung von Antifaschisten und Menschenrechtsaktivisten unter dem Banner der "Extremismusbekämpfung". In Ungarn ist vor kurzen ein Platz der nach Roosevelt benannt war, umbenannt worden. Die offizielle Begründung lautete, dass Roosevelts USA im WKII Gegner von Ungarn gewesen war.
Wie kommst du eigentlich zu der Überzeugung, dass neue Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft per se dein Geschichtsbild stützen müssen?
 
bernardo Montag, 11.Juli 2011, 14:08 Uhr:
@Matthias Brodkorb

Ich bin gern bereit, den Band vollständig zur Kenntnis zu nehmen, wollte aber eingangs weniger Ihren Begriff der Singularität aufgreifen als die Unterschiede zwischen den "Historikerstreitern" in dieser Sache aufzeigen. Habermas ging ja damals so weit, etwa den Massenmord an den Kulaken erstens als "Vertreibung" zu verharmlosen und dann faktisch als Konsequenz eines rationalen politischen Projekts darzustellen, was eben der Holocaust nicht gewesen sei, daher dessen Singularität.

Natürlich kann man den "normartiven" Begriff der Universität vom faktischen unterscheiden. Wenn man aber alles als unwissenschaftlich aus der Debatte ausscheidet, was dem normativen nicht entspricht, dann bleibt recht wenig übrig, ganz besonders im Fach Zeitgeschichte.

Vielleicht dient ja Ihr Band dazu, hier einen Fortschritt zu erzielen.
 
Xberg Montag, 11.Juli 2011, 14:23 Uhr:
"Dir ist sicherlich nicht entgangen, dass im Zuge einer nationalistischen und antikommunistischen Geschichtsrevision in Osteuropa seit 1990, der Neofaschismus, der Rechtskonservatismus und der christliche Fundamentalismus auf dem Vormarsch sind"

In Osteuropa ist das gewiß der Fall. Im Westen sieht es leider nicht ganz so gut aus für die Rechte. Aber was willst Du mir damit jetzt sagen?

"In Ungarn ist vor kurzen ein Platz der nach Roosevelt benannt war, umbenannt worden. Die offizielle Begründung lautete, dass Roosevelts USA im WKII Gegner von Ungarn gewesen war."

Tatsache? Nun bin ich richtig neidisch auf die Ungarn! ^^

"Wie kommst du eigentlich zu der Überzeugung, dass neue Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft per se dein Geschichtsbild stützen müssen?"

Gar nicht, weil ich diese Überzeugung nicht habe, und auch mit keiner Silbe irgendetwas dergleichen behauptet habe.

Die Fragestellung ist eine andere. Nimm z.B. die baltischen Länder: nach 1990 setzte dort eine Revision des von der Sowjetunion diktierten Geschichtsbildes ein, aus deren imperalistischen Joch sich diese Länder befreit hatten. Nun war es endlich möglich, die lange verschwiegenen und beschönigten sowjetischen Verbrechen an den Balten offen zu benennen und aufzuarbeiten, und auch die Geschichte ihrer gewaltsamen Okkupation aus einer nicht-sowjetischen, aus einer nationalen Perspektive zu beschreiben, die sich mit der erlangten Unabhängigkeit selbstverständlich ergab, bzw. ihr zugrunde lag. Was ist das nun? Eine "nationalististische" Revision oder doch nur eine "wissenschaftliche" Revision oder beides zusammen oder was noch? Und würdest Du diese Art von Revision aus "antifaschistischen" (also parteiischen) Gründen ablehnen, weil die Sowjetunion ein "antifaschistischer" Staat war?
 
Daniel D. Montag, 11.Juli 2011, 16:39 Uhr:
@Xberg

Ich finde du vermischt ständig zwei verschiedene Dinge. Das ist zum einen die historische Forschung und zum anderen den Gebrauch von historischem Wissen im politischen Diskurs. Natürlich ist es legitim und Gebot der Wissenschaftlichkeit, wenn sich die Balten von politisch motivierten Legenden der sowjetischen Geschichtsschreibung befreien. Allein warum soll dafür eine nationalistische Perspektive notwendig sein? Ich finde du gehst hier von einem antiquierten Verständnis der Geschichtswissenschaften aus, dass im klassischen Historismus des 19.Jh. steckengeblieben ist. Dieser Historismus ist untrennbar mit einem politischen Projekt verbunden, der Nationswerdung. Die Gründe für die Attraktivität dieses Ansatzes in den baltischen Staaten hast du treffend beschrieben. Nur: Wieso sollte das der Weisheit letzter Schluss sein? Besonders fragwürdig wird der nationalhistorische Ansatz, wenn er der Versöhnung im Wege steht, oder gar benutzt wird soziale Ausgrenzungen zu legitimieren. Beispiele hierfür sind die polnisch-deutschen Beziehungen, die polnisch-russischen Beziehungen oder die Diskriminierung der russischen Minderheit in Estland. Ich schlage vor, du informierst dich bei Wikipedia über neuere Ansätze in der Geschichtswissenschaft (z.B. Globalgeschichte, Transfer- und Verflechtungsgeschichte, Histoire Croisee usw.), die bewusst versuchen den Nationalstaat oder das Volk als Analyserahmen aufzubrechen.
Du solltest auch nicht den Fehler begehen, wie jeder x-beliebige Rechte den Stalinismus bzw. Sowjetkommunismus mit dem Antifaschismus gleichzusetzen. Viele antifaschistische Aktivistinnen im heutigen Osteuropa hängen libertären und anarchistischen Ideen an.
 
