Geplante Flüchtlingsunterkunft in Boizenburg brennt bis auf die Grundmauern nieder

In Boizenburg brannte am Sonntagabend ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus komplett aus, in das diesen Donnerstag Flüchtlinge einziehen sollten. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen an sich gezogen. Ob es sich um einen Anschlag handelt, ist zur Stunde unklar. Erst vor wenigen Wochen waren rund 200 Rassisten durch die Kleinstadt gezogen – mit Plakaten, auf denen „Wehrt euch!“ stand.

Montag, 12. Oktober 2015
Redaktion
Tatort in Hamburg (Foto: GregorHH, Archiv)
Tatort in Hamburg (Foto: GregorHH, Archiv)
Ein leerstehendes Fachwerkhaus in dem Städtchen Boizenburg, in das bereits in wenigen Tagen Asylbewerber einziehen sollten, ist vor wenigen Stunden Raub der Flammen geworden. Das dreistöckige Gebäude sollte als Notunterkunft dienen. Es brannte bis auf die Grundmauern ab und ist fortan unbewohnbar. Verletzt wurde niemand. Bürgermeister Harald Jäschke sagte Zeit Online, nach dem Brand fehlten seiner Kommune 40 Plätze für Flüchtlinge. Aussagen über eine mögliche Brandursache konnte die Polizei zu diesem Zeitpunkt nicht treffen. Zunächst sollten die vollständigen Löscharbeiten abgewartet werden, hieß es aus dem Rostocker Polizeipräsidium. Anschließend würden die Kriminalpolizei und der Staatsschutz die Ermittlungen übernehmen. Nach Angaben des NDR könne die Polizei Brandstiftung nicht ausschließen.    Stimmungsmache in Boizenburg Die Innenstadt von Boizenburg mit ihrer historischen Bausubstanz liegt nur einen Steinwurf von der zentralen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern entfernt. Erst vor knapp zwei Wochen „besuchten“ die Abgeordneten der NPD-Fraktion, begleitet von zahlreichen demokratischen Parlamentariern, die Einrichtung in Horst. Diese „zynische Propaganda-Show“, wie es von Seiten der SPD hieß, hatten Udo Pastörs, Stefan Köster & Co. vor dem Landesverfassungsgericht erstritten, nachdem das Innenministerium sie zunächst untersagt hatte. Die Partei musste sich strengen Auflagen, wie etwa einem Foto-Verbot beugen, was die Außenwirkung stark in Grenzen hielt.
+++ #EILMELDUNG - Zukünftige #Notunterkunft in #Boizenburg Brennt in voller Ausdehnung +++Anwohner werden gebeten Fenster und Türen aufgrund der starken Rauchentwicklung zu schließen.. Posted by Blaulichtreport-Deutschland on Sonntag, 11. Oktober 2015
Nur eine Woche zuvor mobilisierte die selbsternannte Bürgerbewegung Mvgida nach Boizenburg. Damals versammelten sich überwiegend NPD-Anhänger – kein Wunder, bei den tragenden Rollen, die Parteikader dort einnehmen. Sie melden die „Spaziergänge“ an, sorgen unterwegs für die passenden Parolen und Pastörs ist sich nicht zu schade, als „Gastredner“ die Stimmung anzuheizen. Ende September trugen einige der Teilnehmer abgeschnittene NPD-Plakate mit der Botschaft „Wehrt Euch!“. Während heute Abend Sternberg im Mvgida-Kalender steht, macht in der Szene längst das Gerücht die Runde, Boizenburg könnte bald wieder Anlaufpunkt sein.

Mvgida-Demonstration Boizenburg (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Anschläge und Anklagen Am Sonntagmorgen hatten unbekannte Täter zwei Molotow-Cocktails gegen die Hauswand einer ehemaligen Metallbaufirma in Trassenheide auf Usedom geworfen, die im Moment leer steht. Das Gebäude sei als mögliche Unterkunft für 15 Geflüchtete im Gespräch, war von der Insel zu vernehmen. Ein Mietvertrag sei aber bislang nicht unterzeichnet, sagte Bürgermeister Horst Freese der Ostsee Zeitung. An den Plänen werde er aber trotz des Anschlages festhalten. Auch in diesem Fall ermittelt die Kriminalpolizei. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Rostock Anklage wegen versuchten Mordes gegen zwei 25 und 26 Jahre alte Männer erhoben. Ihnen wird vorgeworfen, einen Brandanschlag auf ein von acht Flüchtlingsfamilien bewohntes Mehrfamilienhaus in Groß Lüsewitz bei Rostock verübt zu haben. Dabei sollen sie den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen haben. UPDATE, 13. Oktober 2015, 8.00 Uhr: Die Schweriner Staatsanwaltschaft berichtete dem NDR von gesicherten Hinweisen auf eine Brandstiftung. Die Ermittlungen hätten entsprechende Ergebnisse geliefert. Der Sachschaden belaufe sich auf 350.000 Euro.  
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