Kampfsport-Veranstaltung
"Gladiator Fight Series" bei Halle: Kampfsportevent lockt extreme Rechte an
Ein Kampfsportturnier bei Halle an der Saale lockt am vergangen Samstag hunderte Gäste an. Unter Veranstaltern, Kämpfern und Gästen finden sich zahlreiche Bezüge zur extremen Rechten, von einer kriminellen Vereinigung bis zur AfD.
Teutschenthal gleicht am Samstag einer Festung: Die Polizei hat Kontrollstellen an allen Zufahrten des Kultur- und Gemeindezentrums mitten in der Gemeinde westlich von Halle an der Saale eingerichtet. Über dem Zweckbau aus DDR-Zeiten mit dem bröckelnden Vorplatz aus längst vergangenen Tagen surrt eine große Kameradrohne der Behörden.
Das kommunale Gebäude soll Schauplatz eines Kampfsportturniers werden, das vom Hallenser “Gladiator Fight Academy” ausgerichtet wird. Antifaschistische Gruppen mobilisieren seit Wochen gegen das Gym und seine Veranstaltung, die „Gladiator Fight Series“, denn unter den Organisatoren und den Kämpfern sind mehrere Personen mit Biografien in der extremen Rechten. Der Ort des Events wurde bis zum Vortag geheim gehalten, in Halle demonstrierten zeitgleich knapp 200 Menschen gegen das Gym. Die Veranstaltung in Teutschenthal ist währenddessen restlos ausverkauft. Die Gemeinde antwortete bis zur Veröffentlichung nicht auf eine Presseanfrage von ENDSTATION RECHTS.
Trainer aus einschlägigen Milieus bekannt
Im Zentrum der Kritik, die auf dem Leipziger Recherche-Blog „Periskop“ hervorgebracht wurde, stehen der Gym-Betreiber Hans Krüger sowie die beiden Trainer Christopher Henze und Theo Weiland. Krüger wird dem rechten Cottbuser Hooligan-Milieu zugeordnet und beteiligte sich in der Vergangenheit an einer Demonstration des extrem rechten Bündnisses „Zukunft Heimat“ in Cottbus. Theo Weiland spielte eine wichtige Rolle in der extrem rechten Erfurter Hooligan- und Kampfsportgruppe „Jungsturm Erfurt“. Aufgrund seiner Aktivitäten in der Gruppe wurde Weiland 2021 wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Seitdem gibt es die Gruppe offiziell nicht mehr. Christopher Henze bewegte sich um Umfeld der sogar vom Verfassungsschutz beobachteten neonazistischen Leipziger Hooligan-Gruppe „Scenario Lok“. Weil er 2016 mit über 200 Neonazis den Leipziger Stadtteil Connewitz überfiel, wurde er zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, die mittlerweile abgelaufen ist.
Auch Kämpfer des Gyms, von denen mehrere auf dem Event antraten, stammen aus rechten Hooligan-Szenen oder waren gar organisierte Neonazis. Dabei sticht vor allem die Vita des Hallensers Dominic Exel heraus, der mindestens von 2014 bis 2018 fester Bestandteil der deutschen Neonazi-Szene war und eine Vielzahl von Aufmärschen besuchte. 2019 trat er außerdem als Kämpfer auf dem neonazistischen Kampfsportturnier „Tiwaz“ in Westsachsen an.
Keine Überraschung: Viele Gäste von extrem rechten Veranstaltungen bekannt
Auch unter den auswärtigen Kämpfern lassen sich bei mehreren Personen Bezüge in rechte Hooligan-Szenen finden. Der aus Berlin stammende Kämpfer Dorian Hackius etwa nahm an extrem rechten Aufmärschen teil. Zuletzt zeigt ihn ein Foto auf dem Verlagstreffen des neurechten Jungeuropa-Verlags in Freital im September 2025.
Es ist nicht verwunderlich, dass auch zahlreiche Gäste der Kampfsportveranstaltung Bezüge zur extremen Rechten aufweisen. Unter ihnen sind Hooligans, Mitglieder rechter Rockergruppen und organisierte Neonazis. Viele von ihnen sind von extrem rechten Veranstaltungen bekannt, sei es von Aufmärschen der Identitären Bewegung und des Dritten Wegs, AfD-Kundgebungen in Thüringen, dem „Tiwaz“-Turnier oder von Neonazi-Festivals der 2010er-Jahre. Beispielhaft lassen sich die Chemnitzer Sven S. und Robert K. nennen, die seit vielen Jahren kaum eine extrem rechte Veranstaltung in der Chemnitzer Region auslassen. Social-Media-Aufnahmen zeigen, wie K. in der ersten Reihe vor dem Ring steht, um den Chemnitzer Kämpfer David Minarik zu unterstützen.
