Geschichtsrevisionistisches „Kulturangebot“

Am Wochenende nach Ostern soll in den Räumlichkeiten des Vereins „Gedächtnisstätte e.V.“ im thüringischen Guthmannshausen wieder eine zweitägige Vortragsveranstaltung stattfinden.

Mittwoch, 25. März 2020
Horst Freires

Der seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtete geschichtsrevisionistische Verein „Gedächtnisstätte e.V.“ in Guthmannshausen (Landkreis Sömmerda) plant eine Woche nach Ostern eines seiner regelmäßig im Jahresverlauf stattfindenden selbst so titulierten „Kulturangebote“. Dabei stehen einmal mehr stramm rechte Referenten im Programm.

Trotz derzeit durch Ordnungsbehörden flächendeckend untersagte Versammlungen in Corona-Zeiten halten die Veranstalter an ihrem Termin 18./19. April fest. Beworben werden dabei vier Vorträge, wobei Alois Mitterers Beitrag zur „Überwindung der christlichen Moral“ laut Mitteilung allerdings verlesen werden soll, weil dieser nicht selbst erscheinen könne. Mitterer bekleidete schon einen Vorstandsposten im betagten rassistischen „Schutzbund für das Deutsche Volk“, der seinen Vereinssitz im oberbayerischen Wielenbach hat. Er tauchte unter anderem als Autor im rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag  auf und publizierte Texte in dem Periodikum „Volk in Bewegung – Der Reichsbote“ aus dem Nordland-Verlag im thüringischen Fretterode.

„Artglauben“ und „Heidnische Kultur“

Dort gehören Andreas Thierry und Roland Wuttke mit zum redaktionellen Kreis. Beide werden ebenfalls für das April-Wochenende in Guthmannshausen gelistet: Thierry soll über das Thema „Das geistige und politische Ende des christlichen Abendlandes“ sprechen, Wuttke ist mit dem völkischen Gedanken „Aufbruch zum Artglauben“ dabei. Wuttke hat eine lange Karriere in Bayerns NPD hinter sich, lässt sich bei den rechtslastigen „Russlanddeutschen Konservativen blicken“ (bnr.de berichtete) und ist an der Seite von Wolfram Schiedewitz im Vorstand der „Gedächtnisstätte e.V.“. Thierry stammt aus der Neonazi-Szene Österreichs. Er besaß bis 2010 für mehr als ein Jahrzehnt das NPD-Parteibuch.

Schließlich wird noch Jens Bauer aus Elsteraue (Sachsen-Anhalt) als Referent aufgeführt, der sich mit „Heidnischer Kultur“ beschäftigen soll. Bauer war in der NPD verankert und ist der Kopf der rassistischen Vereinigung „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgleicher Lebensgestaltung“. Sie wurde 1951 gegründet und ist in Berlin vereinsrechtlich registriert. Zuletzt tauchten mehrfach Berichte auf, demnach der als mutmaßlicher Tatverdächtiger im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke inhaftierte Stephan E. bis zu seinem Ausschluss wegen rückständiger Beitragszahlungen Mitglied der völkischen „Artgemeinschaft“ gewesen sein soll.

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