Atze Montag, 11.Juli 2011, 17:38 Uhr:
Hallo Mathias Brodkorb,

mit Lob wie Heinz kann ich dem Vorwort leider nicht huldigen. Ich erwarte eigentlich von einem Vorwort zu einem wissenschftlichen Streitjubiläum, dass es z.B. etwas ausführlicher über den Streit selber, seine Wirkungsgeschichte, vielleicht auch seine aktuelle Bedeutung 25 Jahre danach statet oder mindestens einen etwas weniger gelangweilten Überblick über die einzelnen Beiträge gibt.
Was ich überhaupt nicht erwarte, ist klatschsüchtiges Spekulieren über die Frage, warum einer der beiden Kombatanten sich nicht äußern möchte, Gründe dafür mitteilt, diese aber nicht veröffentlicht sehen möchte und das Vorwort über diesen Umstand denkmalsschänderisch herumschwadroniert.

Blicken wir den Realitäten fest ins Auge, so kann man sich durchaus vorstellen, dass ein 82-jähriger (Habermas), über dem doch schon die Geier kreisen, dessen Sanduhr nahezu abgelaufen ist und bei dessen Namen die Totengräber nur noch über das Trinkgeld sinnieren, besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, als sie an einen Nolte (88-jährig)zu verplempern, dem man schon vor einem Vierteljahrhundert zum Dauerschmollen ins rechtskonservative Schmudeleck gestellt hat, wo er auch hingehört.

Ich verstehe auch nicht die Faszination für Nolte. Das ist so der letzte Bettgeschichtenerzähler der Konservativen, den die losgeschickt haben, um noch einen allerletzten Rettungsversuch zu starten angesichts des vollständigen politisch-moralischen Versagens jener konservativen deutschen Eliten, die Hitler über ihren gekatzbuckelten Radfahrerrücken zur Macht laufen ließen.
Ich will mir ja gerne verklickern lassen, was man vielleicht mit der These von der "Singularität von Auschwitz" gewinnen kann. Aber ich warne davor, welchen Dammbruch gegen braune Fluten es darstellen würde, Noltes unsinniger und realitätswidriger These vom "kausalen Nexus" irgendeine "Reputation" beizumessen.
Nolte zufolge sei "Auschwitz" eine Reaktion auf die "asiatische Tat" genannten Verbrechen des stalinschen Terrors gewesen. Das ist natürlich Mumpitz und allenfalls eine realitätswidrige rechtskonservative Kopfgeburt, die dem unbedingten Vernichtungswillen der deutschen Eliten und ihrem dehumanisierten Blutrausch gegenüber der "jüdisch-bolschewistischen Verschwörung" noch aus Gründen der "Ehrenrettung" irgendeine Rationalität unterschieben möchte. Aber die gab es nicht und der hat es auch nicht bedurft.
Das Ausmaß des stalinistischen Terrors ist als massenwirksam gesicherte Erkenntnis ein Phänomen des Kalten Krieges, mithin also der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Die physische Vernichtung z.B. der Kulaken wird in Weimarer Republik lediglich als große Hungerskatastrope wahrgenommen, die zu einer großen humanitären Hilfskampagne der KPD und der IAH durch Münzenberger führt, an der sich auch liberales Bürgertum und liberale Intelligenz beteiligen. Vom stalinistischen Massenterror ist da zeitgeschichtlich noch gar nicht die Rede. Der Vernichtungswille der deutschen Eliten, die Ermordung Liebknechts/Luxemburgs, das Wüten der nachrevolutionären Standgerichte, die einäugige Rechtsprechungspraxis der Weimarer Gerichte, die Liquidierung der KPD-Kader nach der geschenkten Machtzuteilung an Hitler, die Ermächtigungsgesetze, die Gleichschaltung, die Nürnberger Schandgesetze etc. pp. und schlussendlich Auschwitz hatten und brauchten keinerlei "Vorbild". Hier "verwirklichte" sich lediglich der "Behauptungswille" der deutschen Eliten gegenüber der "Bedrohung" durch die Oktoberrevolution. Als "kausaler Nexus" reichte schon die in der Oktoberrevolution vorgeführte Endlichkeit des eigenen Herrschaftsanspruchs aus, um auf die "Idee" zu kommen, mit Vernichtungsorgien "eindeutige Verhältnisse" zu schaffen.

Nolte mag nicht nur dummes Zeug geschrieben haben. Das er es getan hat, bezeugt seine Rolle als Stichwortgeber für rechtskonservativen und rechtsextremen Geschichtsrevisionismus (eigentlich faktisch dasselbe).
 
Xberg Montag, 11.Juli 2011, 18:15 Uhr:
@ Daniel

"Allein warum soll dafür eine nationalistische Perspektive notwendig sein?"

Ist sie ja auch nicht. Beachte folgendes: Ich unterscheide erstens zwischen einer "nationalen" und einer "nationalistischen" Perspektive. "Notwendig" ist die nationalperspektivische Geschichtsschreibung a la Treitschke natürlich nicht, um zu Erkenntnissen zu gelangen (oder was meinst Du mit "notwendig"?). Aber es ist nunmal so, daß trotz der von Dir genannten Beispiele (Du nennst es ja auch nur "Versuche", und zwar recht jüngeren Datums) die Geschichtsschreibung eben vor allem die Geschichte der Nationalstaaten (resp. der Herrscherhäuser, Großmächte, Völker etc.) und ihrer Interessen und Konflikte zum Gegenstand hat. Darauf kann ja auch und gerade eine "Globalgeschichte" nicht verzichten.Das ist und bleibt ein solider und logischer Ausgangspunkt, zumal wir ja hier eben über die politischen Subjekte der Geschichte sprechen.

