von Redaktion
   

Gestiegene Flüchtlingszahlen: Sächsische NPD und AfD legen in Wählergunst zu

Im Gegensatz zu Gesamtdeutschland profitieren in Sachsen die Parteien des rechten Randes von den gestiegenen Flüchtlingszahlen. In einer aktuellen Umfrage kommt die AfD auf einen Rekordwert, selbst die gebeutelte NPD würde wieder in den Landtag einziehen. 60 Prozent der Befragten gaben an, die Zahl der neuen Flüchtlinge mache ihnen Angst.

Anti-Asyl-Demonstration in Berlin: Rechte Parteien profitieren (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Der sächsische NPD-Landesverband hatte in den zurückliegenden Monaten wenig Grund zum Feiern. Erst der verpasste Wiedereinzug in den sächsischen Landtag im letzten Herbst, dann interne Streitigkeiten und Abspaltungen, später der unrühmliche Abgang des Kurzzeit-Vorsitzenden und Spitzenkandidaten Holger Szymanski, der nach dem Fund von Pornofilmen auf seinem Rechner von „Kameraden“ wohl aus der Partei gemobbt wurde. Eine heute von Infratest dimap im Auftrag des MDR veröffentlichte Umfrage dürfte bei den verbliebenen „Köpfen“ um Landeschef Jens Baur für Zufriedenheit gesorgt haben: Die Demoskopen sehen die Rechtsextremisten erstmals wieder bei fünf Prozent.

Rechtsruck

Ohnehin rückt die Parteienlandschaft dem aktuellen „Sachsentrend“ zufolge im Freistaat ein ganzes Stück weiter nach rechts. Mit einem Zuspruch von 13 Prozent zieht die von Frauke Petry geführte Alternative für Deutschland mit der regierenden SPD, die ihrerseits 0,6 Prozentpunkte gewinnt, gleich. Bereits zur Landtagswahl hatte die AfD mit ihrem ausgesprochen rechten Kurs 9,7 Prozent der Wähler überzeugt, und damit wahrscheinlich ihren Beitrag zur Niederlage der NPD geleistet. Damit lagen die sächsischen „Blauen“ aber hinter den Schwesterverbänden in Thüringen oder Brandenburg, die sogar zweistellige Ergebnisse einfuhren. Zuletzt hatte die AfD ihre Positionen in Asylfragen noch einmal verschärft – was ihr bei einem entsprechenden Meinungsbild in Sachsen zugute kommen könnte. Stärkste Partei bleibt die CDU mit 38 Prozent.

Darüber hinaus offenbart die Umfrage weitere interessante Einblick in die Gemütslage der Sachsen. Fast die Hälfte der Bevölkerung spricht sich gegen die weitere Aufnahme von Flüchtlingen aus (44 Prozent), genauso viele erklärten sich aber auch bereit, Asylbewerbern vor Ort zu helfen. Sechs von zehn Befragten gaben an, die Anzahl neuer Flüchtlinge machen ihnen eher Angst. Bundesweit sind nur 38 Prozent dieser Meinung. Demgegenüber stehen indes 81 Prozent der Sachsen, die sich für die momentane rassistische Gewaltwelle „schämen“.

Beachtenswert ist der Vergleich zur Bundesebene, wo die Parteien rechts der Union in der Wählergunst von der sogenannten Flüchtlingskrise nicht profitieren. Im RTL-Wahltrend kommen AfD, NPD und REP zusammen auf sechs Prozent, obwohl ihr Potential laut Forsa-Chef Manfred Güllner bei zehn bis zwölf Prozent liege. Dieses fühle sich von den existierenden Parteien des Spektrums aber nicht angesprochen, weshalb die Menschen anderen Parteien ihre Stimmen gäben, oder der Wahl gleich fern blieben. Wahrscheinlich wird auch die von Lutz Bachmann jüngst angekündigte Pegida-Partei hieran nichts ändern.

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