„Gemeinsam im Kampf stehen“

Solidaritätskundgebung der Worch-Partei „Die Rechte“ für die „Kameraden“ der „Goldenen Morgenröte“ in Dortmund – unter den Teilnehmern waren offenbar auch griechische Neonazis.

Montag, 11. November 2013
Tomas Sager

Die Gesichter sind hasserfüllt. „Wir kriegen euch alle!“, brüllen die 70 Neonazis zu dem knappen Dutzend Demonstranten hinüber, die ihnen in 20 Metern Abstand gegenüberstehen. „Gemeinsam Nazis stoppen“ ist auf deren Transparent zu lesen. Das muss „bestraft“ werden – diesmal nur verbal. Mit dem Sprechchor „Wir kriegen euch alle!“, so heißt es später in einem Veranstaltungsbericht der Neonazis, werde „das Selbstverständnis der nationalen Bewegung“ zum Ausdruck gebracht, „die keinen der Herrschenden und ihrer willigen Vasallen nach einer Änderung der politischen Zustände vergessen wird“.

Der Dortmunder Kreisverband von Christian Worchs Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR) will an diesem Abend braunen Zusammenhalt über Ländergrenzen hinaus beweisen. „Solidarität mit Golden Dawn“ steht auf einem Transparent. Aktueller Anlass der „Mahnwache“ unweit des Dortmunder Hauptbahnhofs ist die Ermordung von zwei mutmaßlichen Mitgliedern der griechischen Neonazi-Partei „Chrysi Avgi“ („Goldene Morgenröte“) und die Tatsache, dass die Athener Polizei seit knapp zwei Monaten verstärkt gegen die militante Organisation vorgeht. (bnr.de berichtete)

Mehr als jede andere Neonazi-Formation in Europa dient „Golden Dawn“, so die englische Bezeichnung der „Goldenen Morgenröte“, aktuell deutschen „Kameraden“ als Vorbild. Einerseits wegen der Dreistigkeit, mit der ihre Mitglieder und Anhänger Jagd auf Migranten und politische Gegner machen konnten – lange Zeit ungestört unter den Augen einer weitgehend untätig bleibenden Staatsgewalt. Andererseits, weil die „Goldene Morgenröte“ trotz oder wegen dieser Militanz von einer bei Wahlen unbedeutenden Organisation zur drittgrößten Partei des krisengeschüttelten Landes avancieren konnte. Einer der Redner wird sich an diesem Abend daran erinnern, wie erhebend es war, als er selbst einmal zwischen Tausenden griechischer „Kameraden“ bei einem Aufmarsch in Athen mitlief. (bnr.de berichtete)

„Unser Tag wird kommen“

„Wir stehen gemeinsam im Kampf gegen die, die unsere Völker vernichten wollen!“, donnert Dennis Giemsch, Ex-Anführer des verbotenen „Nationalen Widerstands Dortmund“, nun „Die Rechte“- Bundesvorstandsmitglied und Landesvorsitzender in NRW, ins Mikrofon. Militant auf der Straße und gleichwohl erfolgreich an den Wahlurnen: Das wäre auch das Ziel jener Neonazis, die sich nach dem Verbot ihrer früheren Organisationen unter dem Dach der Worch-Partei sammeln. „Unser Tag wird kommen“, droht Giemsch. Und fügt hinzu: „Daran ändert auch nichts, dass die Polizei den Kameraden in Griechenland ihre Waffen abnimmt. Daran ändern auch nicht die Waffenbesitzverbote in Deutschland etwas.“

Links und rechts vom „Golden Dawn“-Transparent halten Männer griechische Fahnen. Im Veranstaltungsbericht wird es später heißen, „Aktivisten der ,Goldenen Morgenröte’“ hätten an der „Mahnwache“ teilgenommen. Sie schmettern ihre Parteihymne in den abendlichen Himmel und rufen auf Griechisch ihre Parolen. Mit Kerzen ist auf dem Pflaster der Fußgängerzone das Parteisymbol der „Goldenen Morgenröte“ nachgebildet. Aus der Ferne ähnelt es einem Hakenkreuz. Einer der deutschen Neonazis sagt, er wolle am Ende seiner Rede nun einen „großen Staatsmann“ zitieren: „Wer leben will, der kämpfe also, und wer nicht streiten will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das Leben nicht.“ Man findet das Zitat in Hitlers „Mein Kampf“.

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