Eine "nationale Perspektive" kann sich indessen auch als das niederschlagen, was Nolte treffend den "negativen Nationalismus" nannte. Und ich denke, daß dieser nach wie vor die deutsche Geschichtsschreibung dominiert. Jedes Korrektiv wird in dieser Lage zwangsläufig immer irgendjemandem mit entsprechenden Interessen (wie Habermas) als "nationalistisch" erscheinen, je zugespitzter er "antinational" ist, umso mehr. Wenn nun beispielsweise ein Stefan Scheil versucht, diesen bundesüblichen "Analyserahmen" aufzusprengen und die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs multiperspektivisch und als internationales Interessengeflecht zu erzählen (etwa in "5 plus 1"), dann werden ihm "nationalistische" und "apologetische" Tendenzen etc. vorgeworfen, und zwar lustigerweise genau deswegen, weil er die sonst auf Deutschland und die Politik des NS zentrierte Perspektive in einen weiteren Kontext stellt (das wird dann auch "relativieren" geschimpft). Dasselbe gilt auch für die Präventivkriegsthese. Was hier nun als "national", "apologetisch" oder "nationalistisch" wahrgenommen wird, ist also durchaus eine dialektische und kontextabhängige Sache. Darum denke ich, daß man nicht vor einer "nationalistischen Revision der Geschichte" per se warnen kann, allenfalls vor dem Nationalismus, der sich auf eine solche Revision stützen könnte.

"Du solltest auch nicht den Fehler begehen, wie jeder x-beliebige Rechte den Stalinismus bzw. Sowjetkommunismus mit dem Antifaschismus gleichzusetzen."

Tue ich auch nicht. Aber es ist nun einmal eine Tatsache, daß die Sowjetunion für die Linke der Welt sehr lange als der zentrale geschichtliche Träger des Antifaschismus und der sozialistischen Idee galt und zum Teil immer noch gilt. Das wirkt ja über die Linke im engeren Sinn hinaus, bis dahin, daß sich etwa Merkel in Moskau für die "Befreiung" bedankt, oder moskautreue Kommunisten der Dreißiger Jahre als "Widerstandskämpfer" (und nicht etwa als Akteure des Weltbürgerkriegs) gelten.

Ich habe das Beispiel aber hypothetisch, im Rahmen einer Frage gebracht, die Du noch nicht beantwortet hast!

Eines noch:
"Besonders fragwürdig wird der nationalhistorische Ansatz, wenn er der Versöhnung im Wege steht, oder gar benutzt wird soziale Ausgrenzungen zu legitimieren. Beispiele hierfür sind die polnisch-deutschen Beziehungen..."

Das ist richtig - aber was heißt hier "Versöhnung", wenn in dem einen Fall (Polen) ein überaus starker nationalhistorischer, ja nationalchauvinistischer Ansatz vorliegt, und in dem anderen eine äußerste nationalhistorische Schwäche bzw. ein antinationaler Furor (kein Pole hat das Zentrum gegen Vertreibungen mehr sabotiert und attackiert als die Deutschen selbst)? Das ist ein gutes Beispiel, wie "Versöhnung" auf Kosten der geschichtlichen Wahrheit, der Ehrlichkeit und der moralischen Integrität betrieben wird. Hier werden auch Ansätze nicht weiterhelfen, die etwa "den Nationalstaat oder das Volk als Analyserahmen aufbrechen". Das zu glauben, wäre eine typisch deutsche Illusion. Eine echte "Versöhnung" zwischen zwei Staaten kann es eigentlich nur geben, wenn die alternative nationale Perspektive respektiert und toleriert wird, auch wenn sie der eigenen widerspricht, und nicht wenn sie (einseitig) aufgelöst wird, was ohnehin nie gelingen kann.
 
Mathias Brodkorb Montag, 11.Juli 2011, 18:24 Uhr:
@Atze:
1. Was jemand in einem Vorwort schreibt, wird wohl bis zum Ende dieser Welt der Vorwortschreiber entscheiden - zumal ein Blick in das Inhaltsverzeichnis genügt, um sich selbst die Frage zu beantworten, ob man dort vielleicht findet, was man selbst im Vorwort erwartet hätte.
2. Tja, in der Tat, es wäre respektabel gewesen, wenn Habermas mit Blick auf sein Lebensalter die Mitarbeit verweigert hätte. Hat er aber nicht. Er hat stattdessen Gründe angegeben, die mit seinem theoretischen Anspruch sehr wenig zu tun haben, Gründe, die ich nicht referieren darf, obwohl ich es gerne würde, weil er dem widersprochen hat. Habermas hat ja nicht mir allein, sondern seit 25 Jahren nach meiner Kenntnis ALLEN, die einen Diskurs zwischen Nolte und ihm organisieren wollten, eine Abfuhr erteilt. Das muss doch etwas bedeuten, oder nicht?
3. Sollte man mir keine bestimmte Auffassung vom "kausalen Nexus" unterstellen, ohne das Buch gelesen zu haben, in dem ich mich genau dazu äußere.
4. Wenn Nolte ein intellektuell schmalbrüstiger Irrer wäre: Wozu dann die Aufgeregtheit? Dann würde er sich in dem Band doch (erneut) blamieren - und alles wäre gut.
 
Dr.Eisenbart Montag, 11.Juli 2011, 18:29 Uhr:
@ Atze

Hier ein kleines Quiz zum Nachholen, sind ein Haufen Fragen, die du sicher alle beantworten kannst:

http://www.sezession.de/einmaleinsdeskommunismus
 
Atze Montag, 11.Juli 2011, 18:52 Uhr:
Hallo Matthias,

ich werde mir den Band auf jeden Fall besorgen und dann lesen... :-) Vielleicht komm ich ja auch zu einer anderen Bewertung Noltes... Schaun mer mal...:-)
 
Atze Montag, 11.Juli 2011, 18:57 Uhr:
Hallo Dr. Eisenbart,

gibt es Erkenntnisse darüber, ob irgendein kriegsverbrecherischer Angehöriger der Wehrmacht, irgendein KZ-Aufseher, Amin Göth und CO. usw. mal den Fragebogen unter dem Aspekt des "kausalen Nexus" bearbeitet haben...?
 
