von Anna Müller
   

Gewalteskalation in Bautzen

In der Nacht zum Donnerstag gab es eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Rechtsextremer und Asylbewerbern in Bautzen. Eine gewaltbereite Menschenmenge verfolgte die Flüchtlinge zu ihrer Unterkunft und belagerte diese. Auch Polizeibeamte und ein Rettungswagen wurden Opfer der Attacken. Während sich Politiker entsetzt zeigen, feiern Rechte die Geschehnisse im Internet.

Foto: Screenshot

Die gewalttätige Auseinandersetzung habe sich zwischen 80 Personen, von denen der Großteil dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen sei, und 20 Asylbewerbern ereignet, heißt es im Polizeibericht. Demnach hätten gewaltbereite Männer und Frauen skandiert, dass der Kornmarkt und Bautzen den Deutschen gehören würde. Es seien Flaschen geworfen worden und schließlich sei es zu handfesten Auseinandersetzungen gekommen, welche von Seiten der Asylbewerber ausgegangen sei.

Hetzjagd durch die Innenstadt

Nachdem die Polizei ebenfalls von den Asylbewerbern angegriffen worden sei, hätten die Beamten Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. In der Folge hätten die Beteiligten den Kornmarkt verlassen. Die Gruppe Rechtsextremer seien aber den Flüchtlingen durch die Stadt bis zur Asylbewerberunterkunft in der Dresdner Straße gefolgt. Im Internet kursieren Videos, auf denen Personen zu sehen sind, die immer wieder „Wir sind das Volk“ skandieren.

Der braune Mob belagerte die Flüchtlingsunterkunft, weitere Übergriffe wurden aber durch die Polizeikräfte verhindert. Einen Rettungswagen, den die Beamten zur Versorgung eines Flüchtlings mit Schnittwunden gerufen hatten, sei mit Steinen attackiert worden, um so die Anfahrt zu verhindern. Nur durch Polizeischutz konnte der Rettungswagen beim zweiten Versuch sein Ziel erreichen und den Verletzten versorgen.

Mit rund 100 Beamten schützte die Polizei das betroffene und zwei weitere Asylbewerberheime, sodass die Randalierer nach und nach abzogen. Erst in der späten Nacht hätte sich die Lage wieder beruhigt. Nun sucht die Behörde nach Zeugen und ermittelt wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung.

Rechte feiern Übergriffe im Internet

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art, der sich in Bautzen ereignet hat. Erst vergangenen Samstag eskalierte eine Demonstration der „Nationalen Front Bautzen“ in Bautzen. Gewaltbereite Rechtsextreme verfolgten Gegendemonstranten, die sich ins Kulturzentrum „Steinhaus“ zurückzogen hatten. Die Belagerung des Hauses durch die Demonstranten konnte die Polizei nur langsam auflösen. Im Februar brannte in der Stadt ein Asylbewerberheim. Schaulustige applaudierten und behinderten die Löscharbeiten. Und auch auf dem Kornmarkt sei es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen.

Rechte „feiern“ derweil die Vorfälle der vergangenen Nacht auch im Internet. So schrieb Pegida-Chef Lutz Bachmann: „In Bautzen zeigen mutige Bürger Zivilcourage und vertreiben pöbelnde Asylbetrüger gewaltfrei aus der Innenstadt.“ Die Partei der Dritte Weg versteht nicht, warum die Polizei den „Protest zahlreicher Deutscher“, an dem rund 250 Personen teilgenommen hätten, nicht unterstützt: „Anstatt die kriminellen Ausländer umgehend abzuschieben, beschützt die Polizei jetzt lieber mit weiteren Kräften die Asylantenheime in Bautzen.“

Noch deutlichere Worte finden Facebook-Nutzer in Kommentaren zu bereits kursierenden Videoaufnahmen der Gewalteskalation. Dort schreibt eine Person: „Richtig so! Raus mit dem Dreckspack. Die haben hier nichts Verloren. Ab in die Heimat mit den angeblich ‘Kriegstraumatisierten‘.“ Ein anderer kommentiert: „Die Bürger Bautzen haben alles richtig gemacht. Wir dürfen uns von diesen Eindringlingen unseres Landes nichts gefallen lassen. Es ist unsere Heimat. Richtet euch alle endlich gemeinsam auf und Kämpft gegen dieses Merkel Verbrechen. Die Polizei und Armee von uns wird das Deutsche Volk nicht schützen.“

Kommentare(2)

Dieter Holtzsch Freitag, 16.September 2016, 17:06 Uhr:
Als Ergänzende Information hier die Pressekonferenz der Polizei:
https://www.facebook.com/polizeisachsen.info/videos/546842688851898/
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 21.September 2016, 18:00 Uhr:
Was nun in Bautzen derart eskalierte, müßte eigentlich schon lange vorher-sehbar gewesen sein.
Mehrere flüchtlingsfeindliche Botschaften in der Stadt kündigten an, was dann nun eintrat und alle sind ja so "betroffen", während die menschenverachtend-agierenden Neonazis ihren "Erfolg" feiern.
Und jetztt kommen wieder die "Lichterketten" dran.
So manche Städte nennen sich "bunt," und tolerant, dabei sind sie eher wirklich leider "braun".
Dazu gehören mit Sicherheit n i c h t n u r Ostdeutsche Städte.
 

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