"Torhaus"

Güstrow: AfD-Vorfeld gibt Immobilie auf

In Güstrow verliert das AfD-nahe Vorfeld den Zugriff auf eine Immobilie. Im sogenannten Torhaus war der frühere AfD-Landesvorsitzende Holger Arppe mit seinem Verein „Küstenwende“ aktiv und wollte dort in den letzten Jahren vor allem das parteinahe Vorfeld vernetzen. Der Rechtsextreme kritisiert nun die Partei für mangelnde Unterstützung.

Montag, 14. Juli 2025
Oliver Kreuzfeld
Das "Torhaus" in Güstrow wird von der Polizei bewacht, als eine linke Demo durch die Straße zieht.
Das "Torhaus" in Güstrow wird von der Polizei bewacht, als eine linke Demo durch die Straße zieht.

Nach rund fünf Jahren ist Schluss: Man hätte sich entschlossen, „das Projekt zu beenden“, heißt es in einem Statement, dass der Verein „Küstenwende“ am Sonntag veröffentlicht hat. Angeblich sei „der zeitliche Aufwand zu intensiv geworden“ und die damit einhergehende „Ausdünnung des Programms“ hätte zu weniger Spenden und einer Schieflage geführt.

Offenbar zum Monatsende soll das Büro in der Straße Am Berge in Güstrow wohl geschlossen werden. Schenkt man dem früheren AfD-Funktionär Holger Arppe Glauben, seien in den vergangenen Jahren rund 200 Veranstaltungen im „Torhaus“ durchgeführt worden. Laut Eigenaussage wollte Arppe so „Gleichgesinnte zusammenbringen, Aufklärungsarbeit leisten und das rechte Vorfeld stärken.“

“Ein Prozent“ wirbt für Immobilie 

Der Zuspruch zu den Veranstaltungen hielt sich allerdings oft in Grenzen, mehrfach mussten diese wegen mangelndem Interesse abgesagt oder verschoben werden, eine lokale Verankerung hat es in der Form nie gegeben. Auch öffentliche Spendenaufrufe verhallten oft und fuhren nur einen Bruchteil der erhofften Summen ein. Im September 2023 hatte die rechtsextreme Vernetzungsplattform „Ein Prozent“ unter dem Titel „Diese patriotischen Zentren warten auf euch“ noch für das „Torhaus“ geworben, doch ein relevanter Popularitätsschub ging damit nicht einher.

Arppe sparte nicht mit Kritik an seiner früheren Partei. Diese hätte „den Wert eines funktionierenden Vorfelds bis heute nicht erkannt und sich in den Parlamenten verschanzt“, zu einer Unterstützung des Projekts hätte sich die Partei „nicht wirklich durchringen“ können.

Ex-AfD-Mitglieder sammeln sich im Verein

Nach einem Skandal vor knapp acht Jahren war Holger Arppe aus der AfD ausgetreten. Mehrere Chat-Nachrichten des 52-Jährigen waren publik geworden und stoppten abrupt den Aufstieg Arppes innerhalb der Partei. Man müsse dem „Gegner Honig ums Maul schmieren“ und dann später „alle an die Wand“ stellen, hieß es in einer Nachricht, die von dem Rostocker verschickt worden sein soll. Es folgten weitere heftige Aussagen. Ein Jahr später wurde Arppe in einem anderen Fall wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Seitdem fristete der Rechtsextreme größtenteils ein Nischendasein, gab sich als Politikberater mit „tiefem Einblick in die Prozesse und Mechanismen politischer Arbeit“. Auch die Gründung des Vereins „Küstenwende“, der Erwähnung im Verfassungsschutzbericht fand, brachte keine Besserung. Der Vorstand besteht aus gescheiterten AfD-Mitgliedern, neben Arppe als Vorsitzendem ist auch der frühere AfD-Landesvorsitzende Dennis Augustin als Vize im Verein aktiv, dem der Verfassungsschutz nur rund zehn Mitglieder zurechnet. Auch wenn die „Küstenwende“ nun ohne Immobilie dasteht, wolle man nach eigener Aussage weitermachen und nun „vierteljährliche Veranstaltungen in unterschiedlichen Regionen von Mecklenburg-Vorpommern“ anbieten.

Auf einer Immobilienseite wurde das Gebäude in Güstrow bereits vor einigen Wochen zur Vermietung für 650 Euro im Monat angeboten: „Gewerbeimmobilie mit Alleinstellungsmerkmal ab sofort zu vermieten“, hieß es in dem Aufruf. Mittlerweile ist das Angebot offline – ein Nachmieter wurde offenbar gefunden.

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