„Gemeinsam stark“: Rechte Hools auf Biersuche

Die Hooligan-Truppe „Gemeinsam-Stark Deutschland“ (GSD) dürfte ihren Dortmund-Auftritt am vorigen Samstag als grandiosen Misserfolg verbuchen. Ihr Demo-Aufzug am Rande der Innenstadt blieb verboten. Und von den 500 angereisten Hools und Neonazis zog es die meisten ganz rasch wieder nach Hause – oder zu den nächstgelegenen Bierständen.

Montag, 10. Oktober 2016
Redaktion

Bis zu tausend Teilnehmer hatte man in Dortmund zu der Aktion erwartet (bnr.de berichtete) Dass es dann doch nicht so viele sein würden, war freilich spätestens klar, nachdem der Polizeipräsident den Demonstrationszug, der vier Kilometer durch die Ruhrgebietsstadt führen sollte, verboten und lediglich eine Standkundgebung erlaubt hatte. Die Polizei hatte von einem „ausgesprochen hohen, unkalkulierbaren Risiko“ gesprochen, wenn „gewaltsuchende Gruppierungen“ durch die Stadt zögen. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen kippte zwar kurzzeitig die Auflagen – das Oberverwaltungsgericht Münster stellte sich am Freitagabend aber hinter die Entscheidung der Polizei. Insbesondere für den „eventorientierten“ Teil der Hool-Szene war eine Dortmund-Visite damit deutlich weniger reizvoll geworden.

Was blieb, war eine stationäre Kundgebung in der Nähe des Hauptbahnhofs, am wohl ungemütlichsten und unattraktivsten Ort, den die Dortmunder City zu bieten hat. Dort setzte sich die Pannenserie der Veranstalter rund um den Bremer Hooligan Marcel Kuschela fort. Wegen der Tücken der Tontechnik konnte die Kundgebung erst mit weit mehr als einstündiger Verspätung beginnen. Und das Programm war deutlich abgespeckt. Verzichten musste das Publikum auf die Reden des als „Althool“ angekündigten Dortmunder Neonazis Siegfried („SS-Siggi“) Borchardt und von Zeki Acar, der als, so der O-Ton der Veranstalter, „christlicher Aramäher“ sprechen sollte. Auch ein Unplugged-Auftritt der Band „Randgruppe Deutsch“ fiel ins Wasser.

Tadel von Neonazis

Stattdessen standen bei stetig schrumpfendem Interesse der Zuhörer Ex-Pegida-Dauerrednerin Tatjana Festerling, ihr niederländischer Wegbegleiter Ed Wagenveld sowie der Westerwälder Torsten Frank auf der als Bühne dienenden Ladefläche eines Klein-Lkw, um mit den Problemen der  Lautsprecheranlage zu ringen. „Innerhalb einer guten Stunde reduzierte sich die Teilnehmerzahl deutlich auf ca. 120“, berichtete die Polizei. Den Kurzauftritt eines Mitglieds der Dortmunder Neonazi-Band „Oidoxie“ bekamen die meisten schon nicht mehr mit, weil sie auf der Rückreise oder auf Biersuche waren.

Letzteres missfiel vor allem jenen Dortmunder Neonazis aus dem Spektrum der Partei „Die Rechte“, die zuvor für die Veranstaltung die Werbetrommel gerührt hatten. „Einen Teil der Angereisten schien das Angebot an Bier und Spirituosen im Hauptbahnhof mehr zu begeistern als das Rahmenprogramm, so dass sich eine ,Parallelveranstaltung' entwickelte, die aus dem Konsumieren größerer Mengen Alkohol bestand“, resümierten sie. (ts)

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