Daniel D. Montag, 11.Juli 2011, 20:55 Uhr:
@Xberg

Es schlicht falsch, dass "die Geschichtsschreibung eben vor allem die Geschichte der Nationalstaaten (resp. der Herrscherhäuser, Großmächte, Völker etc.) und ihrer Interessen und Konflikte zum Gegenstand hat". Du verkennst hier eindeutig die Vielfalt geschichtswissenschaftlicher Fragestellungen. Die Alltagsgeschichte und die Historische Anthropologie entziehen sich seit vielen Jahren erfolgreich den Perspektiven der klassischen Geschichtsschreibung, die um die Entwicklung ethnischer Kollektive, staatlicher Strukturen und der Eliten kreist.
Des weiteren ist die zeitgenössische multiperspektivische Geschichtsschreibung nicht mit der klassischen Diplomatiegeschichte zu verwechseln, für die Scheil steht. Es geht nicht allein um die Verschränkung verschiedener nationaler Perspektiven, sondern um die Gewinnung einer transnationalen Perspektive, die nur über eine kritische Reflexion der eigenen Perspektive auf die Geschichte erreichbar wäre.
Insofern sind deine Ausführungen zu den polnisch-deutschen Beziehungen nur einseitig.
Ich habe deine Frage- "Und würdest Du diese Art von Revision aus "antifaschistischen" (also parteiischen) Gründen ablehnen, weil die Sowjetunion ein "antifaschistischer" Staat war?)"- beantwortet. Deine Reduzierung des Anttifaschismus auf den Sowjetkommunismus ist empirisch nicht haltbar und die Beziehungen zwischen beiden wesentlich komplexer als du es suggerierst.
 
Xberg Montag, 11.Juli 2011, 22:22 Uhr:
"Es schlicht falsch, dass "die Geschichtsschreibung eben vor allem die Geschichte der Nationalstaaten (resp. der Herrscherhäuser, Großmächte, Völker etc.) und ihrer Interessen und Konflikte zum Gegenstand hat". Du verkennst hier eindeutig die Vielfalt geschichtswissenschaftlicher Fragestellungen."

Pardon, Daniel, aber jetzt wird es nun wirklich indiskutabel, und zwar aus mehreren Gründen. Du lenkst auf Nebenschauplätze ab, weil Du den Hauptschauplatz nicht sehen willst, besonders den, der für unser Nolte-Habermas-Thema interessant ist. Daß die Geschichtsschreibung die Zeichnung der großen Linien aufgegeben hätte, willst Du ja wohl nicht ernsthaft behaupten? Und der Punkt ist, daß dies schlicht nicht möglich ist, ohne die Beschreibung der "Entwicklung ethnischer Kollektive, staatlicher Strukturen und der Eliten" usw.

"Es geht nicht allein um die Verschränkung verschiedener nationaler Perspektiven, sondern um die Gewinnung einer transnationalen Perspektive, die nur über eine kritische Reflexion der eigenen Perspektive auf die Geschichte erreichbar wäre. "

Was soll man sich denn konkret unter einer "transnationalen" Perspektive vorstellen? Wie unterscheidet sich das von dem "Überblick" über die Beschränkungen? Und wie soll man zu dieser gelangen, ehe man keinen Überblick über die nationalen Verschränkungen gewonnen hat? Und wie sind diese ohne die Klärung der Diplomatiegeschichte erkennbar? Ich denke übrigens, daß gerade für Deutschland heute gerade die "kritische Reflexion der eigenen Perspektive auf die Geschichte" den antifaschistischen Konsens sprengen müßte.

"Insofern sind deine Ausführungen zu den polnisch-deutschen Beziehungen nur einseitig."

Unter einem "transnationaler Perspektive" ist das "einseitig"? Und die andere Seite wäre nun was? Du redest in Zungen.

"Ich habe deine Frage- "Und würdest Du diese Art von Revision aus "antifaschistischen" (also parteiischen) Gründen ablehnen, weil die Sowjetunion ein "antifaschistischer" Staat war?)"- beantwortet. "

Nein, hast Du nicht, denn es ging in der Frage gar nicht um die Sowjetunion und ihren Antifaschismus. Das war nur ein Beispiel. Es geht darum, ob Du bereit wärest, die Wissenschaftlichkeit einer "antifaschistischen" Agenda unterzuordnen, wenn Du in einer bestimmten historischen Revision, so richtig sie auch sein mag, eine (aus Deiner Sicht) politische Gefahr siehst.
 
Eisenbart Montag, 11.Juli 2011, 23:12 Uhr:
Hallo Atze, natürlich nicht, was denkst denn du? Den "kausalen Nexus" hat doch das kauzige Spatzenhirn Nolte erst so um 1980 erfunden, da war der 2. Weltkrieg schon vorbei. Den "roten Holocaust" vermutlich auch. Dein Einwurf ist so unintelligent, daß es fast schon weh tut, vor allem weil du ihn offenbar für wahnsinnig witzig hältst.

Hier noch das Original zum Nachlesen:

http://www.bcaplan.com/cgi-bin/museum1.cgi
 
Atze Montag, 11.Juli 2011, 23:37 Uhr:
Hallo Daniel,

Scheil musst du verwechseln, vermutlich mag es so einen Diplomatengeschichtenschreiber geben. Der, über den xberg beiläufig geredet hat, ist ein Präventivkrieger, im Klartext also ein Trottel.
Na ja, und auch die zeitgenössischste und multiperspektivischste Geschichtsschreibung wird wohl kaum die notwendigsten Voraussetzungen jedweder Geschichtsschreibung außer Kraft setzen können: Zeit und eben auch Raum. Und ob es einem nun gefällt oder nicht - geschichtliche Entwicklung spielt sich seit der Französischen Revolution nunmal wesentlich in den räumlichen Dimensionen von Nationalstaaten und ihren Verhältnissen zueinander ab.
Nun spricht gerade zur Zeit wenig dafür, dass nationalstaatliche Strukturen den Endpunkt geschichtlicher Entwicklung markieren. "Transnationale Perspektiven" gewinnen mit dem fortschreitenden Übertrag nationaler Entscheidungs- und Regulierungskompetenzen auf transnationale Strukturen fraglos an Bedeutung. Aber solche Überlegungen führen auf jeden Fall vom Threadauslöser - Historikerstreit - weg.

