von Oliver Cruzcampo
   

Geburtstagsfeier von Neonazi-Kameradschaft fällt ins Wasser

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats wollte die rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern ein konspirativ organisiertes Rechtsrock-Konzert durchführen. Doch beide Male bekam die Polizei davon Wind und konnte die Veranstaltungen unterbinden.

Mitglieder der Neonazi-Kameradschaft auf einer Anti-Asyl-Demo in Torgelow

Ursprünglich wollte Robert Wolinski einen Rechtsrock-Event über ein gesamtes Wochenende auf die Beine stellen. Das „Sonnentanz-Festival“ sollte von 17. bis 19. Juni im brandenburgischen Finowfurt stattfinden, auf dem Gehöft eines ehemaligen Funktionärs der Rechten. Bis zu 500 Teilnehmer wurden erwartet, die rund zehn angekündigte Bands sehen wollten, darunter auch „Painful Awakeing“ und „Thrima“. Doch das Konzert fand an dem Ort nicht statt. Stattdessen wurde Wolinski, NPD-Stadtvertreter in Velten, am Abend des 18. Juni in der Greifswalder Chaussee in Stralsund gesichtet.

Konspirativ wurde auf das Gelände eines Rockerclubs mobilisiert, einige der für das Festival geplanten Bands sollten dort auftreten. Die Polizei, die mit 200 Beamten im Einsatz war, erlangte allerdings Kenntnis von der geplanten Aktion und konnte diese unterbinden. Doch der Veranstalter wollte sich auch nach der zweiten Pleite nicht geschlagen geben.


Veranstaltungsflyer, mit dem für das Festival geworben wurde

In einem Garagenkomplex in dem Ortsteil Zansebuhr in Niepars gelang zu später Stunde der dritte Versuch – allerdings mit deutlich weniger Anhängern und Bands. Die slowakische Gruppe „Old Firm“, die dort spielte, nannte es eine „Underground-Party“ und bedankte sich artig bei einem „Robert“. Damit dürfte erneut der NPD-Kommunalpolitiker gemeint sein. Auch ein „ACAB-Gruß“ („All cops are bastards“) an die Polizei durfte nicht fehlen. Diese hatte von der Ausweichveranstaltung dann offenbar nicht erfahren: „Es gab keine Hinweise darauf, dass eine ähnliche Veranstaltung an einem anderen Ort stattfinden sollte.“

Am vergangenen Wochenende wollte die aus Ueckermünde stammende Neonazi-Kameradschaft „Aryan Warriors“ ihr 15-jähriges Bestehen feiern. Mit der Lokalband „Stimme der Vergeltung“ sowie „Überzeugungstäter Vogtland“ aus Sachsen und „D.S.T.“ (Deutsch, Stolz, Treue) sollten gleich drei Szenegrößen auftreten. Die Polizei hatte Mitgliedern der Kameradschaft bereits vorab mitgeteilt, dass sie das Konzert nicht genehmigen würden. Trotz „äußerst konspirativer Vorgehensweise“ sei schließlich der geplante Veranstaltungsort ausfindig gemacht worden. In der 400-Einwohner-Gemeinde Nadrensee, die nur fünf Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt, sollte ein 230 m² großer Veranstaltungssaal eines altes Wirtshauses genutzt werden.

Die Polizei, die an dem Abend mit 125 Personen im Einsatz war, hätte daraufhin über 40 Identitätsfeststellungen durchgeführt, anschließend seien nur noch wenige Personen angereist. Zudem seien Instrumente der Band „Überzeugungstäter Vogtland“ vorsorglich sichergestellt worden – offensichtlich sollte ein Ablauf wie drei Wochen zuvor diesmal unterbunden werden.

Das Wirtshaus in Nadrensee wird seit Jahren nicht mehr betrieben. Gegenüber dem Nordkurier sagte die Bürgermeisterin, dass die ehemalige Gaststätte nicht als Treff der rechten Szene gelte. Doch genutzt wird sie offenbar immer noch. Erst im Februar hatte der „Viking Blade MC Germany“ dort eine Veranstaltung durchgeführt. Teilnehmer des rechtslastigen Motorrad-Clubs seien in der Vergangenheit bereits mehrfach auf rechtsextremen Demonstrationen gesichtet worden.