Nach Verboten: Vorsicht bei Außendarstellung
Bis 2019 traf sich die Szene auf explizit neonazistisch ausgerichteten Events, dem „Kampf der Nibelungen“ von Alexander Deptolla und dem Schwesterevent „Tiwaz“ in Sachsen. Aufgrund eines Veranstaltungsverbots gegen den „Kampf der Nibelungen“ in Sachsen ist seitdem das Risiko für weitere Verbote derartiger Turniere zu hoch. Mittlerweile kristallisieren sich Kampfsportveranstaltungen heraus, die maßgeblich von extrem rechten Kämpfern und Gästen geprägt werden, aber kein politisches Außenbild vermitteln. Tickets lassen sich an herkömmlichen Vorverkaufsstellen erwerben. Beispiele für derartige Events sind die „Eastside Fightnight“ in Gera und die „Erzgebirger Fightnight“ im sächsischen Stollberg. Auf Fotos des Turniers in Stollberg sind hunderte Personen zu sehen, darunter auch Szenegrößen wie Thomas Gerlach, Hammerskin und Bekannter des NSU-Kerntrios.
Als Frühjahrssonne hinter den Bäumen verschwindet, sammelt sich schließlich eine Gruppe von etwa 50 Personen in einem nahegelegenen Park. Es sind fast ausschließlich Männer in dunkler Kleidung, ein Großteil von ihnen trägt Einwegmasken und Sonnenbrillen, viele haben noch dazu ihre Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Sie sind zu Fuß durch die Polizeikontrollen gekommen. Offenbar wurden sie vorgewarnt, dass die Presse vor der Halle steht. Einige aus der Gruppe hängen noch in der Kontrolle fest, man will den Weg zum Einlass offenbar gemeinsam bestreiten.
Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung
Als die Gruppe sich schließlich in Bewegung setzt, fällt ein Mann besonders auf, unvermummt, im weißen Pullover, vorne in der Mitte. Es ist Marco K., laut Gericht eine Führungsfigur des „Jungsturm Erfurt“, der Gruppe, die es eigentlich nicht mehr gibt. Er musste wie Theo Weiland, der Gladiator-Trainer, wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung eine Haftstrafe verbüßen. Auffällig viele Personen um K. sind Personen aus dem ehemaligen „Jungsturm“.
Dazwischen befinden sich offenbar auch einige Hooligans des bulgarischen Fußballvereins „ZSKA Sofia“. Die beiden Gruppen besuchen sich regelmäßig gegenseitig. Vor einem Jahr waren die Erfurter in Sofia zum 35-jährigen Jubiläum der dortigen Fanszene angereist. Auf der Bühne, live übertragen auf einem bulgarischen Sportkanal, zeigten mehrere Personen des Erfurter „Jungsturms“ den Hitlergruß.
Neurechte Kader als Gast
Dass die Veranstaltung zum Magnet für Personen der extremen Rechten aller Couleur ist, zeigt, dass die Events für die Gäste nicht nur als Sportevent betrachtet werden und der Zurschaustellung von Idealen wie Wehrhaftigkeit und Kampfbereitschaft genutzt werden, sondern auch der ungezwungenen Vernetzung dienen.
Kurz vor Beginn der Veranstaltung trifft Philip Stein in Teutschenthal ein. Er ist der Chef der neurechten Initiative „Ein Prozent“ und des „Jungeuropa“-Verlags, einer der wichtigsten Stichwortgeber für die AfD und ihr Vorfeld. Dass die Grenzen heute Abend fließend sind, zeigen seine Begleiter: Tom Z. ist Teil rechter Fangruppen des Chemnitzer FC und betreute bei der neurechten „Seitenwechsel“-Buchmesse in Halle den Stand von „Jungeuropa“. Etwas überraschender ist Steins zweiter Begleiter: Sven H. stammt auch aus Chemnitzer Fanszene, war Teil einer Gruppe namens „NS Boys“. Genau wie der Gladiator-Trainer Henze wurde er wegen des Angriffs auf Connewitz verurteilt, auch seine Bewährungszeit ist mittlerweile abgelaufen.
Er ist bei Weitem nicht der einzige an diesem Abend, der an dem Überfall beteiligt war. Als es schon dunkel ist, kommt schließlich auch der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Fabian Jank. Ein Foto zeigt ihn auf Instagram mit einem Daumen nach oben: „Ein gelungener Abend. Danke Gladiator Halle!“