Hallo xberg,

worum es dir mit deinem effekthascherischen Pseudoproblem wirklich geht, liegt doch auf der Hand: davon abzulenken, dass eine wissenschaftlichen Minimalstandards sich verpflichtend fühlende beispiellos umfangreiche Forschung zur Entstehung und Verlauf des 2. Weltkriegs dutzende und aberdutzende Male die Hauptverantwortung des Hitlerfaschismus bis ins kleinste Detail nachgewiesen hat. Und DAZU alternativ möchtest du uns das Geschwafel von "aufblasbaren Segelflugzeugen", "einer Million sowjetischer Falschirmjäger" oder "fliegenden Panzern, die mit ihrer Kanone in der Luft manövriert werden" andienen... :-)
 
Daniel D. Dienstag, 12.Juli 2011, 10:23 Uhr:
@Xberg

Ich "lenke auf Nebenschauplätze ab", weil dir elementares Wissen zum Wesen der Geschichtswissenschaft fehlt und ich es albern finde, Debatten auf der Basis des Kenntnisstandes von vorvorgestern zu führen.
Du schreibst:
"Ich denke übrigens, daß gerade für Deutschland heute gerade die "kritische Reflexion der eigenen Perspektive auf die Geschichte" den antifaschistischen Konsens sprengen müßte."
Was macht dich dessen so sicher? Vielleicht die Annahme, dass ein "antifaschistischer Konsens" per se auf Lügen aufgebaut sein muss?
Deine Darstellung des polnisch-deutschen Verhältnisse bedient sich einen einfachen Trick.(Ich hoffe, du bist dir dessen bewusst)Du kontrastierst die liberale Geschichtspolitik der "Deutschen" mit der nationalkonservativen der "Polen" und kommst so zu dem überraschenden Ergebnis, dass die "Deutschen", die natürlich die "geschichtlichen Wahrheit, die Ehrlichkeit und die moralischen Integrität" auf ihrer Seite haben, sich über den Tisch ziehen lassen. Wie tragisch! Eine solche Herangehensweise ist als unterkomplex und tautologisch zu bezeichnen. Du stutzt die beiden Objekte deines Vergleichs so zu Recht, dass nur das gewünschte Ergebnis herauskommen kann.
Zu der "unbeantworteten Frage".
Du hattest geschrieben:
"Und würdest Du diese Art von Revision aus "antifaschistischen" (also parteiischen) Gründen ablehnen, weil die Sowjetunion ein "antifaschistischer" Staat war?"

Ich antwortete darauf:
"Natürlich ist es legitim und Gebot der Wissenschaftlichkeit, wenn sich die Balten von politisch motivierten Legenden der sowjetischen Geschichtsschreibung befreien."

Was ist darin so schwer zu verstehen? Ich bin dir auch entgegen gekommen, da deine Frage nachweislich auf einem fehlerhaften Beispiel beruht und von mir eine Entscheidung (entweder Wissenschaftlichkeit, Nationalismus und AntiAntifaschismus oder unwissenschaftliche Geschichtspolitik, Antifaschismus/Sowjetkommunismus) fordert, die sich so nicht stellt.
 
Daniel D. Dienstag, 12.Juli 2011, 10:36 Uhr:
Hallo Atze

Stefan Scheil bedient sich der Diplomatiegeschichte, um den Weg in den WKII zu erklären. Seine Thesen(Präventivkriegsthese) und seine Arbeitsweise werden zu recht kritisiert.
Die Festlegung, wer die Akteure der Geschichte sind, ist willkürlich. Ich jedenfalls begrüße die "Geschichte von unten", die den Fokus auf Subjekte (z.B. Arbeiter und Frauen) setzt, die in der klassischen Geschichtsschreibung ignoriert werden. Spannend finde ich auch die Umweltgeschichte, die das Verhältnis von Mensch und Natur historisch untersucht.
 
Atze Dienstag, 12.Juli 2011, 11:56 Uhr:
Hallo Eisenbart,

na, hast du dich entpromoviert? Steht das im Zusammenhang mit dem Umstand, dass dieses Quiz von Sezession offenbar auch nur geguttenbergt war...? :-)

Ansonsten: Danke! Es schmeichelt mir, wenn Gestalten wie du einen Einwurf von mir als "unintelligent" titulieren. :-)
 
Xberg Dienstag, 12.Juli 2011, 12:31 Uhr:
@ Daniel

>"...weil dir elementares Wissen zum Wesen der Geschichtswissenschaft fehlt und ich es albern >finde, Debatten auf der Basis des Kenntnisstandes von vorvorgestern zu führen."

Das tun wir auch gar nicht. Von einem „Kenntnisstand“ war noch nicht einmal die Rede. Du machst nicht gerade den Eindruck, als ob Du wirklich begriffen hättest, was Du so gut zu wissen glaubst, und zwar ganz „elementar“.

>"Was macht dich dessen so sicher?“

Da gäbe es viele Beispiele, an denen man das gut demonstrieren koennte. Die Geschichte der Vertreibungen 1945/47 etwa ist durch die antifaschistische Brille kaum zu erfassen, wird voellig verzerrt. Aber das wollen wir uns jetzt schenken.

>“Vielleicht die Annahme, dass ein "antifaschistischer Konsens" per se auf Lügen aufgebaut sein muss?"

Jeder fixe ideologische Konsens, der sich über die Wissenschaft stellt und sie blockiert, muß zwangsläufig auf Lügen bauen. Sonst müßtest Du ja behaupten, daß sich in dem Konsens eine immerwährende, immergültige Wahrheit ausdrückt, müßtest ihn als Dogma setzen. Den „Antifaschismus“ an sich halte ich in der Tat für einen ungünstigen „Analyserahmen“, da hier die Politisierung schon von vornherein als Vorzeichen gesetzt ist. Das gilt auch für alle Bereiche abseits der Wissenschaft.

