Glorifizierung der Waffen-SS

Bad Reichenhall – Am Samstag wollen Rechtsextremisten im bayerischen Bad Reichenhall aufmarschieren. Mit der traditionell geschichtsrevisionistischen Gedenkveranstaltung soll an ehemalige französische Waffen-SS-Angehörige der Division Charlemagne erinnert werden.

Mittwoch, 07. Mai 2014
Anton Maegerle

Seit etwa 35 Jahren findet im Mai in Karlstein, einem Ortsteil von Bad Reichenhall (Landkreis Berchtesgadener Land), ein rechtsextremes Totengedenken statt. Anlass des Aufmarsches sind zwölf Franzosen der SS-Division Charlemagne, die am 8. Mai 1945 auf ihrer Flucht in Karlstein von französischen Truppen wegen ihrer Kollaboration mit den Nazis hingerichtet wurden. Die SS-Division Charlemagne, 1944 offiziell gegründet, war nach dem fränkischen Kaiser Karl dem Großen benannt. Die Glorifizierung der Waffen-SS ist nach wie vor eine identitätsstiftende Aktionsform in rechtsextremen Kreisen.

Hauptredner des diesjährigen Totengedenkens am 10. Mai, das ausdrücklich als Privatveranstaltung angekündigt wird, ist - wie bereits 2012 – der einschlägig bekannte Neonazi Roland Wuttke. Wuttke, vormals langjähriger NPD-Funktionär, sorgte 2005 für bundesweite Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass er an seinem Wagen das Abzeichen der 1. SS-Panzerdivision „Leibstandarte Adolf Hitler“ (LAH) spazieren fahren würde.

„Koalition unserer Rasse erreichen“

Geworben wird für die Veranstaltung unter anderem auf dem rechtsextremen Internetportal „Altermedia“. Dort merkte der Pseudonymus und Vielschreiber „Hauke Haien“ mit Bezug auf das Totengedenken an, dass die „Neue Weltordnung"“ (NWO) die  „Europäer, oder Arier“ dazu bringen würde, „sich gegenseitig zu töten, während ihr Geldsack immer fetter wird“. Deshalb sollte es „Ziel sein, eine Koalition unserer Rasse zu erreichen, die auf Frieden und Kulturerhalt gerichtet ist. Was natürlich heißt, die Entfernung aller anderer Rassen, besonders der Juden, aus Europa“.

Teilgenommen an den letztjährigen Veranstaltungen in Karlstein haben unter anderem Sepp Biber, Walter Held, Paul Pignard-Berthet sowie die NPD-Funktionäre Karl Richter und Edda Schmidt. Biber, einst Angehöriger der 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend, war später stellvertretender NPD-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg sowie Funktionär der rassistischen „Artgemeinschaft“ und der 1994 wegen Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus verbotenen „Wiking-Jugend“. Held, Oberstleutnant a.D., attackierte jüngst Bundespräsident Gauck wegen dessen Griechenlandbesuch. Der Franzose Pignard-Berthet war Waffen-SS-Freiwilliger und im Osten „im Einsatz“.

Wiederholt nahmen an den „Totengedenken“ ehemalige SS-Recken und Gleichgesinnte aus Frankreich und Italien teil. 2006 fand der Alt- und Neonazi-Aufmarsch erstmals überregionale Beachtung. Damals wurden an den Kontrollstellen der Polizei insgesamt sieben Personen festgenommen, die mit zur Kriegsführung ähnlichen Gegenständen ausgerüstet waren. Darunter befanden sich Sprengmittel, eine funktionsunfähige
Pistole, Rauchbomben und Waffenteile, so eine Pressemeldung der bayerischen Polizei.

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