Generalbundesanwalt hebt Freitaler Neonazi-Terrorzelle aus

Erst vor gut einer Woche hatte die Generalbundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen die „Gruppe Freital“ übernommen. Heute nun gingen Spezialkräfte der Polizei gegen fünf Personen vor, die im Verdacht stehen, eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet zu haben. Sechs der acht mutmaßlichen Gewalttäter wird u. a. versuchter Mord vorgeworfen.

Dienstag, 19. April 2016
Redaktion
Generalbundesanwalt hebt Freitaler Neonazi-Terrorzelle aus
Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft umfasst die Freitaler Terrorzelle acht Personen, von denen sich die beiden mutmaßlichen Rädelsführer Timo S. und Patrick F. ebenso wie ihr Mitverschwörer Philipp W. seit einiger Zeit in Untersuchungshaft befinden. Außerdem nahmen Spezialkräfte der Polizei, in Medienberichten ist von der GSG 9 die Rede, heute morgen fünf weitere Menschen zwischen 18 und 39 Jahren fest. An dem Einsatz waren mehr als 200 Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA), der Bundespolizei und der sächsischen Polizei beteiligt. Ziel der Neonazi-Clique sei es gewesen, heißt es in einer Pressmitteilung aus Karlsruhe, Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberunterkünfte und auf Wohnprojekte des politischen Gegners zu verüben. Hierfür hätte sich die Gruppe, die nach Informationen des Tagesspiegel mindestens dem Umfeld der berüchtigten „Bürgerwehr FTL 360“ angehört haben soll, mehrere Hundert sogenannter Polenböller im Ausland beschafft, die bei den heutigen Durchsuchungen den Ermittlungsbehörden in die Hände gefallen waren.

Weitere Anschläge offen

Nach bisherigem Ermittlungsstand könnten den Verdächtigen drei Angriffe zugerechnet werden, die sie in unterschiedlicher Besetzung ausgeführt haben sollen. Neben zwei Übergriffen auf Wohnheime für Flüchtlinge, bei denen auch Menschen verletzt wurden, warfen fünf mutmaßliche Gewalttäter Feuerwerkskörper und Steine auf das alternative Projekt „Mangelwirtshaft“ in Dresden. Einer der Sprengsätze sei in der Küche explodiert, wo außerdem ein Stein eingeschlagen sei. Die weiteren Ermittlungen sollen zeigen, ob die Gruppierung für andere Taten verantwortlich zeichnet. Medienberichten zufolge stehen der Angriff auf ein Auto, in dem sich damals der Sohn des sächsischen SPD-Chefs Martin Dulig befand, oder die Attacke auf ein Büro der Linken im Raum. Die Liste der möglichen Verbrechen ist lang, darunter gefährliche Körperverletzungen, die Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen, die Vorbereitung derselben und Sachbeschädigungen – aber auch versuchter Mord. Mit diesem Vorwurf müssen sich neben Patrick F. und Timo S. auch Justin S., Rico K., Maria K. und Sebastian W. auseinandersetzen. Die fünf heute Verhafteten werden in den nächsten Stunden den Ermittlungsrichtern vorgeführt.

Generalbundesanwalt übernimmt Verfahren

Ursprünglich waren von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden gegen die Beschuldigten Patrick F., Timo S., Justin S., Philipp W. und Maria K. Ermittlungen wegen des Tatverdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosionen und anderer Straftaten geführt worden. In jenen Verfahren hatte das Amtsgericht Dresden gegen die Beschuldigten Maria K., Patrick F., Timo S. und Philipp W. Haftbefehle erlassen. Der Haftbefehl gegen K. war außer Vollzug gesetzt worden. Am 11. April 2016 hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Beschuldigten Patrick F., Timo S., Justin S., Philipp W. und Maria K. unter anderem wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung übernommen.
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