>„Deine Darstellung des polnisch-deutschen Verhältnisse bedient sich einen einfachen Trick.(Ich >hoffe, du bist dir dessen bewusst)“

Nein, ich bin mir keines „Tricks“ bewußt. Bitte klär mich auf.

>Du kontrastierst die liberale Geschichtspolitik der "Deutschen" mit der nationalkonservativen der >"Polen" und kommst so zu dem überraschenden Ergebnis, dass die "Deutschen", die natürlich die >"geschichtlichen Wahrheit, die Ehrlichkeit und die moralischen Integrität" auf ihrer Seite haben, >sich über den Tisch ziehen lassen.“

Natürlich lassen sich die Deutschen (die gibt es übrigens wirklich, Daniel, ebenso wie Polen, ganz ohne Anführungsstriche) über den Tisch ziehen. Das ist keine theoretische Ableitung, die ich mir an den Fingern ausgerechnet habe, sondern eine politische Beobachtung, die man an tausend Beispielen aufzeigen kann. Daß das mit den unterschiedlichen historischen Selbstbildern der beiden Nationen zu tun hat, liegt auf der Hand. Ich würde indessen die zeitgenössische deutsche Geschichtspolitik nicht als „liberal“ bezeichen.

Die "geschichtliche Wahrheit, die Ehrlichkeit und die moralischen Integrität" hat niemand für sich gepachtet, es handelt sich um hier um übergeordnete Kriterien, denen alle Parteien verpflichtet sein sollten. Das bedeutet also auch dann, wenn „antifaschistische“ oder respektive „nationalkonservative“ Interessen beeinträchtigt werden.

>„Eine solche Herangehensweise ist als unterkomplex und tautologisch zu bezeichnen.“

Die Aussage ergibt mal wieder überhaupt keinen Sinn, aber lassen wir das... Unfähigkeit zu logischem Denken, Blindheit fuer den Wald vor lauter Baeumen, ist nicht gleich „Komplexität“, wie Du zu glauben scheinst.

>„Was ist darin so schwer zu verstehen?“

Ich würde es aber gern prinzipieller wissen, darum habe ich die Frage eben nochmal gestellt. Warum weichst Du erneut aus? „Es geht darum, ob Du bereit wärest, die Wissenschaftlichkeit einer "antifaschistischen" Agenda unterzuordnen, wenn Du in einer bestimmten historischen Revision, so richtig sie auch sein mag, eine (aus Deiner Sicht) politische Gefahr siehst.“

Diese Frage ist ja wohl berechtigt, wenn Du von Dir sagst , Du vertritts Deine „Thesen aus einer dezidiert antifaschistischen Position.“
 
Xberg Dienstag, 12.Juli 2011, 12:58 Uhr:
„Steht das im Zusammenhang mit dem Umstand, dass dieses Quiz von Sezession offenbar auch nur geguttenbergt war...?“

Wenn wir schon beim intellektuellen Hochstapeln sind, zur Sache: hast du auch nur eine einzige Frage beantworten können? Siehste, dachte ich es mir doch!
 
Atze Dienstag, 12.Juli 2011, 14:26 Uhr:
Hallo Xberg,

eine Frage nach der Kompetenz eines Diskussionsgegners aufzuwerfen und dann spekulativ selber zu beantworten - du bist ja selbst zum kreativen Polemisieren zu talentlos. :-)))

"Jeder fixe ideologische Konsens, der sich über die Wissenschaft stellt und sie blockiert, muß zwangsläufig auf Lügen bauen."

Intellektuell verlumpte Apologeten der hitlerfaschistischen Barbarei wie du dürfen sich doch eigentlich nur deshalb auf dem Spielplatz akademistischer Hofart herumtummeln, weil die Daniels und Brodkorbs dieser Welt einfach zu "anständig" sind. Wer jedoch den allgemein akzeptierten und mehrfach bis ins kleinste Detail verifizierten Kenntnisstand zu den verbrecherischen Umtrieben und Wirken des Nazi-Regimes als auf "Lügen" aufgebauten "ideologischen Konsens" diffamiert, bettelt in Wahrheit und masochistischer Geilheit doch förmlich um virtuelle Kopfnüsse. Da bist du bei mir definitiv an der richtigen Adresse.
 
Daniel D. Dienstag, 12.Juli 2011, 15:50 Uhr:
@Xberg

Deine Kommentare nähren sich langsam dem Murx-Niveau an. Ist das die überlegene, "metapolitische" Strategie von euch Möchtegern-Rechtsintellektuellen, in Diskussionen dumm daherreden und mauern?
Du behauptest:
"Die Geschichte der Vertreibungen 1945/47 etwa ist durch die antifaschistische Brille kaum zu erfassen, wird voellig verzerrt."
Also wenn man davon ausgeht, dass alle Vertriebene überzeugte Nationalsozialisten waren und keinen Unterschied zwischen Stalinismus und Antifaschismus kennt, trifft das tatsächlich zu. Diese Sichtweise teilst du im übrigen mit geistig einfach gestrickten "Linken".
Demgemäß hast du auch nicht verstanden, was ein "antifaschistischer Konsens" bedeutet. Mit der Unterdrückung von "Wahrheit" hat das nichts zu tun. Es geht eher um dem Kampf gegen Rassismus, Chauvinismus und geistige Dumpfheit.
Weiter schreibst du:
"Nein, ich bin mir keines „Tricks“ bewußt. Bitte klär mich auf."
Nun ja, eigentlich habe ich versucht mich einfach auszudrücken, aber anscheinend war dir das schon zu abstrakt und theoretisch. Menschen sollen ja lernfähig sein und ich bin kein Menschenfeind, deshalb noch einmal: Die "politische Beobachtung", die du zum polnisch-deutschen Verhältnis machst und auf die "unterschiedlichen historischen Selbstbildern der beiden Nationen" zurückführst, ergibt sich aus der Anordnung deines Vergleiches. Du könntest die Anordnung auch umdrehen und würdest zu genau dem entgegengesetzen Ergebnis kommen. Konstrastiere einfach die revanchistische Geschichtspolitik der "Deutschen" mit der liberalen der "Polen" und schon stehen die "Polen" als die überrumpelten da. Darauf habe ich angespielt als ich bemerkte:
"Du stutzt die beiden Objekte deines Vergleichs so zu Recht, dass nur das gewünschte Ergebnis herauskommen kann."
Gerade jemand der sich die Suche nach "Wahrheit" auf die Fahne geschrieben hat, sollte von deinen Vereinfachungen absehen.
Ich weiche der deiner ultimativen Frage nicht aus. Ich teile nur nicht dein dichotomes Denken. Die Antwort hast du schon mehrfach erhalten.
 
