Gustav-Heinemann-Preis für Neuköllner-Bürgermeister

Er sei „ein Kümmerer, mit viel Verstand, einem großen – und auch heißen – Herzen“, sagt SPD-Chef Sigmar Gabriel über Heinz Buschkowsky (SPD). Der Neuköllner Bürgermeister wurde am Montag mit dem Gustav-Heinemann-Bürgerpreis geehrt. Zum 31. Mal verlieh der SPD-Parteivorstand in diesem Jahr diese Auszeichnung für gesellschaftspolitisches Engagement. von Birgit Güll für den vorwärts Foto: Dirk Bleicker

Mittwoch, 21. April 2010
Redaktion
Gustav-Heinemann-Preis für Neuköllner-Bürgermeister
„Neukölln ist ihm eine Herzensangelegenheit“, sagt Sigmar Gabriel in seiner Laudatio für den streitbaren Bürgermeister und gebürtigen Neuköllner. Kommunalpolitiker wie Heinz Buschkowsky verkörpern für den SPD-Vorsitzenden die „Nervenenden unserer Gesellschaft“. Sie seien nah an den Menschen, erlebten ihren Alltag. Buschkowsky sei mittendrin, er arbeite da, „wo es nicht nur gelegentlich Probleme gibt“, betont Gabriel. Er lobt die engagierte Integrationsarbeit, die Buschkowsky in dem Berliner Bezirk mit den meisten Migranten betreibt.

40 Jahre lang habe Deutschland geleugnet, ein Einwanderungsland zu sein, unterstreicht Gabriel. Jetzt gehe es darum, Zusammenleben zu organisieren. Es gelte, den Menschen zu zeigen, dass sie gewünscht, nicht geduldet sind, betonte er. „Die Chance auf eine doppelte Staatsbürgerschaft und das Wahlrecht in Deutschland muss möglich sein.“ Heinz Buschkowsky sei ein Vorbild und „ein sozialdemokratischer Schatz“, so der SPD-Vorsitzende.

Dass mit Heinz Buschkowsky ein streitbarer Politiker ausgezeichnet wird, machte das Grußwort von Klaus Wowereit (SPD) deutlich. Es ist bekannt, dass Berlins Regierender Bürgermeister und der Bürgermeister Neuköllns nicht immer einig sind über Wege zur Integration und die Art Probleme anzusprechen. Doch das „ist streitbare Demokratie“, sagt Wowereit und betont: Buschkowsky sei ein „Dorfschulze im besten Sinne des Wortes.“ Er gehöre zu den Unbequemen unserer Gesellschaft. „Das eint uns“, so Klaus Wowereit.

Als „Gallionsfigur, vorne am Bug eines stolzen Dampfers“ bezeichnet Neuköllns Bürgermeister sich selbst. Der Preis sei eine Bestätigung seiner Arbeit, „aber niemand macht Politik alleine“, erklärt er. Seit 2001 ist er im Amt und sein Arbeitsfeld sei „kein Territorium für Quatscher“, betont der 62-Jährige. „Eine robuste Politik ist nötig“, es gelte anzupacken. „In Ruhe lassen ist keine Integration.“ Der Bürgermeister nutzt die Gelegenheit, einmal mehr eindringlich für mehr Investitionen in Bildung zu werben. „Unsere Zukunft: unsere Kinder“, sagt er und betont, dass eine erfolgreiche Schullaufbahn keine Frage der Gene sei.

Seit 1973 ist Buschkowsky Mitglied in „der besten und größten Bürgerinitiative Deutschlands“, wie er die SPD nennt und mahnt eindringlich: Eine ernstzunehmende gesellschaftliche Linke müsse sich um eine solidarische Gesellschaft bemühen, „sonst bereiten wir den rechten Rattenfängern den Weg.“ Was er mit den 10.000 Euro Preisgeld vorhat, wollte der Bürgermeister nicht verraten. Nur soviel: Zwei Institutionen sollen davon profitieren. Ansonsten möchte er sich den „Überraschungsmoment“ nicht nehmen lassen. „Ein bisschen Spaß müssen sie mir auch gönnen“, sagt er, bevor er unter stehenden Ovationen das Podium der Neuköllner Kepler-Schule verlässt.
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