Kommentare(10)

paul.pa Mittwoch, 13.Juli 2016, 00:07 Uhr:
Ich wusste bisher nicht, dass man sich eine Geburtsfeier, bei der eine Musikgruppe auftreten soll, "genehmigen" lassen muss.
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 13.Juli 2016, 10:42 Uhr:
@paul.pa

Ja nun, das derartige "Geburtstagsfeiern" der Nazis eine Tarnversammlung sind, hat immerhin die sonst so verschlafene Behörde nun endlich kapiert und setzt ihre Maßnahmen mehr oder weniger konsquent um!
 
Urmel ausm Eis Mittwoch, 13.Juli 2016, 11:43 Uhr:
Hoffe die Jungs klagen dagegen! Damit die Verantwortlichen wissen das auch Sie sich an demokratiches Recht halten müssen, was man ja so oft und gern mit Füßen tritt. ;-)

Und Irmela: Sie scheinen ja richtig Hintergrund wissen zuhaben, hängen Sie da mit drin oder ist es eines ihrer hellseherischen Fähigkeiten die Sie besitzen um das zu wissen?
 
Roichi Mittwoch, 13.Juli 2016, 13:33 Uhr:
@ Paul

Nur weil die Kamerraden es "Geburtstagsfeier" nennen, hat das keine Auswirkungen auf die Bewertung der Veranstaltung.
Öffentliche Einladung, Werbung, etc. Also wohl keine private Veranstaltung.
 
paul.pa Mittwoch, 13.Juli 2016, 17:45 Uhr:
@Irmela

Tarnveranstaltung wofür?
 
Rostockä Freitag, 15.Juli 2016, 20:36 Uhr:
Demnach ist es für Rechte unmöglich eine Geburtstagsfeier mit Livemusik zu machen. Es ist ja automatisch immer eine "Tarnveranstaltung".
Grundrechte gelten in der BRD eben nicht für jeden...
 
Irmela Mensah-Schramm Sonntag, 17.Juli 2016, 19:17 Uhr:
@paul.pa:
Wie es im Artikel ja steht: Wenn die Ekel-Nazis ihre Hass & Hetz-Veranstaltungen machen wollen, so melden sie eben ihre Tarnveranstaltung "Geburtstags-Party" o.ä. an und das ist nicht neu.
 
Roichi Montag, 18.Juli 2016, 11:27 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Lesen hilft.

Abgesehen davon, machen deine Kamerraden genau das. Konzerte als Geburtstagsfeiern tarnen. Ehrlich geht eben nicht.
Selbst in deinem konstruierten Fall, müssten dann die "ehrlichen" Kamerraden unter der Unehrlichkeit der anderen leiden. Du weißt schon, Kamerradschaft und so.
 
Rostockä Montag, 18.Juli 2016, 20:53 Uhr:
@Roichi

Du weißt schon, dass deine Logik gegen unser Grundgesetz verstößt? Es gibt ein Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Dazu gehört auch Geburtstage zu feiern. Da ist es völlig egal ob irgendwelche anderen ne "Tarnveranstaltung" durchgeführt haben oder nicht.

Nach der gleichen Logik müsste man das Asylrecht abschaffen. Weil viele es missbrauchen, müssten dann die anderen unter ihren unerhlichen Landsleuten leiden. Merkste was?

Während in Ländern wie China oder Saudi Arabien Menschenrechte ganz offen verletzt werden, versucht es die BRD über solche Tricks. Undemokratisch sind alle gleichermaßen....
 
Roichi Dienstag, 19.Juli 2016, 08:34 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Du weißt schon, dass ich nur deine Logik ausführte.
Und natürlich, dass deine Kamerraden genau so verfahren.

"Es gibt ein Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Dazu gehört auch Geburtstage zu feiern. "

Richtig. Öffentliche Veranstaltungen unterliegen aber auch noch anderen Gesetzen.
Deine Kamerraden versuchen diese beständig zu umgehen. Indem sie eben ihre Veranstaltungen tarnen.

"Merkste was? "

Klar. Du willst nicht nur wieder vom Thema ablenken, sondern auch deine Parolen aufsagen.
Dabei stimmt die Annahme immer noch nicht.

"Undemokratisch sind alle gleichermaßen.... "

Und noch eine Parole.
Merkst was?
 

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