Xberg Dienstag, 12.Juli 2011, 16:33 Uhr:
Atze-Baby, du Battle-Rapper, ...

Rest wurde von der Redaktion gelöscht. Warum, kann man sich denken. Xberg: Mehr Haltung bitte, Sie sind doch sonst nicht so. Die Red.
 
Xberg Dienstag, 12.Juli 2011, 20:08 Uhr:
"Rest wurde von der Redaktion gelöscht. Warum, kann man sich denken. Xberg: Mehr Haltung bitte, Sie sind doch sonst nicht so. Die Red" Dann verstehe ich nicht, warum der Diss von Atze nicht auch gelöscht wird, ich glaube nicht, daß ich das getoppt habe... -" oh doch, die Red."
 
Xberg Dienstag, 12.Juli 2011, 20:33 Uhr:
@Daniel

Der Vergleich mit Murx stört mich nicht, er ist den meisten Kommentatoren hier weit überlegen, aber das ist ja auch nicht schwierig.

"Diese Sichtweise teilst du im übrigen mit geistig einfach gestrickten "Linken"."

Genosse, Dein auffällig oft betontes hohes Niveau in Ehren, ich bin es allmählich müde, ununterbrochen Dingen zu widersprechen, die ich weder gesagt noch gemeint habe. Krieg doch wenigstens einmal richtig auf die Reihe, was überhaupt mein Punkt ist.

"Die "politische Beobachtung", die du zum polnisch-deutschen Verhältnis machst und auf die "unterschiedlichen historischen Selbstbildern der beiden Nationen" zurückführst, ergibt sich aus der Anordnung deines Vergleiches. Du könntest die Anordnung auch umdrehen und würdest zu genau dem entgegengesetzen Ergebnis kommen. Konstrastiere einfach die revanchistische Geschichtspolitik der "Deutschen" mit der liberalen der "Polen" und schon stehen die "Polen" als die überrumpelten da."

Das ist nun wirklich konkurrenzlos blühender Unfug. Wieso bitte soll ich die Anordnung umdrehen können? Ich kann ja nicht willkürlich und wahrheitswidrig Adjektive herumschupfen, wie es mir paßt. Die realexistierende Differenz in dem deutschen bzw. polnischen Geschichtsbild bestätigst Du mir ja selbst (du nennst es "liberal" vs "nationalkonservativ"), auch wenn Du sie anders wertest oder gewichtest. Oder willst Du etwa ernsthaft behaupten, es existiere heute ein offiziöser deutscher "Revanchismus"?

Im übrigen frage ich mich noch immer, ob Du Dir ernsthaft "komplex" dabei vorkommst, wenn Du skurrilerweise die armen Polen in Anführungsstriche setzt. Das hat natürlich eine Meta-Pointe: denn auf sowas kann auch nur ein zeitgenössischer Deutscher kommen, oder in Deinem Fall vermutlich ein "Deutscher".

"Ich weiche der deiner ultimativen Frage nicht aus. Ich teile nur nicht dein dichotomes Denken. Die Antwort hast du schon mehrfach erhalten."

Nein, eben nicht, weil Du die Frage offenbar immer noch nicht begriffen hast. Denn mit "dichotomem" Denken hat sie nicht das Geringste zu tun. Die Frage ist, ob Du selbst, Daniel, ein revisionistisches Forschungsergebnis unterdrücken würdest, wenn Du das Gefühl hättest, es könnte dem "antifaschistischen Konsens" schaden, oder Dir unliebsame politische Folgen haben, ob Du also in bestimmten Fällen die antifaschistische Sache über die (Freiheit der) Wissenschaft stellen würdest. Oder hältst Du es etwa für unmöglich, daß so ein Fall überhaupt eintreten kann? Bist Du überzeugt, daß das immer deckungsgleich sein und problemlos harmonieren wird, die historischen Erkenntnisse und der antifaschistische Konsens? Es interessiert mich wirklich.
 
Atze Mittwoch, 13.Juli 2011, 10:11 Uhr:
Hallo Xberg,

du alter Holzmichel-Hörer, hast du mal wieder über die Strenge geschlagen...? :-)))

Dein surreales Scheinproblem verdeckt kaum verholen das wirkliche: Warum Geschichtsrevisionisten in mantrischer Sektenhaftigkeit x-fach bis ins Detail erforschte wissenschaftliche Standartatsachen glauben mit "aufblasbaren Segelflugzeugen" erschüttern zu können?

Übrigens ist die polnische Geschichtswissenschaft beileibe nicht so homogen, um sie als "nationalkonservativ" zu attributisieren. Daniel konstruierte das ja auch nur als Bsp., Xberg. Aber du bist hier anscheinend ja mit einigem überfordert... :-)
 
Daniel D. Mittwoch, 13.Juli 2011, 13:19 Uhr:
@Xberg

Wenn es dich so brennend interessiert, was ich zu deiner Frage zu sagen haben, dann ließ doch einfach meine vorherigen Kommentare. Fall du der Meinung bist, ich hätte deine Frage nicht beantwortet, tut es mir leid. Leichter kann ich es nicht formulieren und ich mag mich nicht mehr zu wiederholen.
 
Xberg Mittwoch, 13.Juli 2011, 15:39 Uhr:
"Wenn es dich so brennend interessiert, was ich zu deiner Frage zu sagen haben, dann ließ doch einfach meine vorherigen Kommentare."

