von Oliver Cruzcampo
   

Geplantes Rechtsrock-Festival wird zum Fiasko

Es sollte die Wiedergutmachung für das geplatzte Neonazi-Festival in Mattstedt sein, doch für die rechtsextreme Szene endete es in einem Debakel. Nur ein Bruchteil der erwarteten Teilnehmer machte sich am Wochenende auf den Weg nach Apolda – und aufgrund von Ausschreitungen gegenüber der Polizei wurde die Rechtsrock-Veranstaltung nach kurzer Zeit aufgelöst.

Neonazis stehen sich die Beine in den Bauch, der ursprüngliche geplante Beginn verzögerte sich um Stunden

Kurz vor 20 Uhr beendeten am Samstagabend die Organisatoren das „Rock gegen Überfremdung“ in Apolda – weniger als eine Stunde nach Beginn. Kurz zuvor war es zu massiven Ausschreitungen von Neonazis gegenüber der Polizei gekommen, dabei wurden Flaschen auf die Beamten geworfen, auch wurde versucht, einen Schleusungspunkt zu durchbrechen.

Zudem seien acht Beamte leicht verletzt worden, teilte die Polizei auf Twitter mit. Anschließend wurde mit der Räumung des Marktes begonnen, erneut kam es zu Tumulten, die Polizei Thüringen schreibt von „massiver Gegenwehr“. Wenige Minuten später musste ein Hubschrauber per Scheinwerfer Unterstützung leisten.

„Eines Tages würden sie sich wünschen, wir würden nur Musik machen...“

Zuvor hatte NPD-Funktionär Sebastian Schmidtke die Veranstaltung beendet – nicht, ohne eine wenig subtile Drohung auszusprechen: „Eines Tages würden sie sich wünschen, wir würden nur Musik machen...“. Auch Neonazi-Kader Dieter Riefling wiederholte die Aussage auf Twitter.

Rechtsrock Apolda

Bei den rechtsextremen Organisatoren lagen die Nerven blank – das Wochenende endete für sie mit einem Debakel. Nachdem der erste Anlauf für das „Rock gegen Überfremdung 3“ in Mattstedt geplatzt war, machten vor allem auf Facebook rechte Festival-Gänger ihrem Unmut Luft. Immerhin 35 Euro mussten für den Eintritt berappt werden, Gerüchte machten die Runde, dass bereits Tickets im vierstelligen Bereich verkauft worden seien.

Organisator Steffen Richter, der zur militanten rechtsextremen Gruppierung „Turonen“ zählt, ließ über verschiedene Kanäle die Nachricht verbreiten, dass das Neonazi-Festival nachgeholt würde. „Ihr habt uns einen Tag genommen, jetzt nehmen wir euch zwei“, lautete das Motto. Die Veranstaltung sollte auf zwei Tage ausgedehnt werden. Sowohl in Apolda als auch in Magdala wurden politische Versammlungen angemeldet, mobilisiert wurde letztendlich nach Magdala. Auf einem Feld wurde ein riesiges Zelt aufgebaut, Dutzende Dixi-Klos bereitgestellt.

Etliche Strafanzeigen

Doch die 2.000 Einwohner-Gemeinde machte den Neonazis einen Strich durch die Rechnung, kurz vor Beginn am Freitagabend wurde die Zufahrt zum Gelände verwehrt, somit musste Apolda als Ausweichort herhalten. Kurzfristig wurde auf dem dortigen Markt Technik aufgebaut und drei Bands konnten vor rund 750 Neonazis spielen.


In dem riesigen Zelt in Magdala sollte das Festival ursprünglich stattfinden

Am Samstag ging das Katz-und-Maus-Spiel weiter. Anfangs wurde dazu aufgerufen, die Szene-Location in Kirchheim anzusteuern, doch auch dort kam es zu einem Verbot. Also doch wieder Apolda, allerdings war diesmal der Marktplatz durch eine Veranstaltung besetzt. So mussten die angereisten Neonazis anfangs stundenlang warten, schließlich gewährte ihnen die Polizei eine kleine Fläche, die dann am Abend vergrößert wurde.

Als mit „Übermensch“ schließlich die erste – und einzige – Band zu spielen begann, befand sich über die Hälfte der 700 Teilnehmer jedoch noch am Rande des Marktes. Die Polizei hatte eine Einlasskontrolle eingerichtet und ließ jede Person einzeln nach verbotenen Gegenständen oder Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen durchsuchen. Mit Erfolg: Gegen gleich mehrere Neonazis wurden Strafanzeigen gestellt.

Massiver Rückschlag

Ein Grund für die späteren Ausschreitungen dürfte somit auch der angestaute Frust der Neonazis gewesen sein: Neben Irrwegen quer durch das Bundesland und den teilweise gezahlten Eintrittsgeldern spielten weder Stahlgewitter noch die Lunikoff Verschwörung, und somit auch keine der „Headliner“. Ein Festival-Feeling wie in Themar oder Ostritz dürfte zu keinem Zeitpunkt aufgekommen sein.

Es ist zudem das erste große Rechtsrock-Festival, gegen das die Behörden erfolgreich vorgegangen sind. Für die rechtsextreme Szene Thüringens und die Turonen im Speziellen kommt dies einem Fiasko gleich. Neben den möglicherweise Tausenden verprellten Teilnehmern bleiben die Organisatoren auch auf einem massiven Haufen Kosten sitzen, die angefallen sind. Und die ersten Ticketbesitzer verlangen bereits ihre Eintrittsgelder zurück.

Kommentare(2)

Irmela Mensah-Schramm Montag, 08.Oktober 2018, 08:26 Uhr:
Eigentlich müsste die versagende Politik und Justiz für diesen und andere Neonazi-Ausschreitungen voll die Verantwortung übernehmen - eben dann auch für die acht verletzten Polizisten!
Schon sehr lange deuten die vielen Nazi-Konzerte darauf hin, was erreicht werden will und soll!
Dieses Versagen ist ein eklatantes Versagen der Demokratie. die sich immer mehr von den Demokratie-Feinden schwächen und verdrängen lässt.
 
Ich Montag, 08.Oktober 2018, 13:22 Uhr:
Dein Kommentar liest sich wie das AfD Wahlprogramm.
 

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