Tut mir leid, ich bin das alles nochmal durchgegangen, da ist aber weit und breit und für jedermann nachprüfbar keine Antwort auf diese doch sehr präzise formulierte Frage. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder du bist nicht einmal imstande, deinen eigenen Schrieb zu verstehen, oder du bist ein Feigling, der bewußt einer Antwort ausweicht.
 
Atze Mittwoch, 13.Juli 2011, 15:59 Uhr:
Hallo xberg,

ruhig, ganz ruhig. Nicht so echauffieren, das führt nur zu diesem albern anmutenden Missverhältnis zwischen der showmäßig demonstrierten Hochmütigkeit und der miesen Syntax. :-)

Im Unterschied zu Daniel mangelt es mir weniger an Willen, sondern vielmehr an Ideen, wie man deinem wiederholt hier demonstriertem Unverständnis speziell für Daniels Beiträge noch versuchen könnte, beizukommen.
Was genau interessiert dich denn an der aktuellen Entwicklung der polnischen Geschichtswissenschaft? Ich würde mich definitiv nicht als Experte für sie bezeichnen. Aber im Unterschied zu dir kann ich auch polnisch. :-)
 
Karl_Murx Mittwoch, 13.Juli 2011, 16:53 Uhr:
@Xberg:
"Rest wurde von der Redaktion gelöscht. Warum, kann man sich denken. Xberg: Mehr Haltung bitte, Sie sind doch sonst nicht so. Die Red" Dann verstehe ich nicht, warum der Diss von Atze nicht auch gelöscht wird, ich glaube nicht, daß ich das getoppt habe... -" oh doch, die Red."

Hallo Xberg - tut mir leid wegen der teilweisen Löschung Deines Beitrages. Ich kann vollkommen nachvollziehen, daß auch geduldigen Menschen angesichts der unflätigen Pöbeleien von halbgebildeten Linksnazis irgendwann der Kragen platzt und man diesen Kommentaren angemessen begegnen möchte, um sich Luft zu machen. Aber immerhin passiert das in diesem Blog von Matthias Brodkorb relativ selten. Dieser - als der Moderator wohl, wenn ich das überblicke - bleibt in dieser Beziehung seinen Prinzipien treu und läßt den Meinungsäußerungen weitestgehend ungehindert ihren Lauf. So hat man auch Gelegenheit, diesen Beschimpfungen einigermaßen gegenhalten zu können, ohne sofort in volkspädagogisch-vormundschaftlicher Weise zensiert zu werden, wie etwa im Zeit-online-Blog.

Ich würde also dieses Gepöbel als notwendigen Fluch der Demokratie betrachten, wo man - bei einigermaßen freier Rede - auch solch unqualifiziertes Gemaule wie von Atze anhören muß. Dessen Ziel ist doch nicht die freie demokratische Diskussion, sondern vielmehr, unliebsame Meinungen und deren Vertretern was aus dem Forum zu ekeln, damit hier nur Gleichgesinnte sich gegenseitig der eigenen Gesinnung versichern können. Da sollte man der Stein sein, an dem das Schwein sich reibt.
 
Xberg Mittwoch, 13.Juli 2011, 16:55 Uhr:
"Nicht so echauffieren, das führt nur zu diesem albern anmutenden Missverhältnis zwischen der showmäßig demonstrierten Hochmütigkeit und der miesen Syntax."

Soll ich sie ein bißchen vereinfachen, damit auch Du folgen kannst? ;)

"Was genau interessiert dich denn an der aktuellen Entwicklung der polnischen Geschichtswissenschaft?"

Gar nix. Sag Du es mir. Du hast ja aus irgendeinem unerfindlichen Grund davon angefangen.

"Aber im Unterschied zu dir kann ich auch polnisch."

Sag bloß. Und trotzdem hast Du keine Ahnung von Polen? Und woher weißt du eigentlich, daß ich kein Polnisch kann?
 
Daniel D. Mittwoch, 13.Juli 2011, 18:32 Uhr:
@Xberg

Das Problem ist wohl eher, dass Antworten die über ein einfaches Ja oder Nein hinausgehen, dich geistig überfordern.
 
Roichi Donnerstag, 14.Juli 2011, 10:55 Uhr:
@ Karl

"Wenn es hier auch nur einigermaßen objektiv zugeht, dann bekommen die Kommentare des Foristen Atze eine ähnliche Ermahnung bzw. Verwarnung wie die des Foristen Xberg. Atze provoziert, beschimpft und pöbelt hier in übelster Weise und in persönlich verunglimpfender Art, gefällt sich in extremer Polemik und unterstellt permanent seinen Gesprächpartnern die extremen Haltungen und Gesinnungen, die er selber verkörpert."

Interessant, dass ausgerechnet du das forderst.
Ist das doch inzwischen Standardvokabular in deinen Kommentaren.

@ xberg

"Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder du bist nicht einmal imstande, deinen eigenen Schrieb zu verstehen, oder du bist ein Feigling, der bewußt einer Antwort ausweicht."

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Die, dass du nicht in der Lage bist die Antwort zu verstehen.
Kommunikation, auch schriftlich, ist immer eine zweiseitige Geschichte.
 
Ronald Donnerstag, 25.August 2011, 17:42 Uhr:
Lieber Herr Brodkorb,
von Ihnen ist mir die folgende Aussage in Erinnerung geblieben:
"Es widert mich einfach an, wenn sich Menschen auf billige und ganz und gar charakterlose Art und Weise profilieren wollen." (http://www.dasgespraech.de/?p=1082)
In diesem Text sprechen Sie von der Charakterbildung, die der Hauptgegenstand des universitären Studiums sein soll.
Leider habe ich bei Ihrer Polemik gegen Habermas genau das Gefühl, dass Sie sich hier auf reichlich "billige und charakterlose Art und Weise" profilieren wollen.
Schade eigentlich...
 

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